Ohne Not das Spiel aus der Hand gegeben

2. LIGA INTER ⋅ Der FC Eschenbach muss sich in einem turbulenten Match dem FC Hergiswil mit 3:4 beugen. Zwei Schlüsselszenen schubsen die 2:0 führenden Seetaler vom Erfolgsweg ab.
31. Oktober 2017, 00:00

2:0 führten die Eschenbacher durch Tore von Sandro Zimmermann auf Foulpenalty (13.) und Raphael Felder (23.) gegen ein noch schlafend wirkendes Hergiswil. Ein höherer Vorsprung wäre durchaus möglich gewesen. Dann passierte die erste Schlüsselszene in diesem kampfbetonten, aber jederzeit fair geführten Match: Eschenbach-Goalie Marco Grünig flog nach einem ­Notbremsefoul vom Feld (36.). «Sorry», sagte der sonst so zuverlässige Torhüter in Richtung Team­gefährten. Er habe den Ball stibitzenden Norman Blättler «nicht gesehen», als er das Spielobjekt ohne Not zu weit vorlegte und Blättler im anschliessenden Zweikampf foulte. Ein frustrierender Abgang für Marco Grünig, der seit der Saison 2012/13 das Eschenbacher Tor hütet. Dem 23-jährigen in Schwarzenberg wohnhaften Grünig musste ausgerechnet in seinem 120. Meisterschaftsspiel mit den Seetalern dieses Malheur passieren.

Klar, dass die bis zu diesem Ausschluss sehr stark spielenden Eschenbacher haderten. Die Gäste aus Hergiswil hingegen schöpften «Hoffnung auf bessere fussballerische Zeiten». Die Hoffnung wich der Wirklichkeit: Sekunden vor dem Pausenpfiff gelang Ambroz Simoni mit einem Weitschuss der 1:2-Anschlusstreffer. Der für Marco Grünig eingewechselte Janis Bachmann, er erlebte die ersten Einsatzminuten mit dem Fanionteam, machte seine Sache sehr gut. Gegen die Weitschusstore durch Devin ­Arnold (62.) und dem herrlichen Abschluss von Patrick Hensler ins Lattenkreuz (64.) hatte der 18-Jährige keine Abwehrchance. «Ein geiles Tor», schwärmte denn auch der Aussenverteidiger. «Ich bin wirklich kein Goalgetter-Typ. Doch diesmal nahm ich volles Risiko. Und der Ball passte.» Doch statt nach dieser 3:2-Führung einen vierten Treffer gegen die immer müder werdenden Eschenbacher nachzulegen, übten sich die Nidwaldner in Genügsamkeit. Was den Hergiswil-Trainer Marc Odermatt in Rage versetzte: «Ich kann es nicht verstehen, dass man bei dieser ­Ausgangslage so kopflos spielen kann. Statt, wie gefordert, den Ball und den dezimierten Gegner laufen zu lassen, wurden nur noch weite Bälle gespielt.» Nach der Partie kam doch noch ein nüchternes Lob: «Gratuliere zu den drei Punkten.»

Tor oder Nichttor: Eine viel diskutierte Frage

Diese hingen allerdings an einem dünnen Faden. Und da kommt die zweite Schlüsselszene ins Spiel (81.). Mit unheimlich viel Glück für die Hergiswiler. Nach einem Befreiungsschlag prallte der Ball vom Körper eines Eschenbachers an den rechten Pfosten, kullerte der Torlinie entlang zum linken, ehe ihn FCH-Goalie Sven Hochmuth behändigen konnte. Tor oder Nichttor – das war die viel diskutierte Frage. Der gut pfeifende Schiedsrichter Jens Imboden entschied – ohne die Möglichkeit einer Torlinienkamera – auf Weiterspielen. Es wäre der 3:3-Ausgleich gewesen. Die Tragik folgte: Praktisch im Gegenzug gelang Florian Eberhard das 4:2, ehe Samuel Stauber, mit dem Kopf noch zum 3:4 (85.) einnicken konnte. Aus Sicht von 3:2-Torschütze Patrick Hensler war es «ein cooler Match, mit viel Action». Er interpretierte auch die Leistung seines Teams nicht so schlecht, wie es Trainer Marc Odermatt wahrhaben wollte. «Wir sind viel gelaufen, haben meiner Meinung nach eine gute Leistung erbracht. Der frühe Platzverweis hat uns aber schon in die Karten gespielt.» Und der Eschenbacher im Dress der Hergiswiler, Silvan Sager, analysiert: «Wir hatten das Glück auf unserer Seite. Denn Eschenbach hatte in der ersten Halbzeit noch zwei Topchancen. Über einen höheren Rückstand als das 0:2 hätten wir uns nicht beklagen können.» Und Grünig-Ersatz Janis Bachmann, meinte nach seinem Ersteinsatz: «Ich bin mit meinem Einstand zufrieden. Im nächsten Match will ich wieder mein Bestes geben.»

Ruedi Vollenwyder

regionalsport@luzernerzeitung.ch


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