Jonas Schöpfer krönt eine starke Saison

LEICHTATHLETIK ⋅ Jonas Schöpfer holt sich in Langenthal überlegen den Schweizer U-23-Titel über 800 Meter. Die Taktik des 20-Jährigen aus Sempach im Final geht voll auf.
13. September 2016, 00:00

Stefanie Barmet

Als grosser Favorit an die Schweizer U-23-Meisterschaften angereist, wurde Jonas Schöpfer in Langenthal dieser Rolle gerecht. Den Vorlauf über 800 Meter am Samstag überstand der 20-Jährige aus Sempach mühelos, und auch im Final am Sonntag kamen nie Zweifel darüber auf, wer der stärkste Läufer im Feld war. «Das Ziel war der Sieg. Im Vorfeld habe ich mit meinem Trainer Andy Vögtli verschiedene Rennszenarien besprochen. Wir entschieden uns dafür, die erste Runde abzuwarten.» Gleich nach dem Einbiegen auf die Innenbahn setzte sich der Genfer Joaquim Jaeger an die Spitze, direkt dahinter folgten die Brüder Jonas und David Schöpfer. «Nach 500 Metern begann ich, das Tempo zu steigern. 100 Meter später zog ich den Schlussspurt an, den ich bis ins Ziel durchziehen konnte», so der gelernte Kaufmann. Der Sempacher siegte in 1:53:67 Minuten, rund sechs Zehntelsekunden vor Jaeger und dem Zürcher Florian Krempke. Sein zwei Jahre älterer Bruder David verpasste als Fünftplatzierter das Podest nur knapp. «Schade, mit meinem Bruder auf dem Podest zu stehen, wäre schön gewesen.»

Eine Saison voller Highlights

Für Jonas Schöpfer war der Titelgewinn an den U-23-Schweizer-Meisterschaften, an welchen er noch zwei weitere Jahre startberechtigt ist, gleichbedeutend mit dem Abschluss einer ereignisreichen Saison. «2016 war meine bisher beste Saison. Bis zum Schluss konnte ich konstant schnelle Rennen laufen.» Ende Mai blieb der 20-Jährige im belgischen Oordegem erstmals in seiner Karriere unter 1:50 Minuten. Als Belohnung durfte er im Hauptprogramm von «Spitzenleichtathletik Luzern» laufen. An der Aktiv-SM in Genf konnte sich der Sempacher hinter dem EM-Teilnehmer Hugo Santacruz (LC Rapperswil-Jona) die Silbermedaille sichern. Vor fast zwei Wochen durfte er im Vorprogramm von «Weltklasse Zürich» laufen, ebenfalls ein ganz besonderes Erlebnis, welches nur knapp über der persönlichen Bestzeit (1:49:41) endete. Dank den jüngsten Erfolgen konnte Jonas Schöpfer mit Nike einen persönlichen Ausrüster gewinnen. «Definitiv auch ein Highlight eines spannenden Jahres.»

Steigerung trotz langer Verletzung

Jedoch lief es in der Karriere des Sempachers, der im vergangenen Sommer das Sport-KV mit Ehrenmeldung abschloss und nun die Berufsmatura absolviert, nicht immer so rund. Im Sommer 2015 warf ihn ein Ermüdungsbruch am Fuss zurück. «Im Nachhinein habe ich durch die Verletzung viel gelernt. Von Oktober bis Dezember durchlebte ich eine hartnäckige, schwierige Trainingszeit mit vielen Alternativ-Einheiten. Erst im Januar konnte ich wieder richtig intensive Lauftrainings absolvieren.» Dennoch gelang es ihm 2016, seine persönliche Bestleistung um 97 Hundertstelsekunden zu verbessern. Diese Leistungssteigerung erklärt er sich mit den erstmals in den Trainingsaufbau eingebauten Langsprinttrainings und durch seine Trainingsgruppe, welcher auch seine beiden älteren Brüder angehören. «Wir sind eine coole Trainingsgruppe und gleichzeitig auch Kollegen, welche sich gegenseitig motivieren und sich im Training nichts schenken.» Mit Emanuel Schönbächler vom STV Küssnacht durfte sich an diesem Wochenende ein weiterer Athlet aus der Trainingsgruppe von Andy Vögtli über einen Schweizer-Meister-Titel freuen. Der Schwyzer siegte in der Kategorie U-18 über 1500 Meter.

Schritt für Schritt steigern

Von hohen Zielen und Träumen zu sprechen, würde nicht zum bodenständigen Jonas Schöpfer passen. «Ich habe gelernt, dass man nichts planen kann. Der allerwichtigste Mosaikstein auf dem Weg zum Erfolg ist die Gesundheit. Ich muss verletzungsfrei durch den Winter kommen, und dann schauen wir Schritt für Schritt weiter.» Um sich kontinuierlich zu steigern, will Jonas Schöpfer in Zukunft noch mehr trainieren. «Neben der Berufsmatura kann ich 20 Prozent in meinem Lehrbetrieb, der Klinik St. Anna Luzern, arbeiten. So komme ich auf ein 60-Prozent-Pensum – ideale Trainingsbedingungen.» In den nächsten drei Wochen wird der 20-Jährige nach Lust und Laune Sport treiben, einen Trainingsplan erhält er in dieser Zeit nicht. Dennoch halte er es nicht lange ohne Sport aus. «Man trifft mich auch mal auf dem Rennvelo oder beim Schwimmen. Ich geniesse es aber auch, Dinge mit meinen Freunden zu unternehmen und Sachen zu machen, die während der Saison zu kurz kommen.»

Hinweis

Resultatauszug auf Seite 36.


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