Sie wird Europas Nummer eins

SQUASH ⋅ Vor einer Woche hat Ambre Allinckx das German Junior Open gewonnen. Doch die 14-Jährige verfolgt höhere Ziele: Die Krienserin will eine der besten Squasherinnen der Welt werden.

21. März 2017, 00:00

Stefan Kleiser

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Sie ballte die Faust. Doch aus­gelassen gejubelt hat Ambre ­Allinckx nicht. «Aber ich habe mich extrem gefreut», erinnert sie sich an den Moment, als ihr Sieg am German Open feststand. Der Erfolg ist der Squasherin vor einer Woche in Hamburg ohne Satzverlust im Turnier gelungen. Ihrer Finalgegnerin Fleur Maas war Allinckx noch im Februar am French Junior Open in Lille 1:3 unterlegen. «Damals war ich zu passiv. Nun versuchte ich Druck zu machen und von vorne zu spielen», beschreibt sie die gewinnbringende Taktik.

«Es tat gut, wieder einmal zu gewinnen», sagt die Krienserin mit dem Selbstverständnis einer Spitzenspielerin. Schliesslich lag der letzte Turniersieg weit zurück – für ihre Verhältnisse. Mitte Januar entschied sie das Czech Junior Open für sich. Wie in Hamburg war Ambre Allinckx auch in Prag bei den unter 17-Jährigen gestartet. Obwohl sie erst 14 ist. «Ich brauche bessere Matches, um besser zu werden», sagt sie. In einem halben Jahr will sie deshalb bereits erste U19-Events bestreiten.

Von 0 auf 1 – ab der nächsten Woche

Die Folge der Starts bei den Älteren: Im U15-Europa-Ranking wird Allinckx, im Herbst noch die Nummer 1, nur auf Platz 20 geführt. Und bei den U17-Mädchen gar nicht. «Weil ich erst 14 bin, habe ich kein U17-Ranking», erklärt sie. Am nächsten Sonntag feiert sie aber ihren 15. Geburtstag – und wird danach in der U17 gelistet. «Anscheinend werde ich sofort die Nummer 1 sein», weiss sie. Irgendwann will sie das auch in der Frauen-Weltrangliste werden. «Und ich will U19-Europameisterin werden und als Juniorin die British Open gewinnen.» In der Schweiz ist Allinckx bereits in die Top Ten vorgerückt. Sie bildet sich nicht viel darauf ein. «Ich werde mich freuen, wenn ich in den Top 3 bin oder die Nummer 1.» Wann das der Fall sein wird? «Vielleicht in drei oder vier Jahren», sagt sie. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag steht die Teenagerin nach der Schule zwei bis drei Stunden im Court, um noch besser zu werden. Am Diens­tag und Donnerstag stehen sogar zwei Trainings auf dem Programm.

Erstmals gegen den Ball geschlagen hat Ambre Allinckx aber auf dem Tennisplatz. «An den Turnieren war mir Tennis aber zu sehr ein Einzelsport», sagt sie. «Im Squash bist du an den Turnieren viel mehr miteinander.» Squash sei ausserdem schneller und «3D-mässig». Kennen gelernt hat sie die Sportart, als sie ihren 3 1/2 Jahre älteren Bruder Roman zum Squash begleitete. Auch er will international Karriere machen – und gehört ebenfalls zu den Besten seines Jahrgangs in Europa.

Als dreifache Schweizer Meisterin bei den Juniorinnen besucht Ambre Allinckx inzwischen die Sportschule in Kriens. Das laufende Semester beendet sie im Sommer mit dem Sek-A-Abschluss. Der Bescheid, ob sie danach das Sportgymnasium besuchen darf, ist noch ausstehend. Ihre Noten seien dazu aber gut genug, erzählt die Krienserin. «Ich habe überall eine 5 oder eine 5,5, ausser in Mathe.» Ambre ­Allinckx geht also weiter den Weg Richtung Profisportlerin.

Squash und Schule füllen den Tag

Schon jetzt füllen Schule und Sport den Tag fast ganz aus. Kommt Ambre Allinckx um 18.30 Uhr nach dem Training nach Hause und hat zu Abend gegessen, gilt es noch die Hausaufgaben zu machen. Viel Zeit für anderes als Schule und Sport bleibe nicht. Dann sei sie mit Freunden unterwegs oder am Handy, ­spiele Tischtennis oder springe auf dem Trampolin. Zwei Katzen gehören auch zur Familie. «Wenn ich schlafen gehe, massieren sie mich mit ihren Pfoten.»

Ob sie Squash zum Beruf wählen wird, will Ambre Allinckx entscheiden, wenn sie mit 20 die Matura absolviert hat. «Und sonst mache ich ein Studium.» Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Über Weihnachten und Neujahr war die Krienserin in Ägypten. «Dort gibt es die besten Squasherinnen», erzählt sie vom zweiwöchigen Trainingsaufenthalt. «Ich wollte sehen, wie gut die anderen spielen, um mich einschätzen zu können.»

Sie stellt schmunzelnd fest: «Es gibt noch Bessere. Das heisst: Ich muss sehr hart trainieren.» Bei Ausdauer und Schnelligkeit und bei der Kraft in Hüfte und Beinen müsse sie noch zulegen. Und es fehle ihr noch an Erfahrung. Und die ­Besten können «viel gescheiter spielen». Auf Junioren-Niveau erzielt Ambre ­Allinckx ihre Erfolge mit schnellem Spiel und harten Schlägen. «Gegen Frauen, gegen die ich noch nie spielte, mache ich mir aber manchmal zu viel Druck.»


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