Sonko soll vor Gericht

JUSTIZ ⋅ Die neue gambische Regierung fordert die Auslieferung des in der Schweiz festgehaltenen Ex-Innenministers Sonko.
13. Juli 2017, 00:00

Die gambische Handelsministerin Isatou Touray gab gestern am Rande einer Versammlung der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf bekannt, dass der Justiz- und der Innenminister derzeit am Auslieferungsbegehren arbeiteten. Sonko war von 2006 bis September 2016 Innenminister von Gambia. Davor war er Polizeichef sowie Kommandant der Präsidentengarde von Langzeitpräsident Yahya Jammeh gewesen. Jammeh gab die Macht erst nach einer Militärintervention westafrikanischer Staaten ab.

Sonko flüchtete anschliessend in die Schweiz. Er wurde im Januar in Lyss festgenommen, wo er seit November letzten Jahres als Asylsuchender in einer Asylunterkunft lebte. Das Bundesstrafgericht hatte Mitte Juni die Untersuchungshaft gegen Sonko erneut verlängert. Es bestehe ein «dringender Verdacht» gegen ihn, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Seine Darstellung, nie Zeuge von Folterhandlungen durch die Polizei gewesen zu sein, bezeichnete das Gericht als «nicht glaubhaft».

«Sonko ist ein Mörder»

«Wir hoffen, dass die Schweizer Regierung mit uns zusammenarbeitet, damit den Gambiern Gerechtigkeit widerfährt», insbesondere den Menschenrechtsaktivisten wie ihr, sagte Touray. Nach 22 Jahren Diktatur unter Jammeh verpflichte sich die neue gambische Regierung dem Rechtsstaat und den Grundrechten, so die Ministerin. Sie verstecke aber auch nicht persönliche Ressentiments gegen den Mann, den sie für ihre Festhaltung als politische Gefangene verantwortlich macht. Sie bezeichnete Sonko als «notorischen Mörder» und «Handlanger des alten Regimes». Um einer Auslieferung zuzustimmen, muss Gambia die Schweiz davon überzeugen, dass die Justiz im westafrikanischen Land unabhängig ist. Die neue Regierung will zudem ihre Beziehungen mit der Schweiz aus­weiten. Sie will in Bern bald eine Botschaft eröffnen. (sda)


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