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Mein letzter Wunsch

19. Oktober 2016, 00:00

Zuerst eine Warnung: Sollten Sie ein Mimöschen sein, könnte diese Kolumne Ihre Gefühle verletzen, fragen Sie vor dem Lesen noch kurz Ihren Arzt oder einen Ihrer Therapeuten.

Also, nachdem wir ja jetzt unter uns sind, kann ich mal Tacheles reden. Ich habe mich zuletzt noch etwas intensiver mit dem Tod befasst als sonst. Aber nicht einfach allgemein mit dem Tod als Phänomen und Spielverderber, sondern mit meinem Tod im Speziellen.

Letzthin habe ich zwei älteren Männern zugehört. Der eine fragte: «Weisst du, wer gestern gestorben ist?» Antwort des anderen: «Mir ist jeder recht!»

Das ist natürlich zynisch und moralisch zu verurteilen, aber man muss erkennen, dass jeder das Recht hat, über den Tod zu denken, was er will. Ganz explizit darf er das bei seinem eigenen Tod, denn der ist privat, der gehört ihm ganz allein, und da hat ihm niemand dreinzureden. Und schon sind wir bei meinem effektiven Thema: Sterben eines Prominenten.

Zwei Promis sterben, der eine hat seine Krankheit tapfer ertragen, sämtliche Verschlechterungen mitgemacht und ist dann eingeschlafen. Der andere konnte seine Schmerzen nicht mehr ertragen und hat Sterbehilfe in Anspruch genommen. Da kommen wir zu der Frage: Wer ist besser gestorben? Darf man diese Frage überhaupt stellen, darf man einen Abgang bewerten?

Der Tod ist das Intimste und Privateste, was es in unserem Leben gibt, da sollen alle die Klappe halten.

Das aber wird zum Problem, wenn ein Promi stirbt.

Das Leben als Promi bringt auch einige Vorteile, man bekommt gratis Eintrittskarten oder im Restaurant ein etwas grösseres Cordon bleu. Der Nachteil ist aber, dass alle immer ungefragt ihren Senf dazu geben können, bei allem, was man macht.

Das fängt im Café an, da tuscheln die Leute, ob der Busen der Promi-Frau wohl echt ist und ob der Peach jetzt tatsächlich einen Coupe Dänemark isst bei seinem Übergewicht! Das alles nehme ich als Cervelat-Promi in Kauf, das gehört zum Job. Aber spätestens bei meiner Beerdigung hört der Spass auf!

Wenn ich im «Tele Irgendwas» sehen muss, dass nach der Gedenkfeier eines A-Promis jede Menge F- bis Z-Promis ihren Kommentar dazu geben, vor allem ihre wahnsinnige Betroffenheit ausdrücken, aber eigentlich einfach froh sind, dass sie wieder mal im Fernsehen vorkommen, da steigt in mir das dringende Bedürfnis hoch, Folgendes zu verkünden: Ich möchte an meiner Beerdigung meine Ruhe haben. Ich will vor allem keinen einzigen Promi sehen! Gut, bei Jennifer Lopez mache ich eine Ausnahme. Und beim Dalai Lama.

Die Gedenkfeier seinerzeit für Kurt Felix war sicherlich der Höhepunkt an Promidichte an einer Beerdigung im Showbusiness. Das wird nur noch von einem zu schlagen sein: Emil. Sollte er jemals sterben, was Gott verhüten möge, wird er alle in den Schatten stellen, da kann er sich jetzt schon darauf freuen.

Ich werde wohl kaum in diesen zweifelhaften Genuss kommen. Sollte aber doch jemand die seltsame Idee haben, auch für ein kleines Würstchen wie mich eine Gedenkfeier zu machen, dann bitte ich diesen höflich, das Ganze in einem Waldkirchlein mit zwölf Sitzplätzen zu durchzuführen, damit nachher in der Presse steht: Es war bis auf den letzten Platz voll, und weit mehr als drei Leute mussten draussen in der kalten Waldluft ausharren ...

Nein, mir persönlich reicht es völlig, wenn nur ein paar normale Leute da sind, die ehrlich denken:

«Schad, esch doch e glatte Cheib gsii.»

Peach Weber

Komiker


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