«Diese Strasse schreit danach»

RAD ⋅ Oft ging es beim kürzesten Bergrennen der Schweiz – mitten in Luzern – um Zentimeter. Ab und zu forderten die 60 Höhenmeter, verteilt auf nur 300 Streckenmeter, ihren Tribut.
16. Mai 2017, 00:00

Daniel Gerber

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Der Start erfolgt eingangs Hochbühlstrasse und erinnert an die Formel-1-Rennen im Kleinstaat Monaco: Auf den Terrassen der Wohnblöcke überblicken die Bewohner das Rennspektakel, während auf dem Asphalt auf die Gaspedale getreten wird, die Bike-Athleten verfügen sogar über deren zwei – und die sind auch bitter nötig. Bereits der Start erfolgt hügelauf, und nach einer engen 90-Grad-Kurve geht es steil bergauf.

Nach rund 100 Metern entrinnen die Sportler der Häuserschlucht und pedalen fortan bei einer durchschnittlichen Steigung von 23 Prozent durch den Wald. Die Strecke ist von Zuschauern gesäumt, darunter viele Familien mit Kindern. Die Strecke ist insgesamt nur 300 Meter lang, beim kürzesten Bergrennen der Schweiz sind jedoch 60 Höhenmeter zu leisten, das entspricht ungefähr einer Jagd auf die Spitze der Luzerner Hofkirche.

«Morgen Schmerzen, heute Schmerzen»

Wie bei Radrennen steht mit Kreide auf den Boden geschrieben: «Hopp Jens» oder «Allez Yves». Doch diese Strecke verlangt den Teilnehmern alles ab, und so wurden auf dem Teer weitere Botschaften dazugefügt. Ein Kreidepfeil zeigt in Richtung Ziel mit der Beischrift: «Morgen Schmerzen». Ein zweiter Pfeil zeigt nach links, von der Strecke weg, zur Bar, die bei rund 200 Metern aufgestellt ist, mit der Begleitschrift: «Heute Schmerzen».

Die Rennen der verschiedenen Kategorien werden in Viertelfinals, Halbfinals und Finals ausgetragen, immer die beiden Besten kommen eine Runde weiter. Ab und zu gibt jemand – zum Beispiel an fünfter Stelle liegend – auf. Der Streckenspeaker weiss solches Geschehen sachgemäss einzuordnen: «Natürlich handelt es sich um einen technischen Defekt, selbstverständlich liegt es nicht an der Kondition.»

«Wir sind sehr zufrieden mit dem Anlass», blickt Organisator Ruben Wey auf die Ereignisse vom vergangenen Samstag zurück. «Wir haben uns fünf Jahre gegeben, um den Hilliminator zu etablieren.» Das Starterfeld sei stets gewachsen, die Dimension werde immer grösser. Zudem sei die Lage mitten in der Stadt ideal. Ausserdem habe das Luzerner Velofest zusätzliche Besucher gebracht. Und weiter: «Diese Strasse schreit nach einem Rennen.»

Mitgespielt hat auch das Wetter. Ruben Wey: «Das Gewitter kurz vor Schluss streifte uns nur, die Strecke wurde nur wenig nass.» Ein Zuschauer nahm dies im Startraum ohnehin mit Humor: Als für kurze Zeit ein Frühlingsregen einsetzte, ermutigte er die Startenden mit einem Schmunzeln: «Dobä schiint d Sunnä!»

Weltmeisterin überwindet Ostwand

Bei den Frauen siegte Alessandra Keller, die Mountainbike-Juniorenweltmeisterin von 2013 konnte ihre Herausforderinnen an der Ostwand, wie die Strecke im Jargon genannt wird, hinter sich lassen. Während sie in einem Video bereits im Vorfeld für den Anlass warb, entdeckte Brian Brog das Bergrennen erst tags zuvor auf Facebook und meldete sich spontan an. «Ich erwartete nicht, dass es so happig sein würde, es ist sehr steil und macht Spass. Die Athleten sind motiviert und haben gute Laune.» Er fahre sonst auch Pässe, sagte der junge Velosportler aus Meiringen, weil der Hilliminator aber eine Sprintdistanz ist, geht er enorm in die Beine.

Auf die Frage, welcher Leichtathletik-Distanz dieses Bergrennen entspreche, vergleicht es Kilian Feller aus Küssnacht mit dem 400-Meter-Lauf. «Weil es eine Distanz ist, die man noch sprintet. Es dauert etwa eine Minute, bis man oben ist.» Er startete ebenfalls zum ersten Mal in Luzern. Anders Pedro Nyffenegger, der zum dritten Mal antrat. «Berge sind meine Spezialität, das ist meine Disziplin», sagt der Besitzer eines ­Velogeschäfts und Mitsponsor. «Aber es schmerzt trotzdem. Jedes Mal sage ich, dass dies mein letzter Start ist», sagt der Gesamtzweite der Männer-Masters-Kategorie. Startet er nächstes Jahr wieder? Nyffenegger lächelt: «Es ist eine gute Veranstaltung…»

Hinweis

Rangliste: www.hilliminator.ch; Impressionen vom Rennen unter: www.luzernerzeitung/Bilder

«Ich erwartete nicht, dass es so happig sein würde, es ist sehr steil und macht Spass.»


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