Grosse Jungs mit grossen Zielen

BASKETBALL ⋅ Die Zuger Toni (17) und Niko (16) Roak gehören zu den talentiertesten Basketballern ihres Jahrgangs. Beide hatten in diesem Jahr sogar schon Kurzeinsätze bei Swiss Central in der NLA.
14. März 2017, 00:00

Daniel Schriber

sport@luzernerzeitung.ch

Geschichten über junge Sportler sind auch deshalb spannend, weil niemand weiss, wie diese weitergeschrieben werden. Manch ein verheissungsvolles Talent schafft es bis ganz an die Spitze – viele andere Karrieren enden jedoch, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben. Vielleicht aufgrund von Verletzungen, möglicherweise aber auch einfach, weil das Leben für die Betroffenen andere Pläne vorgesehen hat. Getreu dem Motto: Nichts muss, alles kann. Das gilt auch für die Zuger Toni und Niko Roak – die Top-Talente von Swiss Central Basketball (SCB). Niko, mit 16 der Jüngere der beiden Brüder, holte sich mit seinen U16-Kollegen von SCB am vergangenen Sonntag den Schweizer-Meister-Titel.

Wir treffen die Brüder an einem regnerischen Abend in der Ruopigenhalle in Reussbühl. Was zuerst auffällt: Die nötige Grösse, um in ihrem Sport erfolgreich zu sein, bringen beide mit. Toni misst knapp 2,05 Meter – und auch Niko kratzt an der 2-Meter-Marke. «Er wird grösser als ich», versichert Toni. Zu verdanken haben sie die Grösse ihrem Vater Ante Roak. Dieser gab seinen Söhnen jedoch noch mehr als nur Zentimeter mit auf den Weg. «Er ist die Schlüsselfigur unserer bisherigen Laufbahn», sagt Toni. Auch heute ist Ante Roak – ein ehemaliger Karate-Europameister – fast an allen Spielen seiner Söhne dabei. Der Inhaber eines Fitnessunternehmens ist nicht nur Fan, sondern gleichzeitig auch der grösste Kritiker der beiden. Und der grösste Förderer. Manchmal macht er sich während eines Spiels Notizen, um diese nach der Schlusssirene mit seinen Söhnen zu besprechen. «Das ist häufig hilfreich, manchmal aber auch nervig», sagt Toni lachend.

Nächtliche Trainings auf dem Sportplatz

Vor einigen Jahren zog die Familie Roak aus beruflichen Gründen von Genf nach Zug. Hier besuchen die Brüder mit kroatischen Wurzeln die International School of Zug and Lucerne (ISZL). Und wenn sie nicht gerade die Schule besuchen oder lernen, tun sie vor allem eines: Basketball spielen.

Da beide nicht nur für die Auswahl von Swiss Central, sondern auch für die Schulmannschaft der ISZL auflaufen, vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht in der Halle stehen. Zudem absolvierte Toni sogar schon einzelne Kurz­einsätze für die NLA-Mannschaft von Swiss Central, die am kommenden Wochenende in Zug zu bestaunen sein wird (siehe Box). «Es sind oftmals lange und anstrengende Tage», sagt Toni. Darauf verzichten möchte er jedoch nicht. Keine Sekunde. «Ich kriege nie genug von Basketball.» Das geht so weit, dass die beiden Brüder manchmal sogar noch spätabends auf den Sportplatz gehen, um zu zweit Extra-Wurfeinheiten zu absolvieren. «Wer im Dunkeln trifft, hat’s nachher bei Tageslicht einfacher», sagt Niko und lacht. Es ist eine Trainings­methode, auf die schon der legendäre Michael Jordan geschworen haben soll. Toni und Niko Roak kennen viele Gründe, warum gerade Basketball ihr Sport ist. «Das Basketballfeld sieht im Vergleich zu einem Fussballplatz klein aus – doch es gibt unendlich viele Möglichkeiten, um einen Korb zu erzielen», so Toni. Mal dribbelt er mit dem Ball und schliesst mit einem lässigen Korbleger ab, dann wieder setzt er von weit draussen zum Distanzwurf an – «häufig werfe ich zudem nicht selber, sondern versuche, mit einem guten Pass meine Mitspieler in Szene zu setzen».

Die Vielseitigkeit des Spiels betont auch Niko. «Zudem mag ich, dass man beim Basketball nicht entweder im Angriff oder in der Verteidigung spielt. In diesem Sport ist jeder Spieler auf jeder Position aktiv.»

Aufgebote für die Junioren-Nationalteams

Dass Niko und Toni nicht nur die nötigen Zentimeter, sondern auch grosses Potenzial mitbringen, ist auch den Talentspähern des Schweizer Basketballverbandes nicht entgangen. Beide erhielten dieses Jahr ein Aufgebot für die U16- respektive U18-Nationalmannschaft. Zudem sind sie auf der Scouting-Web­site «swisshopes.ch» rangiert; Toni sogar auf Rang 2 seines Jahrgangs (1999). «Das ist eine grosse Sache für mich», sagt Toni, der nicht nur gut Deutsch, sondern auch perfekt Englisch, Französisch und Kroatisch spricht. Trotzdem: Am Ziel sind die beiden natürlich noch lange nicht – wie auch, in diesem Alter.

Wie alle Basketballer in ihrem Alter träumen Toni und Niko Roak von der amerikanischen NBA. Zu viel davon reden wollen sie jedoch nicht, stattdessen sagt Toni: «Ich will einfach herausfinden, wie weit ich es bringen kann.» Sein nächster grosser Schritt steht bereits bevor: Nach seinem Abschluss an der ISZL wird er nach Amerika fliegen, um dort das kommende Jahr an einer Highschool zu verbringen. Läuft alles nach Plan, wird er sich anschliessend einem US-College anschliessen.

Nebst der sportlichen Entwicklung sei es ihm auch wichtig, akademisch etwas zu erreichen. Niko bleibt vorerst hier, auch er will zuerst die Schule abschliessen. Wo genau ihn der orange Ball dereinst hinbringen wird, weiss der Teenager im Körper eines Mannes noch nicht. Er sagt aber: «Natürlich habe ich meine Vorstellungen und Träume.» Und genau das ist doch das Schöne an Geschichten, die erst noch geschrieben werden: Alles ist möglich.


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