Ein Leben für Pferde

REITEN ⋅ Beim Concours des KRV Sempach und Umgebung in Hildisrieden ist auch Larina Lenz am Start. Für die 24-jährige Pferdepflegerin aus dem Bündnerland steht aber nicht der Rang im Vordergrund.
16. Mai 2017, 00:00

Michael Wyss

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Sie stammt nicht aus der Region Zentralschweiz, ihr Dialekt verrät es auf Anhieb. Die Rede ist von Larina Lenz. Aufgewachsen ist die 24-Jährige im Bündnerland, genauer gesagt in Thusis. «Ich fühle mich mittlerweile schon ganz heimisch und möchte nicht mehr zurück.» Die Bündnerin wohnt als Wochenaufenthalterin in Hildisrieden. Ihren Lebensunterhalt verdient Lenz, die beim Jugendreitverein Falknis Maienfeld die Freude am Reiten entdeckte, als Pferdefachfrau «Klassisches Reiten» in Hildisrieden beim Reitsportcenter Estermann. «Ich bin nach Hildisrieden gezogen, weil ich hier bessere berufliche Perspektiven besitze.» Sie absolvierte eine dreijährige Lehre als Pferdepflegerin im Bündnerland, danach machte sie eine Zusatzlehre als Pferdefachfrau «Klassisches Reiten» im St.Galler Rheintal.

Aufmerksam auf die Stelle im Kanton Luzern wurde Larina Lenz mittels Zeitungsinserat. «Meine erste Arbeitsstelle hatte ich in Hochdorf, seit vergangenem August arbeite ich in Hildisrieden.» Ihre Arbeitstage sind nicht nur lang, sondern auch von harter Arbeit geprägt: «Ich arbeite sechs Tage in der Woche im Stall. Meine Tage beginnen um 6.30 Uhr und dauern hin und wieder bis tief in die Nacht. Doch ich liebe meinen Beruf», sagt sie, «die Pferde sind eine grosse Bereicherung in meinem Leben.»

Selbst an freien Tagen taucht die 24-Jährige immer wieder im Stall auf. Alle zwei bis drei Monate besucht sie ihre Familie im Bündnerland. «Doch ich vermisse jeweils meine Pferde. Längere Zeit halte ich es jeweils nicht ohne Pferde aus», gesteht sie. Deshalb sei an Ferien erst gar nicht zu denken. «Urlaub habe ich vor rund fünf Jahren letztmals gemacht. Doch vermissen tue ich die Ferien nicht, denn die Pferde sind mein Lebensinhalt.»

Der grosse Stolz sind die eigenen Pferde

Ihre Liebe für den Pferdesport wurde der Bündnerin in die Wiege gelegt. Auch Mutter Nicole ist leidenschaftliche Reiterin. «Die Begeisterung für Pferde muss von meiner Mutter stammen», sagt Larina Lenz überzeugt. Ihre ersten Reiterfahrungen machte die 24-Jährige mit fünf Jahren auf dem Pony Fiala. «Bereits da hat mich der Reitvirus gepackt.» Ihr ganz grosser Stolz sind die beiden eigenen Pferde: Little White Sock, ein 16-jähriger Wallach, und Blue Boy, ein 25-jähriger Wallach. «Sie bedeuten mir alles. Es sind ganz spezielle Pferde, mit unterschiedlichen Charakteren», sagt die Wahlluzernerin. Little White Sock sei etwas schüchtern, eher zurückhaltend und müsse das Vertrauen erst gewinnen. «Er besitzt aber ein grosses Kämpferherz und spürt, wenn es mir nicht gut geht.» Und Blue Boy? «Er ist sensibel und manchmal mimosenhaft – und sehr fixiert auf meine Person.»

Sieg an ihrem 21. Geburtstag

Nicht das Wichtigste ist für Lenz, die in Hildisrieden am Sonntag in den beiden höchsten Prüfungen jeweils mit Little White Sock startete, die Rangierung: «Die Entwicklung geniesst erste Priorität, nicht das sportliche Abschneiden. Das Zusammenarbeiten von Reiterin und Pferd ist meine Herausforderung.» Deshalb war es für Larina Lenz nicht tragisch, dass ihr keine Nullfehlerumgänge gelangen: 8 Strafpunkte setzte es im Springen über 120 Zentimeter (Rang 51), 16 Strafpunkte im Springen über 125 Zentimeter (51. Rang) ab.

Geblieben sind der 24-Jährigen zwei Erfolge. 2015 gewann Lenz das Equipenspringen an der Bündner Meisterschaft mit dem Jugendreitverein Falknis Maienfeld. «Ich hatte gleich doppelten Grund zur Freude. Der Sieg mit dem fünfköpfigen Team – und das erst noch an meinem 21. Geburtstag.» Im gleichen Jahr feierte sie im italienischen Gorla Minorem, in der Provinz Varese, den Sieg auf Stufe 115 mit Little White Sock. «Ich war stolz, als die Schweizer Hymne für diesen Sieg gespielt wurde. Das war ein unvergessliches Erlebnis.»

Und wie sieht es mit Rückschlägen aus? «Ich hatte einmal einen Reitunfall. Eine Wirbelsäulenstauchung, die mich sechs Wochen ausser Gefecht setzte. Heute weiss ich, was es bedeutet, gesund zu sein.» Nichts Schlimmes sei dagegen ein gebrochener Finger oder Zeh. «Das gehört einfach dazu. Auch blaue Flecken und Blessuren sind Alltag beim Reitsport. Damit muss man leben können.»

Hinweis

Ranglisten unter: www.fnch.ch und www.reitverein-sempach.ch


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