Ribar greift in Streit um Bahnlinien ein

ÖFFENTLICHER VERKEHR ⋅ SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar fädelte die Kooperation mit der Südostbahn am Gotthard ein. Einen Deal mit der Lötschbergbahn hatte sie ebenfalls aufgegleist, kam damit aber nicht durch.
13. Juli 2017, 00:00

Tobias Gafafer

Seit einem Jahr präsidiert Monika Ribar den SBB-Verwaltungsrat. Öffentlich ist sie bisher wenig in Erscheinung getreten – und machte vor allem wegen des Parkplatzes für ihren Maserati am Bahnhof Rüschlikon von sich reden. Im Streit um Fernverkehrslinien zwischen den SBB, der Südostbahn (SOB) und der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) zog sie nun aber im Hintergrund die Fäden. Letzte Woche verkündeten die SBB und die SOB, dass sie kooperieren wollen. Die SOB soll für die SBB ab 2020 die Strecken Zürich/Basel–Arth-Goldau–Göschenen–Lugano und Chur–Zürich–Olten–Bern betreiben.

Laut mehreren gut informierten Quellen setzte sich Ribar vor und in der heissen Phase der Verhandlungen stark für eine Kooperation ein. Den Deal fädelten sie und der Verwaltungsratspräsident der SOB, alt Ständerat Hans Altherr (FDP/AR), ein. Hilfreich war dabei auch, dass die frühere Panalpina-Chefin einen guten Draht zu Jeannine Pilloud hat, der Leiterin der Division Personenverkehr und obersten SBB-Kaderfrau. Die Achse Ribar–Pilloud funktioniere, heisst es. Ob es ohne die gebürtige Ostschweizerin überhaupt zu einer Einigung gekommen wäre, bleibt fraglich. SBB-Chef Andreas Meyer hatte sich vor einigen Monaten noch dagegen gewehrt und gilt als äusserst machtbewusst.

Besseres Angebot für Kunden, mehr Effizienz

Mit dem Kompromiss kann nun auch Meyer leben. Die SBB übergeben den Betrieb der Gotthard-Bergstrecke, der für sie nach der Eröffnung des Basistunnels eher eine lästige Pflicht war. Die SOB will den Kunden ein auch touristisch attraktives Angebot mit ­Direktverbindungen bieten. Im Gegenzug begnügt sie sich mit der Rolle des Fuhrhalters der SBB und verzichtet auf eine eigene Konzession. Zum Deal gehört überraschend auch die Linie Bern–Olten–Zürich–Chur. Dies erweckte den Eindruck, dass die SBB und die SOB die Berner BLS ausbremsen, die ebenfalls in den Fernverkehr einsteigen und gegen Osten expandieren will.

Die SBB führen den geplanten Wechsel auf ökonomische und betriebliche Gründe zurück. Die komfortablen, einstöckigen Triebzüge, welche die SOB für den Voralpen-Express beschafft, seien für diese Verbindung ideal, sagt ein Sprecher. Indem die Linie von Bern bis Chur durchgebunden werde, lasse sich Rollmaterial einsparen. Die heute eingesetzten S-Bahn-Doppelstockzüge sind für den touristischen Verkehr entlang des Zürich- und Walensees wenig geeignet.

Leuthards Departement schaltet sich ein

Laut mehreren voneinander unabhängigen Quellen gingen die Pläne der SBB-Präsidentin aber noch weiter. Demnach hatte sich Monika Ribar mit dem BLS-Verwaltungsratspräsidenten, Rudolf Stämpfli, im Grundsatz ebenfalls auf einen Kompromiss verständigt. Der ­basierte auf einer BLS-Konzession für gewisse Fern­verkehrsstrecken ab dem Berner Oberland. Dem Vernehmen nach stellen die SBB dies nun wieder in Frage. Ribar lief in diesem Fall offenkundig im Verwaltungsrat und bei Andreas Meyer auf. Eine ­Einigung dürfte aber ebenso ­erschweren, dass BLS-Direktor Bernard Guillelmon und Andreas Willich, Leiter des BLS-Personenverkehrs und Ex-SBB-Manager, bisher unbedingt an der eigenen Konzession festhielten.

Am Treffen zwischen Ribar und Stämpfli nahm auch das ­Generalsekretariat des Departements von Doris Leuthard teil. Der Bund setzt die Bahnen unter Druck. CVP-Nationalrat Martin Candinas, Präsident der ÖV-Lobby Litra, hofft, dass sich die SBB und BLS doch noch verständigen. «Jahrelange Rechtsstreitigkeiten würden dem guten Namen des ÖV schaden und dessen Weiterentwicklung bremsen.» Dass sich die SBB und die SOB geeinigt haben, begrüsst er. Ob sich auch die BLS und die SBB zusammenraufen, bleibt indes fraglich. Beide Bahnen wollen sich nicht zu den laufenden Gesprächen äussern.


Leserkommentare

Anzeige: