Sie setzt nun voll auf Beachvolley

BEACHVOLLEYBALL ⋅ Sie gehört zu den grossen Talenten, was sie schon oft unter Beweis stellte. Die 17-jährige Esmée Böbner aus Hasle über ihre Ziele und ihren ungewöhnlichen Vornamen.
27. Juni 2017, 00:00

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Ein unverkennbarer und charmanter Entlebucher Dialekt, ein ungewöhnlicher, schön klingender Vorname, eine aufgestellte, talentierte junge Frau: Esmée Böbner, 17 Jahre alt, aus Hasle, Zukunftshoffnung im Bereich Beachvolleyball. Dies hat sie in ihrer jungen Karriere schon oft unter Beweis gestellt, und sie sorgte kürzlich auch international für Aufsehen. An den U22-Europameisterschaften in Österreich belegte sie zusammen mit Dunja Gerson (21), ein Name, der den Beachvolleyballfans bekannt vorkommt, den vierten Platz (Ausgabe vom 20. Juni). Die Partie um die Bronzemedaille ging dabei verloren, «uns fehlte schlicht und einfach die Substanz», blickte Esmée Böbner zurück. Dieser Erfolg, einer der grössten in ihrer noch jungen Karriere, ist erstaunlich, denn das Duo wurde extra für dieses Turnier formiert und absolvierte im Vorfeld lediglich fünf gemeinsame Trainings.

Die nächste Reise geht ins Reich der Mitte

Mitte Juli ist bei Esmée Böbner wieder Koffer packen angesagt, nicht etwa für die Ferien, sondern für China, die U21-Weltmeisterschaften. Bestreiten wird sie diese Titelwettkämpfe mit ihrer aktuellen Beachpartnerin, mit der 19-jährigen Bernerin Zoé Vergé-Dépré, mit der sie seit ­dieser Saison zusammenspielt. Auch dies ist ein klingender Name in der Volleyszene, denn Zoé ist die jüngere Schwester von Anouk, die am vorletzten Wochenende zusammen mit Joana Heidrich in Den Haag den Sieg bei der World Tour knapp verpasste. Böbner/Vergé-Depré müssen in China nicht durch die Mühlen der Qualifikation, sondern rücken direkt ins Hauptfeld, «und ein Platz in den Top Ten wäre schön», liess sich Böbner vernehmen. Im September steht die U20-EM in Italien an, und da sind die Ziele höher gesetzt: «Eine Medaille wäre schon cool. Wenn wir unser Spiel konstant durchziehen, könnte es reichen.»

Grosses Augenmerk auf beruflicher Ausbildung

In jungen Jahren auf diesem Level zu spielen, das kommt nicht von ungefähr. Tagtäglich feilt Esmée Böbner an Kondition, Koordination, an Technik und Taktik. Montag ist Krafttraining angesagt, Dienstag bis Freitag fährt sie nach Bern ins Training, und vor Turnieren macht sie manchmal auch im Lido Luzern Station, um bei Max Meier noch eine zusätzliche Übungseinheit zu absolvieren. So fallen rund 10 bis 12 Stunden Training in der Woche an. Obwohl Beachvolleyball ihre grosse Leidenschaft ist, schenkt sie auch ihrer beruflichen Ausbildung ein grosses Augenmerk. Sie besucht die 4. Klasse der Kantonsschule Schüpfheim (Gymnasium Plus). Im nächsten Jahr steht die Matura an, «und dann werde ich mich vielleicht während eines Jahres voll dem Sport widmen und dann ein Studium in Angriff nehmen». Welche Richtung dies sein soll, darüber zu entscheiden, da lässt sie sich Zeit. Als Perspektive sieht sie auch die Möglichkeit, vielleicht einmal als Profispielerin auf Tour zu gehen. Und ja, auch die Olympischen Spiele kommen in ihren Überlegungen vor. «Für 2020 wird es wohl etwas knapp, aber 2024 – das ist schon ein Ziel.»

Mehrfache Goldmedaillengewinnerin

Zum Volleyball kam Esmée Böbner vor neun Jahren, dies dank ihrer Schwester Luisa (20) und Patricia Wigger, ihrer Nachbarin, die als Trainerin bei Hasle tätig ist. 2014 verstärkte sie das NLB-Team von Volleya Obwalden, und in den folgenden beiden Saisons spielte sie bei Fides Ruswil. Paral­lel dazu war sie auf den Center Courts anzutreffen, erst mit Jana Wigger – zusammen holten die beiden unter anderem 2015 den Schweizer-Meister-Titel in der Kategorie U19 –, ein Jahr später stand sie an den nationalen Meisterschaften wieder zuoberst auf dem Podest, diesmal an der Seite von Mirjana Blazevic (U21). Gold gab es auch in diesem Jahr an den Schweizer Meisterschaften in der Halle, zusammen mit der U19-Equipe von Volley Luzern Nachwuchs. Dies wird wohl einer ihrer letzten Hallenauftritte gewesen sein, «denn in Zukunft möchte ich mich vermehrt auf das Beachvolleyball konzentrieren». Eine Rückkehr in die Halle käme dann in Frage, «wenn ich im Winter mehr Trainingseinheiten brauchen würde».

Harmonie auf und neben dem Feld

Dass ein Beachvolley-Duo gut harmonieren muss, ist eine der Voraussetzungen für Erfolge. «Je besser man sich neben dem Feld versteht, desto lockerer agiert man im Sand», sagt Esmée Böbner. Sollten irgendwelche Störungen in der Luft liegen, «dann muss man sich eben aussprechen». Sie bildete auch schon zusammen mit ihrer Schwester Luisa ein Duo, «neben dem Feld haben wir es zwar super, aber irgendwie wollte das nicht so richtig klappen», erzählt die 17-Jährige schmunzelnd. Beim Beachvolleyball ist man es gewohnt, bei verschiedenen Temperaturen zu spielen. «Bei dieser Hitze ist es aber nicht immer ganz unproblematisch, da kann man sich schon mal Blasen an den Füssen holen, oder einen veritablen Sonnenbrand.»

Grosse Unterstützung erhält Esmée Böbner von ihren Eltern Patricia und Christoph. Sie verrichten Fahrerdienste zu den Turnieren, drücken Daumen, holen ihre Tochter nach den Trainings am Bahnhof ab – spornen an und spenden Trost, wenn es diesen braucht. «Für all dies bin ich meinen Eltern sehr dankbar.»

Und nun noch zu ihrem Vornamen Esmée: «Darauf werde ich sehr häufig angesprochen.» Dieser stammt aus Holland, dem Heimatland ihrer Mutter, und bedeutet: geachtet, geliebt, geschätzt.


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