Kopf des Tages

Die Frau, die Nein sagt

GEBURTSTAG ⋅ Sie war eine der zahlreichen Frauen von Pablo Picasso. Doch als Einzige hat Françoise Gilot den Meister verlassen. Heute wird die Künstlerin 95 Jahre alt.

26. November 2016, 00:00

Jacqueline erschoss sich, Olga und Dora verfielen in starke Depressionen, und Marie-Thérese erhängte sich – sie alle waren Frauen, die mit Pablo Picasso liiert waren. Auch Françoise Gilot reiht sich in die Liste der Musen des Meisters ein. Nur: Sie war die Einzige, die dem spanischen Maler den Laufpass gab.

Ihr Blick ist offen und direkt, ihr Lächeln selbstsicher und herausfordernd. Fotos, die Françoise Gilot im hohen Alter auf Vernissagen ihrer Ausstellungen zeigen. Fotos einer Frau, die es gewagt hat, Picasso Paroli zu bieten. Der Laufpass war ein Affront für den Künstler, der ihr sagte: «Niemand verlässt einen Mann wie mich.» Doch im Jahr 1953 packte sie ihre Koffer und nahm die beiden 1947 und 1949 geborenen gemeinsamen Kinder Claude und Paloma mit. «Die Frau, die Nein sagt», soll Picasso sie genannt haben. Gilot, die heute in New York und Paris lebt, wurde in dem Pariser Nobelvorort Neuilly-sur-Seine geboren. Ihre Mutter war Aquarellmalerin, ihr Vater ein erfolgreicher Geschäftsmann. Als sie 1943 den 40 Jahre älteren Picasso kennen lernte, hatte die 21-Jährige schon erste Erfolge als Malerin.

Nach der Trennung kehrte Gilot nach Paris zurück. Im Jahr 1964 veröffentlichte sie die Autobiografie «Leben mit Picasso». Das Buch wurde zu einem Bestseller. Picasso versuchte vergeblich, das Erscheinen zu verhindern. Gilot gibt im Buch nicht nur Einblick in das künstlerische Schaffen Picassos. Sie beschreibt auch seinen Umgang mit Frauen.

Picasso galt als Macho und Machtmensch. In dem 2002 erschienenen Buch «Und trotzdem ein Picasso. Leben im Schatten meines Grossvaters» beschreibt auch Marina Picasso den Maler als selbstsüchtiges Monster. Er habe seine Familie und vor allem die Frauen gedemütigt und ausgenutzt, wie die Enkelin der Balletttänzerin Olga Chochlowa, der ersten Frau des Jahrhundert­malers, darin schreibt. Gilot sei gegangen, weil Picasso immer kälter und tyrannischer wurde. Auch die vielen anderen Frauen seien ihr etwas auf die Nerven gegangen. Als eifersüchtig bezeichnet sie sich jedoch nicht. Nach Picassos vergeblichem Versuch, die Veröffentlichung des Buches zu verhindern, fand Gilot keine Galerie mehr, die sie ausstellen wollte. Auch zu seinen Kindern habe er den Kontakt abgebrochen. Gilot zog daraufhin nach Amerika.

In der Sammlung Rosengart in Luzern hängen zwei Bilder, welche Picasso von Gilot gemalt hat. Inhaberin Angela Rosengart kannte Picasso persönlich, lernte aber Gilot erst vor etwa 15 Jahren kennen. «Man merkt ihren Bildern an, dass sie von Picasso geprägt worden ist», berichtet Angela Rosengart, welche die Werke von Gilot nicht sehr innovativ findet. Zweifellos aber habe sie Stärke bewiesen, als sie Picasso verliess. «Es war nicht leicht, seine Partnerin zu sein. Picasso lebte vor allem für seine Kunst und konnte ein schwieriger Mensch sein.» Und er war bekannt für seine vielen Frauengeschichten. «Er hatte eine grosse Ausstrahlung», erinnert sich Rosengart. «Die Frauen flogen auf ihn. Und haben es oft teuer bezahlt.»

Sabine Glaubitz, DPA, Arno Renggli


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