1 Milliarde mehr: Diese Projekte machen den Unterschied

17. Juni 2017, 00:00

Tiefbahnhof Eine wahre Kostenexplosion hat das Projekt des Luzerner Durchgangsbahnhofs erlebt. Ging der Kanton Luzern bisher von 2,4 Milliarden Franken aus, rechnet der Bund nun mit 3,34 Milliarden (Ausgabe vom 27. Mai). Das löst in der Zentralschweiz Unverständnis aus. Die Bahnkundenorganisation Pro Bahn Zentralschweiz vermutet, das Bundesamt für Verkehr (BAV) treibe die Kosten bewusst in die Höhe, damit das Projekt von der Politik beerdigt wird. Es würden nämlich auch Ausbauten hinzugerechnet, die mit dem Durchgangsbahnhof gar nichts zu tun hätten.

Gegenüber unserer Zeitung legt das BAV nun offen, welche Ausbauten es zum Projekt Durchgangsbahnhof zählt. Dabei ist wichtig zu wissen: In der aktuellen Phase plant das BAV noch keine einzelnen Bauwerke, sondern das Angebot, das künftig gefahren werden soll:

Halbstundentakt für den Intercity Basel–Luzern;

Durchbindung des Regioexpresses Olten–Luzern nach Zug/Zürich;

Halbstundentakt im Fernverkehr zwischen Luzern und Arth-Goldau (stündlich weiter ins Tessin);

zusätzliche und längere Züge in Richtung Entlebuch (Viertelstundentakt nach Schüpfheim und Willisau);

zusätzliche Züge in Richtung Seetal (Viertelstundentakt bis Hochdorf);

zusätzlicher Viertelstundentakt Richtung Ebikon (halbstündlich durchgebunden nach Hochdorf und Wolhusen);

Verlängerung der S-Bahn-Linie 2 (Baar–Erstfeld) bis zur Haltestelle Baar Sennweid.

Mit dem Zimmerberg-Basistunnel zwischen Thalwil und Baar soll unter anderem die Strecke Zürich–Luzern ausgebaut werden. Dies ermöglicht einen Regioexpress Zürich–Zug, der im Halbstundentakt fährt. Pro Stunde sollen drei Fernverkehrszüge zwischen Zürich und Luzern fahren, ein weiterer nur bis Ebikon. Bemerkenswert ist, dass auch Ausbauten in Emmen, Rothenburg, Dagmersellen, Hunzenschwil und Olten vorgesehen sind. So könnten Güterzüge zwischen Zürich und Luzern künftig via Lenzburg und Zofingen (Nationalbahnstrecke) fahren, damit auf der Linie via Zug möglichst viel Platz frei wird für Personenzüge.

Ebenfalls im Rahmen des Zimmerberg-Projekts geplant ist der Ausbau für den Halbstundentakt des Regioexpresses Olten–Luzern. «Dieser Ausbau hat für den Kanton Luzern eine grosse Bedeutung und wird deshalb priorisiert», erklärt Olivia Ebinger, Mediensprecherin beim BAV. Bekanntlich hat der Zimmerberg-Tunnel beim Bund eine höhere Priorität. Nur mit diesem Tunnel könne der Durchgangsbahnhof seinen vollen Nutzen entfalten.

Bund warnt vor Kürzungen bei den Ausbauten

Der Kanton Luzern hat in seiner bisherigen Kostenschätzung von 2,4 Milliarden erst die Kosten für den Bau des Durchgangsbahnhofs genannt. Mit den Zahlen des Bundes liegt nun die Gesamtschau für den Ausbau des Bahnangebots vor. «Bahnprojekte sind generell teuer. Braucht es mehrere Ausbauten, wie dies für den Durchgangsbahnhof der Fall ist, summiert sich dies entsprechend», sagt Ebinger. Wenn nun aber zu Gunsten eines günstigeren Projekts auf einen Teil des Ausbaus verzichtet würde, würde auch der Nutzen des damit erst ermöglichten Angebotsausbaus wegfallen.

Das BAV hat bei seinen Analysen festgestellt, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei einem Verzicht auf den vollen Infrastrukturausbau sinkt: «Die Idee, dass die Chancen für ein Projekt steigen, wenn die Kosten gesenkt werden, ist falsch», betont Ebinger. Für das BAV sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis massgebend und nicht das Preisschild. «Ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis kann beim Durchgangsbahnhof nur erreicht werden, wenn alle Ausbauten realisiert werden.»

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch


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