Marco Lehmann träumt von Tokio 2020

BASKETBALL ⋅ Während die Schweiz international keine Rolle spielt, gehört das Land in der Trendsportart 3x3-Basketball zur Weltspitze. Mittendrin: Marco Lehmann, Flügelspieler von Swiss Central Basketball.
07. November 2017, 00:00

Daniel Schriber

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Wer glaubt, dass Basketball eine schnelle Sportart ist, hat noch nie ein 3x3-Spiel gesehen. Tippt man auf Youtube die Begriffe «3x3», «Basketball» und «Highlights» in die Suchmaske ein, folgt kurz darauf das grosse Staunen über das beeindruckende Tempo, mit dem es in dieser noch jungen Disziplin zur Sache geht. Kein Wunder: Nur gerade 12 Sekunden stehen dem angreifenden Team zur Verfügung, um einen Korbversuch zu starten. «3x3 ist wesentlich intensiver als Fünf gegen Fünf», betont Marco Lehmann. Der Flügelspieler von Swiss Central Basketball spricht gar von einem «zehnminütigen Dauersprint» auf einen Korb. Genau so lange dauert ein 3x3-Spiel üblicherweise.

Gelingt es einem Team, schon vorher 21 Punkte zu erzielen, ertönt die Schlusssirene gar noch früher. Auch sonst gibt es einige Unterschiede zum klassischen Basketball: «Es geht deutlich physischer zur Sache», so Lehmann. «3x3 ist Action pur – und genau das macht die Sportart so faszinierend.» Ausserdem wird 3x3 – im Gegensatz zur klassischen Disziplin – im Freien gespielt.

World-Tour-Final in Peking

Wer mit Marco Lehmann über 3x3-Basketball spricht, der spürt: Für den 23-jährigen Klotener ist diese Disziplin mehr als nur eine nette Abwechslung zum NLA-Spielbetrieb. Mehr als nur «Streetball» mit Freunden. Statt auf dem Mountainbike oder auf dem Beachvolleyball-Feld verbringt Lehmann die Sommermonate heute mehrheitlich auf dem Basketballplatz. Als Mitglied des «Team Lausanne» gehört Lehmann faktisch zur Schweizer 3x3-Nationalmannschaft. Gemeinsam mit seinen drei Teamkollegen – allesamt NLA-Spieler – nahm Lehmann in den vergangenen Monaten nicht nur an Turnieren in der ganzen Schweiz teil, sondern auch in anderen Ländern.

Dank starken Leistungen an den internationalen Turnieren von Berlin (Rang 4) und Lausanne (2.) sowie an der Europameisterschaft in Amsterdam (9. Rang) qualifizierten sich die Schweizer sogar für den World-Tour-Final in China. Am Turnier, das Ende Oktober in Peking über die Bühne ging, schafften es die Schweizer bei eisigen Temperaturen bis in den Viertelfinal, wo sie sich gegen die Equipe aus Piran (Slowenien) geschlagen geben mussten.

Der 7. Platz ist für Marco Lehmann und seine Teamkollegen ein toller Erfolg. «Ein Erfolg, der Lust auf mehr macht.» Während die Schweiz beim Basketball international kaum eine Rolle spielt, haben Lehmann und Co. bewiesen, dass sie in der Trendsportart 3x3 mit den besten Teams der Welt mithalten können. Mehr als das: Beim Heimturnier in Lausanne zum Beispiel bezwangen die Schweizer in der Vorrunde gar die zweifachen World-Tour-Sieger von «Novi Sad Al-Wahda». Ein serbisches Profi-Team, welches seit zwei Jahren unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate auf Korbjagd geht.

Zurück auf das klassische Basketballspiel

Nach der Rückkehr aus Peking hat Marco Lehmann den – etwas kleineren – 3x3-Basketball zur Seite gelegt, um sich fortan ganz auf seinen Einsatz bei Swiss Central zu konzentrieren. Die Umstellung zurück auf das klassische Basketballspiel falle ihm nicht schwer – im Gegenteil: «Ich denke, dass mir die Schnelligkeit und die Aggressivität aus dem 3x3 auch in der Halle zugutekommt.» Und trotz vieler Unterschiede gehe es am Ende bei beiden Sportarten sowieso um dasselbe: «Der Ball muss in den Korb», sagt Lehmann und lacht.

Im nächsten Mai geht’s dann jedoch wieder los mit 3x3-Basketball – und geht es nach Marco Lehmann, sollen auch im kommenden Jahr wieder zahlreiche internationale Turniere folgen. Der Wurfspezialist hofft, dass sich die Schweiz – ähnlich wie im Beachvolleyball – langfristig zu den führenden Nationen im 3x3-Basketball gehören wird. «Wir haben dieses Jahr Blut geleckt und gesehen, dass wir mit den besten 3x3-Spielern der Welt mithalten können. Das wollen wir auch nächstes Jahr wieder an möglichst vielen Turnieren beweisen.» Das ist jedoch nicht Lehmanns einziges Ziel. Natürlich weiss auch er, dass die Trendsportart 2020 erstmals ins Programm der Olympischen Sommerspiele von Tokio aufgenommen wird. «Und genau das ist unser grosses Ziel.»

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Marco Lehmann, Basketballer


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