Kopf des Tages

Mann fürs Grosse kann sich nicht mehr kleinmachen

FUSSBALLGESCHÄFT ⋅ Unternehmer Bernhard Burgener soll Präsident des FC Basel werden. Weshalb er das Licht scheut, das er selber anknipst.

24. Februar 2017, 00:00

Das passt so gar nicht zu ihm: Erstens die Publicity, bevor er ist, was er werden soll. Zweitens die Art der Presse, die ihm in diesen Tagen zuteil wird. Die Rede ist von Bernhard Burgener in Normalzeiten die Zurückhaltung in Person. Nun, da zur Unzeit bekannt wurde, dass er, der 59-jährige Unternehmer, zum Präsidenten des FC Basel und Nachfolger des intelligent-charmanten Rechtsanwalts Bernhard Heusler gekürt werden soll, jagen sich die Schlagzeilen im Tagesrhythmus.

Dabei geht es im Kern nicht um die Frage, ob Burgener ein valabler FC-Basel-Präsident ist oder nicht. Ja, er ist’s, lautet der Tenor am Rheinknie. Was angesichts der fiebrigen rot-blauen Befindlichkeit zu St.Jakob alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Umso weniger, als Burgener zwar gute Kontakte mit Heusler-Vorgängerin Gigi Oeri hat, selber aber nicht zum Basler Daig gehört – und auch mit dessen Habitus nicht viel am Hut zu haben scheint. Da ist Burgener die Kindheit, die er mit seinen Eltern in einer Sozialwohnung verbrachte, wohl zu nahe.

Bei den fetten Headlines des Boulevards geht es um die Geschäfte des Medien-, Sportmarketing- und Filmunternehmers. Der gelernte Speditionskaufmann und erfolgreiche Selfmademan ist mit seiner Firma Highlight Communica­tions AG eine grosse Nummer geworden. So gross, dass er sich mit dem ehemaligen Kirch-Zögling und Verwaltungsratspräsidenten der Münchner Constantin Medien, Dieter Hahn, einen wüsten Streit um den Verkauf der Filmsparte des Unternehmens liefert. Wobei sich die Kontrahenten weder rechtlich noch finanziell etwas schenken. Im Gegenteil, es wird mit Haken und Ösen um Macht und Geld gekämpft.

Unschön dabei für den Mann, den die Generalversammlung mit grosser Wahrscheinlichkeit zum nächsten FCB-Präsidenten wählen wird: Es ist keine Auseinandersetzung zwischen dem «good guy» und dem «bad guy». Vielmehr ist es ein äusserst verbissener Kampf zwischen zwei Zahlen- und Machtmenschen. Das wäre mit Blick auf die in Aussicht stehende Präsidentschaft alles halb so bedeutend, wenn sich Burgeners Geschäfte mindestens zum Teil nicht auch im fussballerischen Dunstkreis abspielen würden. Konkret geht es um den Luzerner Sportvermarktungsriesen namens Team, der in Burgeners Portefeuille gehört.

Auch wenn Burgener mögliche Friktionen zwischen seinen Geschäften und dem Mandat beim FC Basel in Abrede stellt: Als «rein privates Engagement» dürfte es schon angesichts der Publizität, die das Fussballpräsidium mit sich bringt, kaum durchgehen. Was umgekehrt, aus der Sicht des Clubs, auch für die Geschäfte seines neuen Präsidenten gilt: Unter dem Aspekt guter Unternehmensführung sind die privaten und geschäftlichen Berührungspunkte Burgeners nicht die besten Argumente, die für ihn sprechen.

Doch das scheint den Macher und Krampfer nicht anzufechten. Er, der mit der FC-Basel-Legende Karl Odermatt gut befreundet ist und schon in den 1990er-Jahren einmal im Klubvorstand sass, geht davon aus, dass das Thema mit einem Rücktritt aus dem Team-Verwaltungsrat gegessen wäre. Das wäre gut für Burgener und noch besser für den FC Basel, die einzige grosse Nummer im Schweizer Fussball. Genau deshalb passt Burgener, der unweit des «Joggeli» aufgewachsen ist, ins Präsidentenamt: Er hat eine Vorliebe für grosse Marken. Und macht sich gern kleiner, als er ist.In der «Tages-Woche» war der schöne Satz zu lesen: «Entscheidend ist, dass man sich zurücknimmt und nicht den öffentlichen Auftritt sucht. Das bringt einem den Vorteil, dass man unterschätzt wird.» Zumindest damit dürfte es einstweilen vorbei sein. Vielleicht auch auf längere Sicht. Aber das ist im Preis des FCB-Präsidiums inbegriffen.

Balz Bruder


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: