Kopf des Tages

Die Reichste

UNTERNEHMERIN ⋅ Magdalena Martullo-Blocher (47) ist erfolgreiche Unternehmerin und Feindbild der Linken. Im Bundeshaus ist sie aber vor allem eines: die Reichste.
28. Januar 2017, 00:00

Die Sätze sind inzwischen fast so bekannt wie Adolf Ogis Ausspruch «Freude herrscht!». Doch Freude herrschte keine bei Magdalena Martullo-Blocher, als sie die Reaktionen sah und hörte. Ihre famosen Sätze fielen vor sechs Jahren in einem Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens über den «unaufhaltsamen Aufstieg der Magdalena Martullo». Darin fragt die Porträtierte an einem Seminar ihre Ems-Chemie-Manager wie Primarschüler ab. Einen Herrn fordert sie auf, die «Seven Thinking Steps» der Problemlösung aufzusagen. Einen anderen, der keine Antwort parat hat, kanzelt sie mit «Ja, Dreamer, you dream, du» ab. Das Video ist ein Dauerbrenner auf Youtube, wer «Martullo-Blocher» googelt, bekommt als erstes Resultat diese Sequenz zu sehen.

Doch die älteste Tochter von alt Bundesrat Christoph Blocher ist weit mehr als ein Internet-Hit. Sie ist, das darf man angesichts der Zahlen sagen, die erfolgreichste Schweizer Unternehmerin der letzten zehn Jahre. Mit 2800 Mitarbeitern erzielte die Ems letztes Jahr einen Umsatz von knapp 2 Milliarden Franken. 2006 waren es noch 1,4 Milliarden gewesen. Die Ems-Aktie ist heute rund viermal so viel wert wie vor zehn Jahren. Davon profitiert nicht zuletzt Martullo-Blocher selbst: Ihr gehören 30 Prozent der Firma, ihr Aktien­paket brachte der 47-Jährigen im vergangenen Jahr eine Dividende von über 106 Millionen Franken ein.

Seit zwei Jahren ist Martullo-Blocher nun auch Politikerin – die reichste des Landes. Wie das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» in seiner neuesten Ausgabe vorrechnet, soll Martullos Vermögen rund 4 Milliarden Franken betragen. Ihr Anteil an der Ems macht 3,5 Milliarden aus, die Dividenden­bezüge seit 2004, als sie die Führung der Firma von ihrem Vater übernahm, belaufen sich auf gut 500 Millionen Franken. Die SVP-Nationalrätin besitzt somit fünfmal so viel Geld wie alle anderen Parlamentarier zusammen.

Und als Vermögendste unter der Bundeshauskuppel wird sie für ihre Dividendenbezüge gerne kritisiert. So etwa bei der Debatte zur Unternehmenssteuerreform III, die in gut zwei Wochen vors Volk kommt. Von der Ratslinken kam in derselben Diskussion auch die Frage, wie viel die Zürcherin denn privat versteuere. Die Antwort – 15 Millionen – kam ohne Zögern. In den aktuellen Abstimmungskampf mischt sich Martullo-Blocher rege ein. In den letzten zehn Tagen war sie fast täglich in den Medien – einmal allerdings unfreiwillig: Am letzten Mittwoch musste sie sich einer Notoperation unterziehen. Was genau der viel beschäftigten Unternehmerin fehlte, ist nicht bekannt. Ein Ems-Sprecher gab aber Entwarnung, der Eingriff sei «unbedenklich» gewesen.

Nicht nur wegen ihres Engagements für die Steuerreform ist Martullo-Blocher ein Feindbild linker Politiker. Neben ihrer undiplomatischen Art dürfte dies auch an ihrer Parteizugehörigkeit und vielleicht auch ein wenig an ihrer Herkunft liegen. Denn eigentlich verkörpert sie als dreifache Mutter und erfolgreiche Unternehmerin genau die «moderne Frau», wie sie sich heute auch viele Feministinnen wünschen.

Livio Brandenberg


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