Drei Musketiere für den Biathlon

BIATHLON ⋅ Die drei Zentralschweizer Nirando Bacchetta (21), Kai Schöpfer (19) und Julian Schumacher (20) haben ihr eigenes Trainingsteam gebildet. Auf witzige Art und Weise suchen sie Unterstützung.
05. Dezember 2017, 00:00

Roland Bösch

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Unter dem Namen Team Future haben sich die drei Zentralschweizer Jungbiathleten Nirando Bacchetta (Horw), Kai Schöpfer (Flühli) und Julian Schu­macher (Sarnen) zu einer Trainingsgemeinschaft zusammengetan. Sie haben sich entschieden, die Vorbereitungen auf diesen Winter selber an die Hand zu nehmen. Dieses Modell ist in Norwegen weit verbreitet. In der Schweiz stellt es hingegen eine Neuheit dar. Der Obwaldner Schumacher hat deswegen Ende der letzten Saison dem C-Kader von Swiss-Ski den Rücken gekehrt. «Lange haben wir überlegt, ob wir diesen Weg einschlagen möchten. Um unser Potenzial auszuschöpfen und weitere Fortschritte zu machen, erachten wir dies als einzige Möglichkeit», erklärt Schöpfer, der an den Jugend-Schweizer-Meisterschaften bereits einmal Bronze gewann.

Kosten muss das Trio selber tragen

Die Umsetzung sind die drei Athleten professionell angegangen und haben in der Person von Joe Obererlacher einen eigenen Trainer engagiert. «Wir haben uns während fast sechs Wochen in Obertilliach, der Heimat unseres Trainers, auf die neue Saison vorbereitet. Hinzu kam ein Trainingslager in Frankreich, gut zwei Wochen Oberhof und einen Abstecher nach Martell in Italien», gibt Nirando Bacchetta, einstiger Absolvent des Sportgymnasiums Schüpfheim, Einblick in den Trainingsalltag. Nur: Wo stehen die drei Athleten im Vergleich ihrer gleichaltrigen Kollegen bei Swiss-Ski? Julian Schumacher, der im Sommer seine Lehre als Metallbauschlosser erfolgreich abgeschlossen hat, gibt kurz vor dem Saisonstart zu: «Die Anspannung vor den ersten Rennen ist ziemlich gross. Das Sommertraining verlief gut, und ich weiss, was ich kann. Jetzt gilt es, dies umzusetzen.» An Vergleichen hat es den drei Biathleten aber dennoch nicht gefehlt. Da ihr Trainer seit diesem Sommer belgischer Nationaltrainer ist, konnten Synergien genutzt werden. Zur Erinnerung: Der belgische Athlet Claude Florent (26) war an den Schweizer Meisterschaften Ende März 2017 im Goms der Schnellste.

Die drei Athleten müssen ihren Alltag vollumfänglich selber berappen. Nur für den Trainingsbetrieb alleine wird mit Kosten von rund 35000 Schweizer Franken gerechnet. Diesen Aufwand muss das Trio selber tragen, respektive durch private Gönner und Sponsoren abdecken. «Da wir noch nicht zahlreiche internationale Erfolge aufweisen können, ist es schwierig, Teamsponsoren zu finden», erklärt Julian Schumacher. Sie haben deswegen auch bei der Mittelbeschaffung die Crowd­funding-Plattform «I believe in you» gewählt. Es wurde ein Spendenaufruf mit dem Titel «Drei Musketiere an die Weltspitze» gestartet. Sie haben dazu sogar zwei Videos gedreht. «Wir hoffen, so einen Beitrag von 10000 Franken zusammenzubringen. Ab einem Betrag von 10 Franken ist man als Gönner dabei, wir bieten auch Gegenleistungen an», führt Kai Schöpfer aus.

Wie üblich bei der Mittelbeschaffung auf einer solchen Plattform, fliessen die Gönnerbeiträge nur, wenn das angestrebte Unterstützungsziel erreicht wird. Die Aktion läuft noch bis am 10. Dezember 2017. Bis gestern Montag sind 6300 Franken zusammengekommen. Wie auf einem der Videos zu sehen ist, geben die drei Musketiere wortwörtlich das letzte Hemd für den Biathlon-Sport.

Hinweis

Mehr Informationen zum Team Future und zum laufenden Crowd-funding inklusive zwei Videos über das Team sind abrufbar unter www.ibelieveinyou.ch (unter Suchen «drei Musketiere» eingeben).


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