Der gesunde Ehrgeiz bleibt

GERÄTETURNEN ⋅ Die Verbandsmeisterschaften in Grosswangen übertreffen alle Erwartungen. Für den Rickenbacher Daniel Schacher ist es eine weitere Standortbestimmung nach seinem Comeback.
13. Juni 2017, 00:00

Stefanie Meier

regionalsport@luzernerzeitung.ch

«Ein Blick verrät mehr als tausend Worte» – so könnte man den glücklichen Gesichtsausdruck von Daniel Schacher deuten, nachdem der Rickenbacher seine Übung perfekt zum Stand bebracht und vor lauter Freude die Arme in die Luft hielt. Die Erleichterung über den erfolgreichen Wiedereinstieg im Einzelgeräteturnen ist gross. Denn im März vor zwei Jahren, just am Abend vor dem Saisonauftakt in Büron, zog sich der 26-Jährige durch Glassplitter eine komplizierte Verletzung am rechten Handgelenk zu.

Notfallmässig wurde er ins Spital gebracht, wo seine Sehne und die Arterie genäht werden mussten. Den Kollegen sei Dank, dass sie sich sofort um ihn kümmerten und damit das Schlimmste verhinderten. Es folgte eine längere Trainingspause. «Nach einer gewissen Zeit begann ich wieder mit dem Sprung- und Barrentraining. Der Druck des Reck- und Ringleders war zu diesem Zeitpunkt noch zu schmerzhaft, beim Reck- und Ringtraining musste ich vorerst passen, bis die Sehne vollständig verheilt war», blickt Schacher auf diese schwierige Zeit zurück.

Zeitintensives Studium

Für die Saison 2016 setzte sich Daniel Schacher dann das Ziel, zusammen mit weiteren Kollegen bei den Amateuren einige Kunstturnwettkämpfe zu absolvieren. Doch nicht seine Verletzung am Handgelenkt hielt den Rickenbacher von diesem Ziel ab, sondern sein Job und das berufsbegleitende Masterstudium Sportmanagement in Deutschland. So bestritt er auch 2016 keine Wettkämpfe, trainierte aber nichtsdestotrotz zweimal wöchentlich mit der Barren- und Sprungsektion des STV Rickenbach.

Als er dann an den letzten nationalen Meisterschaften seine Kollegen von der Tribüne herab unterstütze, wurde ihm bewusst, was seine wirklichen Ziele und Wünsche waren. «Das Kribbeln verriet mir, dass ich auf den Wettkampfplatz und nicht auf die Zuschauertribüne gehöre.» Sein neues Ziel richtete er auf die Saison 2017 aus. «Ich bin es sehr langsam angegangen, habe von Beginn weg den Druck rausgenommen und ohne jegliche Erwartungen in Malters meinen ersten Wettkampf im Einzelgeräteturnen absolviert.» Dass es gleich zu Bronze und an den Verbandsmeisterschaften in Grosswangen zum hervorragenden vierten Schlussrang reichte, erstaunte ihn, bestätigte aber zugleich auch seine Entscheidung hinsichtlich des Comebacks.

Gedanken- und auch Einstellungswechsel

«Schachi», so nennen ihn seine Kollegen, war vor dem Unfall ein sehr ehrgeiziger und teilweise fast verbissener Turner. Nicht zuletzt deshalb gehörte er schweizweit zu den Besten und feierte 2012 gar den Schweizer-Meister-Titel im Sprung. Gegenüber seinen Konkurrenten behielt er immer eine faire Haltung, was ihn zu einem sympathischen Turner machte. Eine Eigenschaft, die er heute noch viel intensiver in sich trägt. «Unbewusst habe ich einen Gedanken- und auch Einstellungswechsel durchgemacht», gesteht Schacher. Sein gesunder «Sportlerehrgeiz» – wie er ihn so schön nennt – ist nach wie vor vorhanden. Dennoch geht er den Sport viel lockerer an, ist positiv eingestellt und holt das Beste aus jeder Situation raus.

«Gewinnen ist nicht mehr mein oberstes Ziel. Vielmehr steht die Freude am Turnen im Vordergrund. Wenn ich nach der Übung ein gutes Gefühl habe, ist das Endresultat nebensächlich.» So schaut sich Daniel Schacher nie eine Note an. Weiter gehört auch das Visualisieren der Übungen zu seiner mentalen Vorbereitung, womit er nun Schritt für Schritt mehr Selbstvertrauen aufbauen will. Seine Saisonziele richten sich auf die Schweizer Meisterschaften Ende Jahr. Die Qualifikation für den Teamwettkampf und eine Spitzenklassierung für den Verband Luzern-, Ob- und Nidwalden stehen dabei im Fokus.

Neue und spannende Tätigkeit

Als Ressortchef Vereinsmana­gement beim Schweizerischen Turnverband ist er auch in beruflicher Hinsicht mit dem Sport verbunden. «Das Vereinsmanagement gilt einerseits als erste Anlaufstelle für die Ausbildung von Vereinsfunktionären und andererseits bei Fragen und Problemen innerhalb des Vereines», erklärt der Rickenbacher seine seit November letzten Jahres neue und spannende Tätigkeit. Beruflich wird er sich vielen Herausforderungen stellen. Sportlich folgt nun aber eine längere Sommerpause, bevor im September der nächste wichtige Wettkampf auf dem Programm steht.

Hinweis

Resultatauszug auf Seite 36.

«Das Kribbeln verriet mir, dass ich auf den Wettkampfplatz und nicht auf die Zuschauertribüne gehöre.»

Daniel Schacher

Geräteturner aus Rickenbach


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