Schwenker wegen Eichhörnchen

MOTORSPORT ⋅ Yannick Mettler beendet die Saison am Nürburgring mit dem dritten Podestplatz erfolgreich. Der 28-jährige Krienser blickt zurück auf ein Jahr mit Höhen, Tiefen und einem speziellen Ausweichmanöver.
07. November 2017, 00:00

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Der Kurzclip auf Youtube sorgt für Aufsehen, über 117000 Mal ist er aufgerufen worden. Zu sehen ist Yannick Mettler in seinem dritten Rennen des BMW M235i Racing Cups auf dem Nürburgring. Vor einer Rechtskurve überquert plötzlich ein Eichhörnchen die Strecke, der 28-jährige Krienser macht bei Tempo 160 einen kleinen Schwenker nach links, um es nicht zu überfahren. «Daraufhin hat sich bei mir sogar ein Tierschutzverein für ein Interview gemeldet», erzählt Mettler schmunzelnd. Ein zweifellos aussergewöhnlicher Moment in einer Saison, die generell reich an Bemerkenswertem war.

Insgesamt neun Mal stand Mettler in seinem zweiten Jahr am Nürburgring im Einsatz, das Highlight war zweifellos der Sieg am 24-Stunden-Rennen von Ende Mai. Überdies fuhr er in seiner Kategorie der VLN-Langstreckenmeisterschaft zwei Mal auf das Podest. Einmal mit Rang zwei im Auftaktrennen im März, einmal mit Platz drei Ende Oktober im Rahmen der Derniere. «Das war ein toller Abschluss eines turbulenten, aber insgesamt sehr positiven Jahrs», bilanziert er.

«Ich wollte mich nicht verrückt machen lassen»

Wie am Schnürchen lief es für Yannick Mettler in den vergangenen Monaten aber nicht immer, wiederholt hatte er mit technischen Defekten zu kämpfen. Mal haperte es mit der Benzinzufuhr, mal ging etwas an der Aufhängung kaputt, mal machte der Turbolader Probleme. «Es waren immer andere Ursachen, es war wie verhext», erzählt Mettler, der zweimal kurz vor Schluss der vierstündigen Rennen ausfiel, einmal in Führung und einmal auf Podestkurs liegend.

Die mentale Zerreissprobe bestand der ehrgeizige Motorsportler aber mit Bravour. «Es war nervig, doch ich wollte mich nicht verrückt machen lassen. Nun kann ich sagen, dass ich in jedem Rennen das Maximum herausgeholt habe. Wenn mein Fahrzeug wegen eines Defekts über 20 PS weniger Leistung verfügt und ich trotzdem auf Rang 4 fahre, fühlt sich das für mich wie ein Sieg an.»

Insgesamt habe er auf der Nordschleife des Nürburgrings, die aufgrund ihres hohen Schwierigkeitsgrads als «grüne Hölle» bezeichnet wird, über 30 Stunden im Einsatz gestanden und dabei sei ihm kein Unfall und kein wesentlicher Fehler unterlaufen. Die Frage aber sei erlaubt: Wird es nicht langweilig, alle Wettkämpfe auf derselben Strecke zu absolvieren? Mettler lacht und sagt: «An einem gewöhnlichen Ort könnte es einem verleiden, nicht aber auf dem Nürburgring. Die Nordschleife ist fünf Mal länger als der europäische Durchschnitt. Es ist eine Naturstrecke mit Kuppen, ultraschnellen Abschnitten und blinden Stellen. Eine perfekte Runde ist hier noch keiner gefahren. Ich kann nicht genug bekommen.» Mit jeder Fahrt komme er seinem tatsächlichen Limit näher. «Es gibt immer wieder etwas zu lernen, vor allem wegen des oft wechselhaften Wetters.»

Folgt nun der Aufstieg in die Serie GT4?

In der Gesamtwertung belegte er am Ende zwar nur die etwas enttäuschende fünfte Position. «Wenn man x-mal die schnellste Runde fährt, erhofft man sich natürlich mehr. Trotzdem konnte ich viel Aufmerksamkeit generieren und als Fahrer an Wert gewinnen.» Woran er dies merkt? Am Interesse anderer Teams. «Ich habe nun ein paar sehr interessante Optionen auf dem Tisch.» Noch ist nichts spruchreif, doch für Mettler ist klar, dass nun der nächste Karriereschritt folgen soll. «Im Jahr 2016 habe ich einen Vierjahresplan erstellt, währenddem ich in die GT-Serie aufsteigen und mir den Vollprofi-Status erarbeiten will. Die nächsten zwei Jahre sind in meiner Karriere wegweisend.»

Konkret hofft er auf einen Wechsel in die neugegründete GT4-Kategorie, die ihn auf die Herausforderungen der Königsklasse GT3 vorbereiten soll. Parallel zu den Verhandlungen mit den Teams stehen für Mettler auch Sponsorengespräche im Vordergrund, welche über die Pläne in den nächsten zwei Jahren mitentscheiden. Anders formuliert: Yannick Mettler gibt auch in der Winterpause Vollgas, einfach neben der Piste.

www.

Eichhörnchen: Das Ausweichmanöver von Yannick Mettler sehen Sie auf

luzernerzeitung.ch/video

Autorennfahrer aus Kriens


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