Innerschweizer Power im Aargau

EISHOCKEY ⋅ Die Olympiasaison der Swiss Women’s Hockey League A findet ohne Innerschweizer Teams statt, nicht aber ohne Innerschweizerinnen. Denn in Reinach ist eine starke Innerschweizer Fraktion herangewachsen.
12. September 2017, 00:00

Nach vier Jahren in der amerikanischen Universitätsliga, im Team der University of Minnesota-Duluth, ist die Luzernerin Lara Stalder, zurzeit die beste Schweizer Feldspielerin, nach Schweden weitergezogen. Sie spielt neu für Linköping, den Club von Nati-Hüterin Florence Schelling. Die 23-Jährige spielte beim durchzogenen Saisonstart des Meisterschaftsmitfavoriten gleich eine Hauptrolle. Bei der 2:3-Niederlage gegen den aktuellen Leader Lulea bereitete sie beide Tore vor, beim Sieg im Penaltyschiessen gegen Djurgardens war sie für den entscheidenden Treffer besorgt.

Das andere Aushängeschild des Innerschweizer Frauenhockeys, die Zugerin Daniela Diaz, hat längst die Fronten gewechselt und eine erfolgreiche Trainerkarriere eingeschlagen. Seit Dezember 2015 führt sie nach sechs titelreichen Jahren als Trainerin der ZSC Lions das Schweizer Nationalteam. Im Sog der beiden Ausnahmekönnerinnen sind in den letzten Jahren – vor allem in Seewen und in Hochdorf – einige Talente gereift, von denen die einen bereits im Nationalteam zum Einsatz kommen, die andern in den Nachwuchsauswahlen U14, U16 und U18 stehen. Fast alle spielen in der obersten Frauenliga, im Aargauer Oberwynental, beim SC Reinach.

Hauptrollen für ehemalige Sebnerinnen

Neu im Team der Reinacherinnen sind die beiden Nati-Spielerinnen Rahel Enzler und Noemi Ryhner, ihre zweite Saison im Aargau spielt Vanessa Bolinger. Alle drei stammen aus den Zuger und Seewener Nachwuchsabteilungen. Während sich Ryhner nach einem Kreuzbandriss im Mai in der Rehabilitation befindet und wohl frühestens im Dezember aufs Eis zurückkehren kann, wollen Bolinger und Enzler nicht nur in Reinach angreifen: Die 19-jährige Torhüterin Vanessa Bolinger versucht ihr Glück zusätzlich im Elite-B-Team des EHC Chur, die 17-jährige Stürmerin Rahel Enzler spielt im Novizen-Elite-Team der Rapperswil-Jona Lakers. Weil Nationaltrainerin Daniela Diaz ihre Kaderspielerinnen zu Einsätzen in der Frauen-Meisterschaft «zwingt» – in erster Linie, um sich mit Blick auf die Olympischen Spiele im Februar 2018 an die besonderen Gegebenheiten des Frauenhockeys zu gewöhnen – werden Bolinger und Enzler zumindest im ersten Teil der Meisterschaft wohl fixe Stammkräfte in Reinach sein.

Seetal ist der zweite Lieferant

Mit der 17-jährigen Oona Emmenegger steht eine weitere Innerschweizer Nationalspielerin im Reinacher Kader. Die junge Stürmerin aus Rain bringt bereits reichlich internationale Erfahrung mit (Bronzemedaille an den Youth Olympic Games 2016 in Lillehammer, zwei U18-Weltmeisterschaften). Sie steht – wie die 20-jährige Sabrina Müller aus Küssnacht – vor ihrer dritten Saison in Reinach. Wie Emmenegger stammt auch Mara Frey (2002, Hochdorf) aus dem Nachwuchs des HC Seetal, der sich als echter Förderer von jungen Spielerinnen in der Region profiliert. Die Engelbergerin Luisa Waser (2003), die Krienser Torhüterin Sara Kobza (2001) und die ehemalige Nati-Verteidigerin Nadine Hofstetter (1994, Küssnacht) komplettieren die starke Innerschweizer Achse im Aargauer Team.

ZSC Lions und Lugano sind die Favoriten

Reinach wird in der SWHL A wohl kaum um den Titel mitspielen, hat sich aber nach zwei schwierigen Saisons und einem Neuaufbau klar verstärkt. Seit neun Jahren oder der Saison 2008/09 hat kein anderes Team den Titel geholt als der amtierende Meister ZSC Lions (fünf Titel) und Vizemeister Lugano (vier Titel). Diese beiden Teams sind denn auch die erklärten Favoriten auf einen erneuten Titelgewinn in Meisterschaft und Cup.

Zum ersten Herausforderer dürfte Bomo Thun, letzte Saison mit je einer Bronzemedaille in Meisterschaft und Cup die klare dritte Kraft, werden. Neben Reinach wollen auch das bisher auf letzte Plätze abonnierte Weinfelden und der Bronzemedaillengewinner von 2016, Neuchâtel Hockey Academy, im Kampf um die vier Playoff-Plätze ein Wörtchen mitreden.

Daniel Monnin

regionalsport@luzernerzeitung.ch


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