Im Fokus: Buchungsportale

Das Schreckgespenst der Hotellerie

09. Oktober 2016, 00:00

Hand aufs Herz: Wie haben Sie das letzte Mal Ihr Hotelzimmer gebucht? Sind Sie über eines der Internetportale wie Booking.com, HRS oder Expedia auf Ihre Unterkunft gestossen? Wohlverstanden: Daran ist überhaupt nichts auszusetzen. Ein Hotelzimmer zu buchen, war wohl noch nie so einfach. Mit ein paar wenigen Klicks gewinnen wir einen breiten Überblick über das Angebot. Nicht umsonst geniessen Booking.com und Co. eine solch grosse Beliebtheit. Mittlerweile läuft in der Schweiz jede fünfte Buchung über sie ab.

Es gab eine Zeit, in der auch unzählige Schweizer Hoteliers Feuer und Flamme für diese Portale waren. Schliesslich garantieren sie ihnen den Zugang zu wichtigen wie auch neuen Märkten und machen erst noch so manch kostspielige Werbeoffensive überflüssig.

Der Wind hat längst gedreht. Je populärer die Buchungsportale wurden, desto grösser wurden die Abgaben, und desto strenger wurden die Auflagen. Heute betragen die Gebühren zwischen 12 bis 29 Prozent. Hinzu kommen je nach Verarbeiter noch Kommission für Kreditkartenzahlungen. Das geht ins Geld, beziehungsweise schmälert den Gewinn. Aber noch viel ärgerlicher ist, dass ein Hotelier auf seiner eigenen Website keinen günstigeren Preis anbieten darf als auf der Buchungsplattform. Booking.com und Co. sind zu den Schreckgespenstern geworden.

Nun eilt eine Gruppe von Politikern zu Hilfe. Der Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof hat zusammen mit 20 Mitunterzeichnern eine Motion eingereicht, die ein «Verbot von Knebelverträgen der Internetplattformen gegen die Hotellerie» fordern.

Das liest sich gut. Aber wird da nicht ein wenig zu dick aufgetragen? Letztlich ist es jedem Hotelbetrieb selber überlassen, ob er einen Vertrag mit einem dieser Portalen eingehen will. Und eine Marktdominanz ist nicht zu verwechseln mit Marktmissbrauch. Bei Booking.com ist Ersteres auf jeden Fall gegeben; die Plattform weist hierzulande einen Marktanteil von 70 Prozent auf. Letzteres liegt laut der schweizerischen Wett­bewerbskommission nicht vor.

Doch möglicherweise hat die Schweizer Hotellerie im Vergleich zum Ausland schon bald einen Wettbewerbsnachteil. Denn in Deutschland und Frankreich ist es laut ­Hotelleriesuisse, dem Branchenverband der Schweizer Hotels, den Buchungsportalen untersagt, solch restriktive Bestimmungen zu erlassen. In Italien ist eine gleiche Ge­setzesänderung hängig, in Österreich will sich das Parlament ebenfalls einer solchen Bestimmung annehmen.

Wie auch immer das Parlament in der Schweiz entscheiden wird. Ganz machtlos sind die Hoteliers nicht. In Bern und Luzern weigern sie sich seit kurzem, solchen Plattformen mehr zu zahlen, nur damit sie eine bessere Platzierung auf der Website erhalten. Dies zahlt sich aus. Bei einem 200-Zimmer-Betrieb können so schnell einmal 36 000 Franken gespart werden. Und weniger gebucht wurde deswegen nicht. Zusammenraufen lohnt sich.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch


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