Aus Studentenheim wird wieder Hotel

GASTGEWERBE ⋅ Im «Central» gehen seit einem Monat Touristen ein und aus. Der neue Betreiber setzt auf Individualreisende – Gruppen werden keine angenommen.
22. April 2017, 00:00

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Eigentlich sollte es ein Palazzo im südlichen Italien sein. Doch als sich die Chance für die Übernahme des Hotels Central an der Morgartenstrasse ergab, hat er die Palazzo-Idee nach hinten gestellt und wurde in der Stadt Luzern aktiv. Die Rede ist von Stefan Odermatt (53), der seit gut einem Monat mit seinem Team das Traditionshaus «Central» führt. «Es handelt sich um einen Hotelbetrieb mit einem Bed&Breakfast-Konzept, unser Slogan lautet ‹Angekommen daheim›», sagt Odermatt.

Blickt man auf die weltweit operierende Online-Plattform «Airbnb», ist das offensichtlich ein Übernachtungsmodell, das im Trend liegt. «Immer mehr Reisende ziehen eine private Atmosphäre der klassischen Hotellerie vor. Das inspirierte mich zu unserem Hotelkonzept. Es entspricht dem Zeitgeist.» Ein echtes Bed&Breakfast ist das «Central» aber nicht. Dafür müsste der Gastgeber im selben Gebäude wohnen, wie Urs Renggli, Chef Gast- und Gewerbepolizei Luzern, auf Anfrage ausführt. Wie bei klassischen Bed&Breakfast-Häusern betreibt auch Odermatt kein eigenes Restaurant. Im Erdgeschoss befindet sich zwar das «Dean & David», dieses wird aber von einer internationalen Kette betrieben.

Das «Central» wurde 1910 erbaut. Das Haus war zuletzt jedoch weniger bekannt als Hotel – es beherbergte über Jahre Studenten einer internationalen Hotelfachschule. Nun ist es wieder für Touristen geöffnet. Der Betrieb sei gut angelaufen, so Odermatt: «An Ostern waren wir total ausgebucht, und sonst haben wir eine gute Auslastung.» Die «Central»-Gäste seien Individualtouristen, Geschäftsleute oder Familien aus der Schweiz und dem Ausland, grosse Gruppen werden keine angenommen. Das Haus verfügt über 34 Zimmer, vom Einzel- über das Doppel- bis hin zum Familienzimmer. Die Preise verstehen sich inklusive Frühstück pro Zimmer und liegen zwischen 140 und 300 Franken. Das Zentrum des Hauses ist die Lounge. Auf metergrossen Kunstbildern in den Zimmern wird die Stadt Luzern um 1900 gezeigt. «Dazu stöberten wir im Staatsarchiv. Fünf Bilder liessen wir dann auf Metall aufziehen. Ein Hingucker, der zum Verweilen animiert.» In der Lounge können die Gäste frühstücken oder etwas trinken. Ein Konsumationszwang wie etwa in einer Hotelbar besteht hier nicht.

Ehemaliger Marketingleiter der Pilatus-Bahnen

Odermatt sagt von sich selbst, er sei ein Touristiker, aber kein Hotelier. Er hat seine Erfahrungen unter anderem als Marketingleiter bei den Pilatus-Bahnen und als Inhaber einer Reiseagentur gemacht. Auf Reisen habe er Konzepte kennen gelernt, die ihn inspiriert hätten. «In dieser Zeit pflegte ich viele Kontakte zur hiesigen Hotellerie», sagt er. Unter anderem lernte er «Central»-Besitzer Vassily Tsakmaklis kennen. Dies habe ihm auch den Weg ins Hotel geebnet.

Odermatt führt das «Central» mit seiner Frau und drei weiteren Einheimischen aus der Touristik- und der Gastrobranche. «Es ist uns wichtig, dass Luzerner bei uns arbeiten, und es war nicht schwierig, Schweizer Mitarbeiter für unsere Idee zu gewinnen.»


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