Mit Kameras gegen Gewalt

AUSRÜSTUNG ⋅ Der Zürcher Sicherheitsvorsteher will seine Beamten mit Bodycams ausstatten. Die Kameras hätten eine deeskalierende Wirkung. Aber nicht alle Polizisten freut’s: Sie fühlen sich überwacht.
14. April 2018, 00:00

Der Zürcher Sicherheitsvorsteher Richard Wolff wird dem Stadtrat nach den Frühlingsferien einen Antrag auf die definitive Einführung der Uniformkameras für die Polizisten stellen. Stimmt der Rat zu, muss der Gemeinderat die nötige Rechtsgrundlage schaffen. «Das wird vermutlich eine län­gere Diskussion geben», sagte Wolff gestern vor den Medien. Die Kosten betragen einmalig 100000 bis 200000 Franken.

Für den Sicherheitsvorsteher sind die Uniformkameras ein «mildes Mittel zur Deeskalation». Er verwies an der Medienorientierung auf die Pilotphase. Diese habe gezeigt, dass nur schon die Ankündigung, dass die Kamera eingestellt werde, mässigend wirke. Während 36 Wochen testete die Polizei die Uniform­kameras. Die Beamten wurden gut ersichtlich gekennzeichnet: ­Hinten am Rücken ein «Video»-Schild, vorne auf der Brust ebenfalls. Die Kamera wurde immer dann angestellt, wenn etwa eine Personenkontrolle zu eskalieren drohte oder wenn das Gegenüber das Einschalten der Bodycam verlangte. Ein Blinklicht zeigte an, dass die Kamera lief. Zudem musste der Polizist sein Gegenüber immer auch verbal darauf aufmerksam machen.

Die Auswertung der Ergebnisse zeigt, dass die Kameras eine Tendenz zur deeskalierenden Wirkung hatten. Ohne Bodycam gab es bei 0,6 Prozent aller Einsätze Gewalt an Polizisten. Mit der Kamera nahm der Anteil auf 0,39 Prozent ab. Dies ist ein Rückgang um ein Drittel. «Unsere Polizisten wurden deutlich weniger geschubst und getreten», sagte Wolff. Allerdings, so musste er einräumen, sind die Ergebnisse statistisch gesehen nicht ganz wasserdicht, da die Signifikanz nicht eindeutig gegeben ist. Würden die Ergebnisse hochgerechnet, seien die Zahlen aber relevant. «Mit Bodycams gäbe es rund 50 Angriffe auf Zürcher Stadtpolizisten weniger pro Jahr.» Doch auch für jene Menschen, die es mit der Polizei zu tun bekommen, sollen die Bodycams ein Vorteil sein: Falls sich ein Polizist nicht richtig verhält, gibt es davon Videoaufnahmen. Diese würden von der Staatsanwaltschaft als Beweismittel akzeptiert, falls es zu einem Strafverfahren kommt.

Vorfall löst Unruhe im Korps aus

Nicht alle Polizisten sind aber erfreut über das neue Instrument. Gemäss Kommandant Daniel Blumer gibt es Vorbehalte, weil Bildmaterial über das eigene Handeln vorhanden sei. Einige würden sich überwacht fühlen. In der Testphase gab es einen Fall, bei dem sich die Kamera unbeabsichtigt eingestellt hatte, ausgerechnet, als sich ein Polizist nicht korrekt verhielt. Er wurde zwar nicht sanktioniert, doch der Vorfall sorgte intern für Unruhe. (sda)


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