Vom Krankenbett zu Gold

GERÄTETURNEN ⋅ Die Luzernerin Sandra Garibay (17) sorgte an den Schweizer Meisterschaften für viel Aufsehen. Vor wenigen Tagen lag sie noch wegen eines Infekts im Bett.

22. November 2016, 00:00

Stefanie Meier

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Sandra Garibay, Sie haben ein sehr intensives Wettkampf-Wochenende hinter sich. Und sie bringen einige Medaillen mit nach Hause: Bronze im Mehrkampf und im Schaukelring-Final sowie Gold im Reckfinal. Wie fühlen Sie sich?

Müde und erleichtert. Ich bin überglücklich mit den Resultaten und froh, dass ich den Wettkampf überhaupt bestreiten konnte. Nachdem ich vergangene Woche mit einem viralen Infekt zu Hause im Bett lag, war noch nicht klar, ob ich zum Wettkampf antreten konnte. Forfait geben wäre für mich aber auch keine Option gewesen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich trotz allem am Wettkampf teilgenommen habe. Ich bin auch den Umständen entsprechend überaus zufrieden mit meinen Leistungen.

Sie haben es erwähnt, die Umstände für einen solch wichtigen Turnanlass waren alles andere als optimal. Inwiefern konnten Sie auch positive Schlüsse daraus ziehen?

Ja, die Umstände hätten besser sein können. Ich denke, es wäre resultatmässig vielleicht auch noch etwas mehr drin gelegen. Aber ich musste mich mit der Situation arrangieren. Ich habe pro Gerät nur kurz eingeturnt, um Energie für den Wettkampf zu sparen. Die Situation hat mir gezeigt, dass ich mich auch mehr auf die Routine und den mentalen Zustand im Kopf verlassen kann. Denn zu meiner Überraschung hat mein Körper ganz genau gewusst, wie und was er turnen muss. Die Bewegungen sind so scharf verankert, sodass mir die Übungen wirklich gut gelangen. Einzig am Sprung hatte ich Mühe, die Spannung im Körper aufrechtzuerhalten. Es war mit Abstand das anstrengendste Gerät vom gesamten Wettkampf.

Wie hat Sie Ihr Trainer Beni Boos in dieser schwierigen Situation unterstützt?

Schon einige Tage vor dem Wettkampf haben wir die Situation eingehend besprochen. Am Wettkampf selbst hat er mir stets gut zugesprochen, mich ermutigt. Ich fühlte mich gut aufgehoben und habe von seinen Aufmunterungen profitieren können.

Im Vergleich zur Konkurrenz: Wo haben Sie Ihrer Meinung nach am meisten Verbesserungspotenzial?

Mein schwächstes Gerät ist der Boden. Ich möchte im Hinblick auf die kommende Saison meine Übungen umstellen. Auch an den anderen Geräten sehe ich noch Verbesserungspotenzial. Aber dieses ist wohl nie ausgeschöpft – egal wie oft und intensiv man trainiert.

Im Vorjahr noch haben Sie den Sprung-Final gewonnen – und heuer winkte der undankbare vierte Rang. Verspüren Sie eine gewisse Enttäuschung?

Ich habe gewusst, dass die Mission Titelverteidigung sowohl im Mehrkampf am Samstag wie auch am Gerätefinal vom Sonntag keine leichte Angelegenheit wird. Natürlich habe ich gehofft, dass es wieder für den Sieg reicht – aber ich denke, innerlich wusste ich, dass die Konkurrenz heuer einfach zu stark für mich war. Ich gönne es den Medaillengewinnerinnen auf jeden Fall. Und dennoch steckt ein wenig Wehmut dahinter, weil ich weiss, dass mehr drin gelegen wäre.

Nach der Reckübung wirkten Sie sehr erleichtert und haben vor Freude kurz aufgejubelt. Haben Sie schon ein wenig Gold gerochen?

Die Reaktion war ein Gemisch aus «ja, das war eine gute Übung» und «ja, ich habe den Wettkampf geschafft und kann mich jetzt ausruhen». Die Übung war sicher besser als noch am Tag zuvor – aber wie schon an den anderen Geräten hatte ich auch am Reck eine grosse Konkurrenz. Aber sicherlich habe ich hier bis zuletzt auf eine Medaille gehofft – und sie dann auch erhalten.


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