Leben zwischen Schule und Tennis

TENNIS ⋅ Die 15-jährige Surseerin Kristina Milenkovic ist im Tennisranking aufgestiegen. Trotz ihrer sportlichen Ambitionen wird der schulischen Ausbildung grosser Wert geschenkt.
11. April 2017, 00:00

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Mit leicht geröteten Wangen und einem Schulbuch unter dem Arm kommt Kristina Milenkovic in der Schenkoner Tennishalle zum vereinbarten Termin. Eben erst das Training absolviert, und die Wartezeiten bis zur nächsten Übungseinheit verbringt sie mit Lernen. Nicht nur sportliche Wettkämpfe stehen an, sondern auch Prüfungen an der Frei’s Handelsschule in Luzern. Und die 15-jährige Surseerin will gewappnet sein für beides.

Mit dem Tennis kam sie in Alter von neun Jahren in Kontakt. «Als Kind habe ich nicht so viel Sport betrieben», sagt Kristina Milenkovic. «Meine Eltern waren aber der Meinung, dies müsse sich ändern», erzählt sie weiter. Weil die Wettkampfstätte des Tennisclubs Sursee in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung liegt, war die passende Sportart gefunden: das Spiel mit dem Filzball. Was lag also näher, als Probetrainings zu besuchen, wo sie von Corina Christener unter die Fittiche genommen wurde.

Im Ranking einen weiteren Schritt nach vorne

Ihr Talent fiel vor allem ihrem langjährigen Trainer Michael Birner auf, der mit ihr seit mehr als sieben Jahren fast täglich auf dem Platz steht. «Damals habe ich nie und nimmer daran gedacht, auch einmal auf internationalem Parkett zu spielen», blickt sie zurück. Dank ihrer konstanten Leistungen ist die aufgestellte und fröhliche Kristina ­­Milenkovic im neuen Ranking N3.40 klassiert, ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter, welche sie zu ihrem anvisierten Ziel führen soll. Und dieses heisst: einmal in der WTA unter den Top 100 klassiert zu sein.

Wichtige Unterstützung der Eltern

Sie wird nun weiter auf der ITF-Juniorentour Wettkämpfe bestreiten, um nötige Punkte zu sammeln. «Schön wäre es, wenn es reichen würde, einmal Junioren-Grand-Slams zu spielen», sagt sie. «Vielleicht», schiebt sie nach, «ist es allerdings für dieses Unterfangen zu spät. Dann würde ich mich darauf konzentrieren, WTA-Punkte zu holen.» Einmal mit dem Tennisspielen ihren Lebensunterhalt zu verdienen, davon träumt sie. Und endlich an einer Schweizer Meisterschaft eine Goldmedaille gewinnen, nachdem sie in den letzten Austragungen immer knapp scheiterte. Die nächste Chance bietet sich im Juli im Tessin. Und dies auf Sand, ein Belag, der ihr liegt.

Um ihre Ziele zu verwirklichen, arbeitet sie hart. Jeden Tag Training, 13 Stunden in der Woche, und wenn am Wochenende keine Turniere anstehen, schnürt sie ihre Laufschuhe, geht joggen, Rad fahren oder wandert. Kürzlich hat sie den Pilatus bestiegen, einmal hoch und wieder runter, natürlich beide Wege zu Fuss. Bei diesen Unternehmungen schätzt sie es sehr, wenn sie von ihrer Mutter Mirjana begleitet wird, «weil es zu zweit halt mehr Spass macht».

Sie kann sich in jeder Situation auf die Unterstützung ihrer Eltern verlassen, «und dafür bin ich sehr dankbar». Vater Zivan versieht nicht nur Chauffeur­dienste, sondern besucht auch häufig die Spiele seiner Tochter. «Er kennt meine Stärken und Schwächen, gibt mir Zeichen, versucht, mich so zu motivieren, und bleibt dabei immer ruhig.»

Trotz ihrer Liebe zum Tennissport geniesst ihre berufliche Ausbildung hohe Priorität. Sie absolviert das Sportler-KV bei der Frei’s Handelsschule in Luzern (1. Lehrjahr). 22 Stunden beträgt der schulische Aufwand in der Woche. Für Turniere im In- und Ausland bekommt sie natürlich Dispens, allerdings muss der Schulstoff irgendwie und irgendwann nachgeholt werden. Und so kommt es, dass nicht nur Tennisutensilien in ihrem Gepäck zu finden sind, sondern auch Schul­bücher. Es brauche etwas Durchhaltewillen, allein für sich zu lernen, «aber die Schule bietet mir die optimale Möglichkeit, Sport und Ausbildung ideal zu kombinieren».

Unterstützung aus der Abteilung Fussball

Viel freie Zeit bleibt ihr nicht, «ich muss lernen, auf andere Sachen zu verzichten». In der Schule kommt sie mit Sportlern jeder Couleur in Kontakt, unter anderem mit Handballern, Volleyballerinnen, Fussballerinnen oder Judokas. «Natürlich sprechen wir in den Pausen über Sport, aber nicht nur, da haben auch andere Themen Platz.» Und wenn es der Terminplan irgendwie zulässt, wird versucht, den Mitschülern das eine oder andere Mal bei deren Wettkämpfen einen Besuch abzustatten. So konnte Kristina Milenkovic an der Schweizer Meisterschaft in Kriens auf die Unterstützung einiger Mitschülerinnen aus der Abteilung Fussball zählen. «Ich habe mir fest vorgenommen, einmal bei einem Fussballspiel dabei zu sein. Und das ist versprochen.»

Ihr Vorbild ist die ehemalige Nummer eins

Ihr Vorbild ist Novak Djokovic. Weil er, wie ihre Eltern, aus Serbien stammt und über ein grosses Spielverständnis verfügt, sagt Kristina Milenkovic. «Er spielt nicht schnell, aber schlau.»

Und dann folgt ein warmer Händedruck, eine freundliche Verabschiedung. Kristina Milenkovic setzt sich wieder an den Tisch – vertieft sich in ihr mitgebrachtes Buch. Erst warten die Hausaufgaben, und dann steht wieder Training der Halle auf dem Programm.

Hinweis

Das Zentralschweizer Ranking finden Sie auf Seite 35.


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