Berliner machen Festspiele daraus

06. Februar 2018, 00:00

Weltmeisterschaften In der Schweiz ist es unvorstellbar und selbst für die Hockey-Nation Deutschland ungewohnt: In Berlin werden an der WM diese Woche 11 000 Fans in der Halle die Teams antreiben. Mittendrin sind auch LSC-Spieler.

Man muss sich das vorstellen: In der Max-Schmeling-Halle in Berlin müssen die oberen Ränge geöffnet werden, weil der Rest bereits ausverkauft ist. Es ist Hallen-WM im Landhockey. Eine Randsportart sorgt für Furore, live zu sehen auf DAZN im Internet oder über Sport 1 im öffentlich-rechtlichen TV, zumindest, wenn Deutschland spielt. Als kleine Schweizer Hockeyszene staunt man über die Ausmasse des Interesses. Normalerweise verirren sich nur einige Dutzend Zuschauer an Spiele der höchsten Liga. In Luzern, in einer der Hochburgen dieses eleganten, technisch anspruchsvollen Sports, steht der Besucherrekord für Hallenendspiele bei 900 Besuchern – genau vor zwei Jahren in der Maihofhalle erzielt.

Exoten sind das Salz in der Suppe

Aber nun sind die Weltmeisterschaften in Berlin. Und alles ist anders. Zwar gelten die vor zwei Wochen gespielten Europameisterschaften als schwierigeres Championat mit einer brutaleren Leistungsdichte, zwar geht es hier nicht um Olympia-Selektionen oder Ähnliches, aber dennoch ist der Anlass einmalig. Sehr stark aufspielende Exoten wie Trinidad, Iran oder Weissrussland sind das Salz in einer Suppe, die durch die Spitzennationen Deutschland, Belgien, Niederlande, Österreich oder Russland gepfeffert wird.

Schweizer Frauen für Überraschungen gut

Welche Chancen besitzt die Schweiz, die erstmals bei den Frauen und den Männern vertreten ist? Die Frauen mit Nora Murer und Goalie Sandra Schori (beide Luzerner SC) gehen am Mittwoch gegen die Niederlande als Aussenseiterinnen an den Start. An der EM aber haben sie bewiesen, dass sie ein Überraschungsteam sein können. Wiederholen sie die Leistung – Sieg gegen die Niederlande, Unentschieden gegen Russland und die Ukraine –, so liegt vieles drin.

Bei den Männern ist die Situation ähnlich. Am Mittwoch startet der LSC-Spieler Martin Greder zusammen mit den Ur-Luzernern Lars Kleikemper und Sebastian Schneider – beide sind derzeit in der Bundesliga engagiert – gegen Iran in das WM-Abenteuer. Resultiert ein Sieg zum Auftakt, dann ist gegen Südafrika, aber auch Russland, Belgien oder Österreich in der Gruppenphase einiges möglich.

Einer sportlichen Sensation käme gleich, zumindest eine der beiden Mannschaften von Swiss Hockey am Wochenende unter den besten vier zu sehen. Hoffen ist erlaubt. (pd)


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