Mit neuer Taktik zur Traumsaison

NATIONALTURNEN ⋅ Andi Imhof krönt seine Karriere mit dem Sieg am Eidgenössischen Nationalturntag in Eschenbach, auf Platz zwei landet sein grosser Rivale Marcel Bieri. Der 22-jährige Aufsteiger des Jahres erklärt, weshalb er mit diesem Ergebnis sehr gut leben kann.
12. September 2017, 00:00

Simon Gerber

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Der 22-jährige Marcel Bieri gab gegen Ende einer langen Saison nochmals Vollgas. Denn wer glaubte, dass der angehende Primarlehrer sich auf den Lorbeeren im Schwingen ausruhen würde, den belehrte der Zuger eines Besseren. Am Eidgenössischen Nationalturntag in Eschenbach stand der erfolgshungrige und ehr­geizige Modellathlet im Schlussgang vor einer kniffligen Aufgabe. Nur mit einem Sieg konnte er den ­Favoriten Andi Imhof aus dem Urnerland noch überholen.

Bieri lancierte zwar immer wieder Angriffe, aber letztlich fehlte der entscheidende Exploit. Die defensive Haltung des Gegners sei für ihn kein Problem gewesen. «Dieser Sieg fehlte Andi Imhof in seiner Turnkarriere noch, und er wollte ihn verständlicherweise nicht mehr aufs Spiel setzen», sagte Marcel Bieri.

Bieri blickt auf eine Traumsaison zurück

Ihm gelang im Vornotenprogramm nicht alles nach Wunsch. Er patzte im Hochweitsprung und kam dadurch in Rücklage. Nach sechs Durchgängen betrug der Rückstand auf den führenden Imhof noch 2,20 Punkte. Wegweisend für die Schlussgangteilnahme waren die Siege gegen Marco Lussi und den zweifachen Eidgenossen Martin Suppiger. «Beide habe ich im Schwingen bisher noch nie bezwingen können», betonte der mental starke Allrounder aus Edlibach in der Gemeinde Menzingen. Nach dem gestellten Schlussgang ­könne er auch mit dem zweiten Platz sehr gut leben. Für den Hobby-Snowboardfahrer war es der erste Nationalturnerwettkampf in diesem Jahr.

Den Fokus setzt Bieri ohnehin auf das Schwingen. Dabei kann er als Aufsteiger der Innerschweizer auf eine Traumsaison zurückblicken. Mit dem überraschenden Schlussgangsieg am Zuger Kantonalfest gegen den Topfavoriten Christian Schuler setzte er am eigenen Verbandsfest zum Auftakt gleich ein Ausrufezeichen. Mit sieben Kränzen, davon drei hochkarätigen vom Stoos, vom Schwarzsee und vom Brünig, verbuchte Bieri seine mit Abstand erfolgreichste Saison. Das mache ihn schon ein bisschen stolz. «Von allen Kranzfesten reiste ich mit dem Kopfschmuck nach Hause und behielt eine weisse Weste.»

Vom Defensiv- zum Offensivschwinger

Noch vor kurzer Zeit wäre eine solche Bilanz für ihn als Konterschwinger unmöglich gewesen. «Ich hatte zu viele gestellte Kämpfe, und deshalb wechselte ich die Rolle vom Defensiv- zum Offensivschwinger. Diese Taktik war der Schlüssel zu den bisherigen Erfolgen», freut sich der 110 Kilogramm schwere und 1,90 Meter grosse Turnerschwinger. Nächstes Jahr liegen die Prioritäten auf seiner Ausbildung. Im August will Marcel Bieri sein Studium an der Pädagogischen Hochschule als Primarlehrer abschliessen und danach die ersten Berufserfahrungen sammeln. Sein sportliches Fernziel ist der Gewinn des Kranzes am Eidgenössischen Schwingfest 2019 in Zug, also praktisch vor seiner Haustüre.

Vom Nationalturner zum Schwinger

Angefangen hatte alles mit dem Nationalturnen. Als Bieri sechs Jahre alt war, schleppte ihn sein älterer Bruder Christian mit ins Nationalturnertraining des STV Menzingen mit. Der talentierte Jungturner fand Gefallen an dieser vielseitigen Sportart, in ihm schlummerte viel Potenzial. Er bestritt die ersten Wettkämpfe mit grossem Erfolg. Das gelernte Handwerk im Nationalturnen setzte er später im Schwingen um. Den ersten Schwingerkranz eroberte er am Schwyzer Kantonalfest 2012. Zwischenzeitlich ist die Zahl auf siebzehn angestiegen. Dem stets gut gelaunten und locker wirkenden Marcel Bieri werden im Sägemehl noch weitere Glanztaten zugetraut.

Kategorie A

1. Andi Imhof (Bürglen) 95,30. 2. Marcel Bieri (Menzingen) 94,10. 3. Marco Iseli (Reutigen) 93,40. 4. Roman Zurfluh (Root) 93,00. 5. Thomas Suppiger (Willisau) 92,90. 6. Martin Suppiger (Willisau) 92,90. 9. Marco Lussi (Ennetbürgen) 91,90. 10. Stefan Ettlin (Kerns) 91,90. 12. Robin Durrer (Kerns) 91,60. 14. Fabian Durrer (Menzingen) 91,00. 17. Clemens Spichtig (Kerns) 90,80. 20. Christoph Emmenegger (Eschenbach) 90,30. 23. Sven Barmet (Eschenbach) 89,70. – Alle mit Kranz.

Hinweis

Bildergalerie unter:www.luzernerzeitung.ch/bilder


Leserkommentare

Anzeige: