Chefsache

Entrümpeln

08. Oktober 2016, 00:00

«Ach, hören Sie auf mit dem Legende- Schmarren.» So hat der Eishockey-Trainer des EV Zug Ausflüge in die Vergangenheit abgewehrt. War Harold Kreis’ Reaktion auf das Aufzählen seines Spieler-Palmares bei Adler Mannheim wirklich pure Abwehr? Oder kokettierte er nicht auch ein wenig mit vergangenen Glanzzeiten? Wie auch immer – eine Kernaussage ist wohl diese: Wer in der Gegenwart weiterkommen will, kann sich nicht auf alten Lorbeeren ausruhen.

Entrümpeln, Ausmisten, Loslassendas brauchts, um Platz für Neues zu schaffen. Das Verharren im Althergebrachten ist kaum ein taugliches Mittel, wenn es darum geht, aktuelle Probleme zu meistern. Ein gutes Beispiel sind die heftigen Spardiskussionen, wie sie insbesondere in Luzern, Zug und Schwyz geführt werden. Einsparungen schmerzen, und Betroffene verteidigen entsprechend vehement den Status quo. Und so löst zum Beispiel der Vorschlag der GLP, wonach die Instrumentallehrer nicht mehr an den Luzerner Kantonsschulen, sondern nur noch an den Musikschulen der Gemeinden angestellt sein sollen, Protest aus. War die Idee 2004 noch gescheitert aufgrund tieferer Standards in den Gemeindemusikschulen, ist dieser Makel heute dank dem Bildungsgesetz ausgemerzt. Wo bleibt hier (und in anderen Fällen) also die Bereitschaft, sich vom Status-quo-Denken zu lösen?

Im Entrümpelungsmodus besteht aber auch die Gefahr, dass ohne Rücksicht auf Verluste ausgemistet wird. Auch das ist falsch. Aus Fehlern der Vergangenheit soll man lernen. Sonst wiederholen sich Verirrungen dieser Art: aus Spargründen gesetzte Zwangsferien für Luzerner Gymnasiasten, Berufsschüler und deren Lehrer, wie sie übernächste Woche tatsächlich stattfinden.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch


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