Alpenquai wird zum Blasmusik-Quartier

MUSIKGESCHÄFT ⋅ Zuletzt gab es in Luzern nur noch ein einziges Blasmusik-Geschäft. Nun sorgt ein Betrieb aus Zug für frischen Wind – er eröffnet ein Atelier in Gehdistanz zum Konkurrenten.

29. November 2016, 00:00

Instrumentengeschäfte hatten es zuletzt schwer in Luzern. So sind alteingesessene Läden wie Musik Hug und F. Müller Blasinstrumente aus der Stadt weggezogen oder haben das Geschäft aufgegeben (Ausgabe vom 12. Mai). Doch es gibt auch ein Gegenbeispiel: «Das Blashaus», ein Atelier für Holz- und Blechblasinstrumente, zieht von Zug nach Luzern. Der Drei-Mann-Betrieb hat sich per Ende Oktober in Bahnhofsnähe in die Überbauung City­bay an der Güterstrasse 1 eingemietet.

«Für Luzern spricht die gute Erreichbarkeit mit dem öffent­lichen Verkehr», erklärt Geschäftsführer Martin Suter (56). Zug liege zwar näher bei Zürich. «Doch auch Luzern ist in 45 Minuten erreichbar, und Bern und Basel liegen nur eine Stunde entfernt.» Eine wichtige Rolle spielen für Suter die Nähe zu Kulturinstitutionen wie dem KKL und der Musikhochschule. Es sei kein Zufall, dass man sich für die Region Luzern, die mit ihren vielen renommierten Vereinen als «Blasmusikhochburg» bekannt ist, entschieden habe. «Wir richten uns nicht nur an Profis, sondern an alle Bläser, ob Holz oder Blech, ob Klassiker oder Jazzer.»

Mit dem Umzug kehrt das Atelier quasi zurück zu seinen Wurzeln. Gegründet wurde es nämlich 1986 in Luzern. 1996 erfolgte dann der Umzug nach Zug, einem «weissen Fleck» für Instrumentenbauer, wie Suter meint. 20 Jahre lang arbeiteten er und sein Team in einem Altbau in der Nähe des Zuger Bahnhofs. «Als aber eine Renovierung und damit eine Mieterhöhung bevorstand, mussten wir uns umorientieren», erklärt er. Die Mieten in Luzern, nah bei Bahnhof und KKL, seien zwar nicht tiefer als in Zug. Doch Luzern biete die erwähnten Standortvorteile.

«Das Blashaus» wird es hier mit «Musikpunkt Lohri» zu tun bekommen, dem Platzhirsch im Blasmusikgeschäft. Die beiden Ateliers liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt. «Das ist Zufall», erklärt Suter, man habe die Nähe nicht gesucht. Dabei kann er der Nachbarschaft auch Positives abgewinnen: «Für auswärtige Musiker wird der Gang nach Luzern noch interessanter.» Man wolle ein gut nachbarschaftliches Verhältnis pflegen. Suter hat seine Lehre im Übrigen in den 1980er-Jahren im damaligen «Atelier Lohri» ge­macht.

«Wir nehmen die Konkurrenz ernst»

Wie sieht man beim ungleich grösseren «Musikpunkt Lohri» die Situation? «Wir nehmen die Konkurrenz natürlich ernst», sagt Geschäftsführer Adrian Lohri, man halte aber am eigenen Kurs fest. Gemeinsam mit dem auf Verkauf spezialisierten «Notencafé» und der Perkussionsabteilung konnte man sich als «überregionales Kompetenzzentrum» etablieren. Man könne bei Profis wie Amateuren mit Fachwissen, einer grossen Werkstatt und einem vielfältigen Angebot punkten. «Zunehmend wichtiger wird unser Onlineshop mit über 10000 Artikeln. Wir sind hier schweizweit führend.» Die Filiale zähle zurzeit 21 Mitarbeiter, «Tendenz steigend». Die Konkurrenz sieht Lohri auch positiv: «So wie sich rund ums Vögeligärtli Ateliers für Streichinstrumente angesiedelt haben, könnte sich der Alpenquai zu einem Quartier für Blasinstrumente entwickeln.»

Kampf um Kunden wird härter

Klar ist, dass in Luzern die Konkurrenz grösser wird, nicht aber der sprichwörtliche Kuchen. Rückläufige Schülerzahlen an den Musikschulen und der Mitgliederschwund bei vielen Vereinen führen zu einer Verhärtung des Geschäfts. «Die Boomjahre sind vorbei», konstatiert denn auch Suter. Er sieht aber eine Zukunft in der Spezialisierung. «Wir haben uns mit Vintage-Saxofonen, massgefertigten Einzelteilen, Expertise und renommierten Marken einen Namen gemacht.» Damit lasse sich auch im Internet werben. Das A und O bleibe aber der persönliche Kundenkontakt. Und: «Wir hoffen, dass zumindest ein Teil unserer Zuger Kundschaft den Weg nach Luzern finden wird.»

Das rund 120 Quadratmeter grosse Lokal überrascht die Besucher mit Industriecharme. Das liegt an der Umgebung, die einen grünen Innenhof auf der einen und Werkgleise auf der ande­ren Seite zu bieten hat. Und am Konzept als Werkstattladen. Die Übergänge zwischen Verkaufs­fläche, Atelier und so weiter sind fliessend. Man kann Suter und seinen Mitarbeitern also gut über die Schulter schauen.

Simon Bordier

stadt@luzernerzeitung.ch


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