Rückenwind für den Lötschberg-Ausbau

BAHNVERKEHR ⋅ Der durchgehend zweispurige Lötschberg-Basistunnel ist in den Ausbauplänen des Bundes für die kommenden Jahre nicht vorgesehen. In der Vernehmlassung wird nun von vielen Seiten dafür lobbyiert.
13. Januar 2018, 00:00

Bis 2035 will der Bundesrat 11,5 Milliarden Franken in Infrastrukturbauten für die Bahn investieren. Er bevorzugt die teurere von zwei Varianten, die er mit dem Ausbauschritt der Bahninfrastruktur 2030/35 zur Diskussion stellt. Trotzdem bleiben Wünsche offen: Zuoberst auf der Liste steht der Vollausbau des rund 35 Kilometer langen Lötschberg-Basistunnels. Heute sind nur 15 Kilometer zweispurig befahrbar. Von der zweiten Röhre sind 6 Kilometer noch nicht gebohrt und 14 Kilometer ausgebrochen, aber noch ohne Bahntechnik.

Dies zu ändern, verlangen das Bahnunternehmen BLS, der Verband öffentlicher Verkehr (VöV), der Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr, das Lötschberg-Komitee mit Vertretern von Kantonen, Gemeinden, Parlament und Wirtschaft, der Gemeindeverband, Pro Bahn, die kantonalen Verkehrsdirektoren und die Parteien.

Westschweizer fühlen sich benachteiligt

Der Ausbau würde einen Halbstundentakt zwischen Bern und Visp ermöglichen, schreibt der VöV, und Güterzüge müssten nicht mehr über die Bergstrecke fahren. Die BLS erinnert an den fast zweimonatigen Streckenunterbruch im süddeutschen Rheintal im Herbst: Es sei wichtig, neben der Gotthardachse eine Ausweichmöglichkeit zu haben. Die SBB dagegen unterstützen den Bundesrat darin, den Lötschberg nicht ins Paket zu nehmen. Ausbauten sollten nur getätigt werden, wenn es keine andere Möglichkeit gebe, finden sie und warnen auch vor Folgekosten: Investitionen von 100 Millionen Franken zögen jährliche Unterhaltskosten von 4 Millionen Franken nach sich.

Daneben gibt es viele weitere Wünsche, etwa aus der Westschweiz, die sich benachteiligt fühlt. Der Verband Ouestrail stellt fest, dass 40 Prozent der Investitionen der Westschweiz zustünden und hat nachgerechnet: Die günstigere zur Diskussion gestellte Variante enthalte 25 Prozent für die Westschweiz, die teurere gar nur 21 Prozent. Das sei inakzeptabel. Würde der Kostenrahmen auf 13 Milliarden Franken erweitert, könnten Westschweizer Schlüsselprojekte aufgenommen werden, schreibt Ouestrail. Unterstützung erhält der Verband von der Westschweizer Verkehrsdirektorenkonferenz: Der öffentliche Verkehr würde attraktiver, touristische Ziele der Romandie besser erreichbar. 13 Milliarden «für regionale Ausgewogenheit» wünscht sich auch Pro Bahn, die Interessenvertretung der Bahnkunden. Die Vorlage sei zu stark auf die Metropolitanregionen Zürich und Genferseebogen ausgerichtet.

Im Parlament dürfte die Vorlage Chancen haben, obwohl die SVP nicht ins «Wunschkonzert» der Regionen einstimmen mag. Sie warnt vor Fehlinvestitionen und will statt der Vorlage eine Optimierung in kleinen Schritten beim – rentablen – Fernverkehr. Den Lötschberg will indes auch die SVP ausbauen. Die Lötschberg-Befürworter finden zudem Unterstützung bei SP, CVP, Grünen und GLP. (sda)


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