Bieridee begeistert 8000 Fans

MOTOCROSS ⋅ Strahlender Sonnenschein, heulende Motoren und spektakuläre Sprünge: Das erste Motocross in Malters ist gelungen. Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen.
13. September 2016, 00:00

Theres bühlmann

Was hat die Fasnacht mit einem Motocross zu tun? Wenig. Einmal davon abgesehen, dass es bei beiden Anlässen laut zu- und hergeht. Es ist tatsächlich eine ungewöhnliche Geschichte, welche dem ersten Motocross in Malters zu Grunde liegt. Wobei diese Gemeinde per se in Sachen Motorradsport eine hohe Affinität aufweist, man denke nur an die früheren Supermoto-Rennen oder an den Speedy-Gonzales-Fanclub, der seit Jahren Töffausstellungen organisiert, die wie Magnete Massen aus der ganzen Schweiz anziehen. Und nun noch ein Motocross?

Aber alles der Reihe nach. An der Fasnacht 2014 genehmigten sich Mitglieder einer Guuggenmusig im «Pony-Stübli» in Malters einen Frühschoppen, diskutierten und machten sich Gedanken, welche Veranstaltung wohl dieser Gemeinde gut anstehen würde. Ein Motocross wäre doch was, das Ganze wurde per Handschlag besiegelt, obwohl sich keiner der Anwesenden auch nur annähernd in dieser Szene auskannte. Der eine oder andere erhoffte sich sogar insgeheim, dass dieses Ansinnen irgendwo mit dem nächsten Bier wieder weggespült würde. Doch die Idee liess sich nicht mehr aus den Köpfen verbannen, das Vorhaben nahm Konturen an, und zweieinhalb Jahre und einige OK-Sitzungen später ging nun am letzten Wochenende das erste Motocross in Malters, welches Läufe zur Schweizer Meisterschaft beinhaltete, über die Bühne oder in diesem Falle über die Piste.

Kenner und viele Familien

So bevölkerten bei brütender Hitze gegen 8000 Zuschauer das übersichtliche Gelände, Kenner der Szene, aber auch viele Familien, welche diesem Anlass einen Besuch abstatteten. Für den Nachwuchs gab es erst einmal «etwas auf die Ohren» in Form eines Gehörschutzes, Mütter strichen ihre Sprösslinge mit Sonnencreme ein, und Papa kommentierte das Geschehen auf der 1600 Meter langen Piste. «Wir wollten bewusst auch Leute ansprechen, die zu dieser Sportart wenig Beziehung haben, wir wollten ein Erlebnis bieten für Jung und Alt», sagte Erich Felder, im OK zuständig für Sponsoring und Marketing. Dies ist gelungen, denn es gab viel zu sehen, zu riechen und zu hören: heulende Motoren und den unverkennbaren Geruch von Benzin.

Rennfeeling für die Kleinsten

Wenn die Fahrer – in Malters waren an die 300 dabei – nach dem Start so richtig Gas gaben, Sprünge gekonnt abfederten und sich in die Kurve legten, das bedeutete Motocross-Feeling pur. «Wahnsinn, da geht aber die Post ab», kommentierte ein Zuschauer das Spektakel. Jeder kam auf seine Kosten, gefahren wurde unter anderem in der Juniorenkategorie und in der Königsklassen MXOpen und MX2. Am Samstag stand auch noch ein Showrennen im Bereich Mofacross auf dem Programm. Und für Nostalgiker gab es Oldtimerrennen zu bestaunen – die historischen Motorräder liessen den Motocross-Sport der guten alten Zeit aufleben.

Die ganz Kleinen versuchten sich auf einem Minicross-Parcours, darunter viele Mädchen. Einige erhielten dabei Support von ihren Vätern, die den Nachwuchs im Laufschritt nebenher begleiteten, um bei Unsicherheiten helfend einzugreifen. Von diesem Angebot Gebrauch machte auch die siebenjährige Marlene aus Malters, unterstützt von Vater Bruno Traub. «Dass ich Gas geben konnte, hat mir am besten gefallen», sagte sie, und schob nach: «Ich wäre ja sehr gerne dem Papa davongefahren.» Unter die Zuschauer mischte sich auch Bruno Rösch aus Grosswangen, einer der 650 Helfer. Er sorgte unter anderen dafür, dass der Streckenfunk sichergestellt war. Am Samstag führte er sich die Rennen zusammen mit seinen drei Kindern zu Gemüte, später machte sich das Quartett auf, Richtung Glacestand, einer Destination, die am Wochenende auf dem Gelände äusserst begehrt war.

Gibt es eine Zweitauflage?

Wobei Bruno Rösch dann noch einmal anpacken musste, als es galt, nach dem Ende der Veranstaltung wieder alles abzuräumen. Apropos Helfer: «Wir haben Töffteams angeschrieben, viele Vereine aus der Region, und zwar in allen Bereichen, unter anderem Guuggenmusigen, Turnvereine und Musikvereine, und konnten alle Posten besetzen», so Erich Felder.

Nach dem Premierenerfolg bietet sich ja direkt eine Zweitauflage an. «Also», sagte Felder, «ausgerichtet war das Ganze auf lediglich eine Veranstaltung. Da wir nun aber die Abläufe kennen, über Erfahrung, Material und Know-how verfügen, können wir uns durchaus vorstellen, mit dem Motocross in Grosswangen zu alternieren.»

Wie auch immer: Eine Bieridee muss also keine Utopie bleiben. Das hat das Motocross in Malters eindrücklich unter Beweis gestellt.

Hinweis

Resultate unter www.swissmoto.org


Leserkommentare

Anzeige: