Dem grossen Druck standgehalten

VOLLEYBALL ⋅ In der NLB-Abstiegsrunde sah Fides Ruswil gegen Köniz nach zwei Sätzen wie der klare Verlierer aus. Doch dann bäumten sich die Rottalerinnen auf – und gewannen mit 3:2.
21. März 2017, 00:00

Ruedi Vollenwyder

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Fünfter Satz, 17:16 zeigte die Resultattafel an. Die toll mitgehenden Ruswil-Fans sahen den kaum mehr für möglich gehaltenen Sieg vor Augen und feuerten die Spielerinnen frenetisch an. Coach Peter Marti nahm ein Time­out, zog den letzten «Pfeil aus dem Köcher» und beorderte anstelle der 18-jährigen Juliana Furrer die ein Jahr ältere Lea Baumann zum Service. Der Ball flog mit Drall übers Netz, die Könizerinnen brachten diesen nicht unter Kontrolle, und vom Ruswiler Block prallte der Ball zum 18:16 ins gegnerische Feld zurück. Der 3:2-Sieg war Tatsache. Danach waren die Ruswiler Spielerinnen und die zahlreichen Fans nicht mehr zu halten. Die gut gefüllte Halle glich einem Tollhaus.

Dabei sah es zu Beginn dieses eminent wichtigen Matches für die Ruswilerinnen gar nicht gut aus. In den ersten beiden Sätzen flogen ihnen die Servicebälle nur so um die Ohren. Die Defensivabteilung hatte grösste Mühe mit dem starken Service der jungen, gut geschulten Bernerinnen. Ruswil fand wegen der schlechten Annahmen überhaupt nicht ins Spiel. Die Quittung: Nach 33 Spielminuten lag Ruswil sang- und klanglos mit 0:2 Sätzen (9:25, 17:25) hinten. Die totale Pleite drohte, obwohl Fides diesen Match im Kampf gegen den Abstieg unbedingt gewinnen musste. «Wir waren ob der starken Servicebälle total verunsichert, hatten richtiggehend Angst, die Bälle anzunehmen», begründet Saskia Seghers die mühsame und erfolglose Startphase.

Auch im dritten Satz lag Ruswil hinten

Auch zu Beginn des dritten Satzes spielte Ruswil noch im alten Fahrwasser. 1:6 lag man zurück. Doch dann ging ein Ruck durch die Mannschaft. Beim Stande von 11:10 lag Ruswil in diesem Match erstmals in Front. Die kämpferisch top arbeitenden Fides-Spielerinnen zogen unter der Regie der hervorragend spielenden Esmée Böbner auf 20:15 davon und holten sich dank einer stark verbesserten Service- und Annahmequote den 25:19-Satzsieg.

Während die jungen Könizerinnen mit der altgedienten Spielertrainerin Claudia Laciga (47) leistungsmässig etwas abbauten, spielten sich die Ruswilerinnen im vierten Satz wieder in den Match zurück. Der nicht mehr erwartete 2:2-Satzausgleich (25:17) wurde Tatsache. Eveline Lima­cher erleichtert: «Dieser Satzausgleich machte bei meinen Mitspielerinnen die letzten Kraftreserven frei.» Der fünfte Satz musste also über den geforderten Sieg oder die bittere Niederlage entscheiden. Ruswil zog auf 6:1 davon, lag später 8:10 und 14:15 hinten, ehe die Siegsicherung, wie oben erwähnt, doch noch gelang.

Die nimmermüde 42-jährige Vereinspräsidentin und Spielerin Eveline Limacher war nach diesem Sieg denn auch «sehr, sehr glücklich». Und verriet: «Der auferlegte Druck, diesen Match unbedingt gewinnen zu müssen, war gewaltig. Aber wir haben nie aufgegeben, uns nach weiteren blöden Fehlern, wie den drei Servicepatzern gegen Ende des Entscheidungssatzes, immer wieder zusammengerauft», nennt sie den Hauptgrund, weshalb die Mannschaft diesen Match noch kehren konnte.

Dank diesem Sieg konnten sich die Ruswilerinnen in der Rangliste einen Punkt vor Köniz setzen. Das Team von Peter Marti hat es im letzten Spiel auswärts gegen Val-de-Travers weiterhin selber in der Hand, sich dem direkten Abstieg zu entziehen und über die Barrage den NLB-Ligaerhalt zu sichern.

Frauen, NLB

Abstieg, 7. Runde: Giubiasco – Geneve 0:3. FC Luzern II – Cheseaux II 3:0. Ruswil – Köniz II 3:2. Steinhausen – Val-de-Travers 2:3.

Rangliste: 1. FC Luzern II 7/24 (21:1). 2. Geneve 7/20 (18:6). 3. Giubiasco 8/15 (14:13). 4. Val-de-Travers 7/11 (13:13). 5. Steinhausen 7/9 (11:15). 6. Fides Ruswil 7/8 (11:17). 7. KönizII 7/7 (9:15). 8. Cheseaux II 8/5 (6:23). – Cheseaux II steigt in die 1. Liga ab.

Fides Ruswil – Köniz II 3:2

Neue Dorfhalle. – 150 Zuschauer. – SR Böhme/Nguyen. – Spieldauer: 91 Minuten. – Sätze: 9:25, 17:25, 25:19, 25:17, 18:16. – Ruswil: Esmée Böbner, Luisa Böbner, Bühler, Limacher, Niederberger, Seghers, Bättig (Libera); Kesten, Baumann, Furrer, Bucher.


Leserkommentare

Anzeige: