Bundesrat auf Reisen

Schneider-Ammann hebt ab

12. April 2018, 00:00

Am Boden wirkt Johann Schneider-Ammann oft müde und träge. Über den Wolken aber, da scheint sich der Wirtschaftsminister pudelwohl zu fühlen. Kein anderes Mitglied der Landesregierung ist so oft mit dem Lufttransportdienst des Bundes unterwegs wie der Berner Magistrat. Das zeigen die gestern veröffentlichten Zahlen der Luftwaffe zum vergangenen Jahr. Demnach flogen alle sieben Bundesräte zusammengerechnet 623 Stunden und 9 Minuten mit den Flugzeugen und Helikoptern des Bundes. Davon entfielen 190 Stunden und 42 Minuten, also fast ein Drittel, auf Schneider-Ammann.

Besonders angetan hat es dem Wirtschaftsminister der Bundesratsjet, die Dassault Falcon 900EX EASy II. Seit dem Jahr 2013 fliegt die Maschine mit zwei Toiletten und Platz für maximal 14 Passagiere unter der Flagge der Eidgenossenschaft. Davor wurde sie als Regierungsflugzeug von Monaco genutzt und stand damit auch im Dienste von Fürst Albert II. Falsch läge man aber, wenn man Johann Schneider-Ammann nun fürstliches Gebaren vorwerfen würde. Wer den Wirtschaftsminister kennt, der weiss, dass er als Freisinniger bedacht ist auf grösstmögliche Effizienz und einen sorgsamen Umgang mit dem Geld der Steuerzahler.

Das gilt auch in diesem Fall. Mehrkosten entstehen durch Schneider-Ammanns rege Flugtätigkeit nicht, wie die Armee versichert. Denn die Piloten brauchen eine gewisse Anzahl von Flugstunden pro Jahr, um ihre Lizenz aufrechtzuerhalten. Im Klartext heisst das: Würde der Wirtschaftsminister die Dienste des bundeseigenen Flugdienstes weniger oft beanspruchen, gäbe es mehr Leer­flüge. Darum kann man sich eigentlich nur bedanken bei Schneider-Ammann. Leerläufe nämlich produziert die Schweizer Armee auch sonst schon mehr als genug. (mbu)


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