Terrorverdächtige werden ausgewiesen

11. Oktober 2017, 00:00

Sicherheit Die Verhaftung des Paars erfolgte am späten Sonntagabend im Empfangs- und Verfahrenszentrum für Asylsuchende in Chiasso. Die Tessiner Kantonspolizei führte die Aktion auf Anweisung des Bundesamts für Polizei (Fedpol) durch. Das Amt erklärte gestern, die Ausweisung dieser beiden Personen verfügt zu haben, «die die innere Sicherheit der Schweiz gefährden».

Bestätigt hat das Bundesamt auch, dass es einen terroristischen Hintergrund gibt. Beim verhafteten Mann handelt es sich um den Bruder des mutmasslichen Attentäters von Marseille, Ahmed Annachi, der am 1. Oktober im dortigen Bahnhof zwei Frauen im Alter von 20 Jahren mit einem Messer tödlich verletzt hatte. Der 29-jährige Angreifer mit tunesischem Pass wurde damals von Soldaten erschossen. Der IS reklamierte später das Attentat für sich.

Im Laufe der Ermittlungen wurden in Tunesien ein Bruder und eine Schwester des Täters festgenommen, in Ferrara (Italien) ein weiterer Bruder. Dieser Bruder hat gemäss Informationen der italienischen Anti-Terror-Polizei als «Foreign Fighter» in Syrien und im Irak gekämpft.

Rolle im Marseille-Attentat noch unklar

Auch der nun in Chiasso verhaftete Bruder ist laut Fedpol ausländischen Polizeibehörden bekannt wegen Verbindungen zu dschihadistischen Terrororganisationen. «Seine Rolle im Attentat von Marseille, sofern er eine gehabt hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar», sagt Fedpol-Sprecherin Cathy Maret. Bei der Verhaftung handelt es sich um eine verwaltungspolizeiliche Massnahme, die sich auf Artikel 68 des Ausländergesetzes stützt. Das Paar wurde in Ausschaffungshaft genommen. Laut Cathy Maret wurden dieses Jahr bereits acht Personen im Rahmen einer ähnlichen Prozedur ausgeschafft oder deren Einreise verweigert. Der Tessiner Sicherheitsdirektor Norman Gobbi (Lega) erklärte gegenüber den Medien, die Festnahmen zeigten, dass Chiasso ein sensibles Eingangstor zur Schweiz sei, das gut bewacht werden müsse. Er erinnert auch an den Messerangreifer im finnischen Turku, einen Marokkaner, der im August 2017 zwei Frauen tötete und acht weitere Personen verletzte. Dieser hatte 2016 in Chiasso um Asyl gebeten. (lob)


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