Prämienlast für Familien senken

GESUNDHEITSWESEN ⋅ Der Bundesrat will Jugendliche und Familien bei den Krankenkassenprämien entlasten. Um wie viel, obliegt aber den Kantonen und Versicherern.
12. April 2018, 00:00

Anna Wanner

Unbestritten ist, dass die Prämien für junge Erwachsene in den letzten Jahren zu stark gestiegen sind. Sie liegen bald auf dem Niveau der Erwachsenenprämie von 465 Franken. Ein 19-Jähriger zahlt derzeit im Schnitt 433 Franken im Monat für Krankenkassenprämien.

Die Prämie von Jugendlichen gilt als hoch, da diese oft noch in Ausbildung sind und weil sie über Verhältnis belastet werden: Nur ein Drittel des Prämiengeldes, das 19- bis 25-Jährige einbezahlen, wird auch für ihre Gesundheit gebraucht. Der grosse Brocken fliesst in den Risikoausgleich, welcher kranke und ältere Versicherte subventioniert. Aus diesen Gründen hat sich im Parlament eine Entlastung der jungen Erwachsenen durchgesetzt. Gestern gab der Bundesrat bekannt, dass sie ab 2019 weniger bezahlen werden. Die Krankenkassen dürfen die 19- bis 25-Jährigen nicht mehr so stark im ­Risikoausgleich berücksichtigen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rechnet mit rund 100 Franken Abschlag.

Das Geld, das dadurch für Gesundheitsleistungen fehlt, müssen künftig jene Versicherten zahlen, die älter als 25 sind. Bei ihnen steigt die Prämie im Schnitt um 10 Franken, wie das BAG schätzt.

Jeder zehnte Franken für die Prämien

Mit dieser Umverteilung verfolgt das Parlament das übergeordnete Ziel, Familien zu entlasten. Die Forderung entspringt einem Vorstoss von CVP-Nationalrätin Ruth Humbel (AG). Sie stützt sich argumentativ auf eine Studie, wonach die hohen Prämien vor allem Familien mit Jugendlichen in Ausbildung sowie Familien mit Kindern stark belasten. Sie geben rund 8 Prozent des verfügbaren Einkommens für Krankenversicherungen aus, wie das Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) aufzeigte.

Zum Vergleich: Im Schnitt über alle Haushalte machen die Krankenkassenprämien 6,9 Prozent des Haushaltsbudgets aus (Prämienverbilligungen eingerechnet). Die am stärksten belasteten Haushalte geben jeden zehnten Franken für Prämien aus.

Der Abschlag bei den Prämien für Jugendliche hilft Familien mit erwachsenen Kindern. Um auch jene mit jüngeren Kindern zu entlasten, sollen Kantone allen Haushalten mit tiefen und mittleren Einkommen mehr Prämienverbilligungen auszahlen: Statt wie heute 50 Prozent der Prämienlast zu übernehmen, sollen die Kantone bis 2021 die Prämien betroffener Familien um 80 Prozent verbilligen. Nach ­Berechnungen im Jahr 2016 soll die Umsetzung kostenneutral erfolgen: Durch die tiefere Prämie für Jugendliche entfallen rund 400 bis 500 Millionen Franken an Prämienverbilligungen. Diese sollen neu an Familien mit tieferen und mittleren Einkommen fliessen – so die Idee des Parlaments. Allerdings bestehen Zweifel, ob dies möglich sein wird oder ob die Kantone darin eine neue Sparmöglichkeit sehen. Denn wie genau mittlere und tiefe Einkommen definiert werden, entscheiden die Kantone.

Höhe der Entlastung unklar

Ob Jugendliche tatsächlich 100Franken sparen können, entscheiden zudem laut BAG die Versicherer. Es stehe diesen frei, inwieweit sie die Entlastung im Risikoausgleich bei den Prämien der Jugendlichen berücksichtigen. Das bedeutet: Es ist auch unklar, wie hoch die zusätzliche Belastung der Erwachsenen ausfällt. Klar ist laut Ruth Humbel indes, dass Familien mit wenigstens einem Jugendlichen profitieren werden – auch wenn die Prämien der Eltern etwas ansteigen.


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