Die neue Lockerheit des Janik Riebli

LANGLAUF ⋅ Der 19-jährige Obwaldner gehört dem C-Kader von Swiss-Ski an. Der Obwaldner absolviert eine Berufslehre als Landwirt. Er beweist, dass körperliche Arbeit und Spitzensport zusammen gehen.
28. November 2017, 00:00

Soeben ist Janik Riebli aus einem Trainingslager im Goms zurück nach Davos gereist. Am kommenden Wochenende, anlässlich der Swiss-Cup-Rennen, fällt der Startschuss für die neue Saison. Auf den ersten Blick scheint dieser Standort wenig Sinn zu machen, leben und trainieren doch die meisten Schweizer Langläufer in der Nähe von Davos. Riebli löst das Rätsel umgehend: «Wir haben uns auf die Junioren-WM eingestimmt.» Diese findet vom 28. Januar bis 3. Februar 2018 im Goms statt.

Eine WM, die in der Zielsetzung des 19-Jährigen eine weniger dominante Rolle spielt als in der Vergangenheit. «In den letzten Jahren habe ich mich jeweils auf die Teilnahme an Grossereignissen versteift. Das hat kein Glück gebracht. Ich kenne zwar in diesem Jahr die Selektionskriterien, werde aber einfach mein Bestes geben. Die Schnellsten können gehen, und das ist auch gut so», scheint Janik Riebli das Thema sauber eingeordnet zu haben. Riebli ist zuversichtlich, dass er zu den Schnellsten gehören kann. Dieses Gefühl kommt nicht von ungefähr. Der Athlet des Skiclubs Schwendi-Langis blickt auf verletzungsfreie Sommermonate zurück. Der ganz persönliche Höhepunkt war der Trainingsstart Anfang Mai. Mit dem Rennvelo absolvierte das C-Kader eine Tour de Suisse und fuhr bei jedem Athleten zu Hause vorbei. Die erste Nacht verbrachte das Team auf der Alp Jänzimatt der Familie Riebli hoch oben auf dem Glaubenbielenpass. «Jetzt wissen meine Teamkollegen, dass es auch einfacher geht. Zudem kennen sie den Ort, von dem ich die ganze Zeit schwärmte», erklärt Janik Riebli mit einem Augenzwinkern. Ob diese Schwärmerei im Versteckten auch eine Art Heimweh-Bewältigung ist?

Körper bekommt die nötige Erholung

Zu Hause in Giswil ist Janik Riebli nicht viel anzutreffen. Bereits das vierte Jahr lebt der bodenständige Ausdauersportler in Davos und absolviert eine Lehre als Landwirt. Im Hinblick auf das letzte Lehrjahr konnte Riebli die Arbeits- und Trainingsstruktur auf der Betriebsgemeinschaft Fischler/Hoffmann entscheidend optimieren. «Seit Anfang August habe ich am Morgen immer frei und arbeite lediglich nachmittags. Ich kann meinem Körper so die nötige Erholung gewähren und mit vollem Tank in die Saison steigen», zeigt er sich dankbar. Zum Vergleich: In den Vorjahren waren die harten Trainingslager mit dem Kader jeweils schon fast Erholung für den Obwaldner.

Mit dem Modell körperliche Berufslehre und Ausdauersport ist Janik Riebli im C-Kader eine Ausnahme. Dennoch steht er nach wie vor zu seinem Entscheid. «Wir alle haben von Jahr zu Jahr dazugelernt.» Nach dem erfolgreichen Abschluss der praktischen Prüfungen im Juni 2017 gilt es im nächsten Frühjahr noch die Fächer Mechanisierung und Arbeitsumfeld (Buchhaltung) abzuschliessen. In der modernen Landwirtschaft seien dies zwei wichtige Themen, erklärt Riebli. Zudem bestehen gewisse Parallelen zum Langlaufsport. Die richtigen Geräte am richtigen Tag einzusetzen, ist enorm wichtig. Nur so kann die Buchhaltung Ende Saison aufgehen.

Roland Bösch

regionalsport@luzernerzeitung.ch


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