Chefsache

Gleichgewicht bedroht

26. November 2016, 00:00

Wasserturm und Kapellbrücke prägen das Luzerner Stadtbild. Ebenso wichtig für die Silhouette ist die Museggmauer. Vorgestern hat der Grosse Stadtrat für den Unterhalt dieses grandiosen, 870 Meter langen Bauwerks jährlich 120000 Franken gesprochen. Den nötigen Restbetrag von bis zu 80000 Franken bringt die Stiftung zum Erhalt der Museggmauer ein. Mit Spenden und Mitgliederbeiträgen werden also seit Jahren zuverlässig 30 bis 40 Prozent der Unterhaltskosten bezahlt. Ein beeindruckendes Mass an ehrenamtlicher Sammel- und Netzwerkarbeit.

Öffentliche Hand und Private finanzieren gemeinsam; das hat sich in Luzern immer wieder bewährt. Das FCL-Stadion mit Hallenbad und Hochhäusern ist ebenso mit Hilfe von Investoren gebaut worden wie nun bald eine grosse Sport-/Eventhalle im Krienser Mattenhof. Mäzene und Gönner waren es, die den Bau des Konzerthauses KKL massgeblich mitfinanzierten. Es gibt zig weitere, auch kaum bekannte Beispiele von vorbildlicher Mithilfe privater Donatoren.

In der Kultur, wo Mäzene und Gönner besonders wichtig sind, will der Kanton Luzern nun sparen: jährlich 1,2 Millionen Franken weniger für die grossen Institutionen wie Sinfonieorchester, Luzerner Theater, Lucerne Festival, Kunstmuseum oder Verkehrshaus. Es scheint, als sei hier das Subsummieren im Milchbüechli höher gewichtet worden als der weitsichtige Blick auf das Gleichgewicht der Kostenträger. Ein langjähriger bürgerlicher Luzerner Legislativ- und Exekutivpolitiker sieht das offensichtlich ähnlich. Er sagte zu mir: «Die Signale, die die Regierung damit aussendet, sind fatal. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn sich nun nach und nach lang­- jäh­rige Gönner zurückziehen würden.»

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch


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