Definitiv keine Auktionen mehr in Luzern

GALERIE FISCHER ⋅ Luzern ist für den Kunsthandel nicht mehr attraktiv genug. Deshalb verkauft Fischer den Sitz an der Haldenstrasse.

11. März 2017, 00:00

Der Schritt hat sich schon länger abgezeichnet: Bereits im vergangenen Sommer gab die Galerie Fischer in Luzern bekannt, dass sie bis auf weiteres keine Kunstauktionen mehr durchführen werde. Stattdessen wolle man sich auf den privaten Kunsthandel konzentrieren, bei dem die Geschäfte jeweils individuell mit interessierten Kunden abgewickelt werden. Gestern hat das Luzerner Traditionshaus mitgeteilt, dass man sich endgültig aus der Auktionstätigkeit in Luzern zurückziehen werde. Das repräsentative Gebäude an der Haldenstrasse 19 sei bereits verkauft worden.

Galerie-Inhaber Kuno Fischer sagt zwar, es sei nicht auszuschliessen, dass man irgendwann wieder Auktionen durchführen werde – «mit ziemlicher Sicherheit aber nicht in Luzern, sondern da, wo es ein internationales Publikum für Kunstkäufe gibt». Das bedeutet: Fischer will seine Aktivitäten künftig auf die grossen Zentren Paris, London, New York und Hongkong konzentrieren. In Luzern hingegen sei es in den letzten Jahren zunehmend schwierig geworden, ein geeignetes Publikum anzulocken.

Die Galerie Fischer wird als Firma weiterhin bestehen bleiben, Kuno Fischer bleibt auch in Luzern wohnhaft und wird von hier aus seine weltweiten Aktivitäten koordinieren. So kuratierte er etwa eine kürzlich eröffnete Ausstellung im Moskauer Haus der Fotografie. Zudem berät er interessierte Kunden und vertritt Sammler an internationalen Auktionen.

Eine Folge der Marktentwicklung

Kuno Fischer erklärt weiter, der Schritt sei «eine logische Konsequenz aus der Marktentwicklung der vergangenen Jahre». Nicht nur werde der Kunsthandel zunehmend international, auch die Nachfrage habe sich stark verändert. So erzielen gemäss Fischer ausgewählte Werke der modernen und zeitgenössischen Kunst teilweise sehr hohe Preise. Möbel und Stiche, aber auch Werke regionaler Künstler des 19. Jahrhunderts seien hingegen immer weniger gefragt. «Daran wird sich zumindest mittelfristig nichts ändern», so Fischer.

Die Galerie Fischer wurde 1907 von Theodor Fischer, dem Grossvater des heutigen Geschäftsführers Kuno Fischer, gegründet. Aufsehen erregte eine Auktion im Jahr 1939, als sogenannte entartete Kunst aus deutschen Museen versteigert wurde.

Das Galerie-Gebäude an der Haldenstrasse wurde an die Lindenpark AG in Meggen verkauft. Die Übergabe ist auf Ende Mai geplant. Verwaltungsrat der Lindenpark AG ist unter anderen der Luzerner Franz Glanzmann. Was nach dem Auszug der Galerie Fischer Mitte dieses Jahres mit dem Gebäude geschieht, ist gemäss Glanzmann noch offen. «Es ist eine spezielle Liegenschaft, es sind vielfältige Nutzungen möglich.» Denkbar wäre gar, das Gebäude auf das Niveau der angrenzenden Häuser zu erhöhen: «Das müsste aber mit der Denkmalpflege abgesprochen werden.» Die Lindenpark AG besitzt diverse Liegenschaften in Bern, aber auch in Luzern. Franz Glanzmann selber ist seit mehr als zwanzig Jahren im Immobilienbusiness tätig. Die Weiterentwicklung des «Union»-Gebäudes ist eines seiner bekanntesten Projekte. In seinem Besitz war einst auch das Château Gütsch. (rk/hb)


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