Kopf des Tages

König – oder doch nicht?

THAILAND ⋅ Nach dem Tod von König Bhumibol soll sein Sohn Maha Vajiralongkorn (64) neuer Regent werden. Doch der Kronprinz hat mächtige Feinde.

15. Oktober 2016, 00:00

Kurz nach dem Tod seines Vaters schien Thailands 64-jähriger Kronprinz Maha Vajiralongkorn als neuer König festzustehen. «Die Regierung wird die Gesetzgebende Versammlung informieren, dass seine Majestät seinen Nachfolger am 28. Dezember 1972 bestimmt hat», verkündete Thailands Diktator Prayuth Chan-ocha im Fernsehen. Wenig später schockte der General zahlreiche Thailänder: «Der Kronprinz hat aus Rücksicht auf die Trauer der Thailänder darauf bestanden, zu einem späteren, geeigneten Zeitpunkt die Nachfolge anzutreten. Er muss sich vorbereiten.» Die angebliche Geduld ist neu. «Es gibt nur einen Kronprinzen», schleuderte Vajiralongkorn im vergangenen Jahr dem scheidenden deutschen Botschafter entgegen und verliess wutschnaubend dessen Abschiedsaudienz. Berlins Diplomat hatte ihm gegenüber dessen Schwester Sirindhorn als Kronprinzessin tituliert.

Der lebenslustige Hobbypilot und Vater von 13 Kindern von fünf verschiedenen Müttern bereitete zielstrebig die Übernahme der Krone vor. Nach dem Militärputsch im Jahr 2014 übernahm Vajiralongkorn die repräsentativen Aufgaben seines schwerkranken Vaters. Der Thronfolger, den seine Kritiker als Mann mit wenig Skrupeln beschreiben, setzte Gefolgsleute an Schlüsselpositionen ein und schuf eine starke Machtbasis. Nun soll Thailand glauben, der Kronprinz habe es nicht eilig mit der Nachfolge. «Entweder ist ihm die zukünftige Position zu Kopf gestiegen», sagt ein Kenner des Militärs, «oder es ist etwas faul. Schliesslich will niemand an der Spitze Vajiralongkorn als neuen König.»

Seit der Wikileaks-Veröffentlichung von E-Mails des US-Aussenministeriums vor zehn Jahren ist bekannt, dass der 95-jährige Vorsitzende des mächtigen Kronrats, Prem Tinsulanonda, den designierten Thronfolger für ungeeignet hält. Solange in Thailand noch kein neuer König ernannt ist, gilt der Greis als Regent und Staatsoberhaupt – und kann dem Kronprinzen viele Steine in den Weg legen. Unrühmliche Geschichten gibt es genug. Vor Jahren tauchte der Kronprinz bei einem Alumni-Abend von Oxford-Studenten auf. Vajiralongkorns Pudel Foo Foo, offiziell mit dem Titel eines Luftmarschalls ausgestattet, durfte ungehindert auf dem Tisch der Ehrengäste umherspazieren – und machte sich vergnüglich über das Abendmahl des säuerlich lächelnden US-Botschafters her.

Vajiralongkorn nutzt gerne seine Privilegien. Er lässt keine Chance aus, um dem Hofzeremoniell zu entfliehen. Seine Lieblingsregion ist die Umgebung von München. Dort trifft er schon mal Emissäre des 2006 gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra, verbringt vor allem aber entspannte Tage fern der Heimat mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Sohn. Eine vor Wochen gekaufte Villa am Starnberger See wird renoviert und soll wohl auch für den König als private Fluchtburg dienen. Sollte ihm die Thronfolge versagt bleiben, steht die Villa als ständiger Wohnsitz bereit.

Willi Germund/Bangkok


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