Dierikon muss den Takt angeben

FUSION ⋅ Das Dierikoner Stimmvolk entscheidet erst im Mai 2017 über Fusionsabklärungen mit anderen Gemeinden. Root zeigt sich offen – und freut sich über die Initiative aus der kleineren Gemeinde.
11. Oktober 2016, 00:00

Soll Dierikon eigenständig bleiben? Oder eine Fusion mit Ebikon oder Root prüfen? Diese Fragen stehen seit Ende September im Raum. Damals hat die Dierikoner FDP eine Initiative eingereicht, die Fusionsabklärungen verlangt. Nun ist klar: Die Dierikoner können noch nicht in diesem Jahr über die Initiative entscheiden. Dies bestätigt Gemeindepräsident Max Hess auf Anfrage unserer Zeitung: «Die Sammelfrist läuft am 20. Oktober ab. Danach beginnt die 20-tägige Einsprachefrist zu laufen, die wir abwarten müssen. Erst danach können wir die Initiative für die Gemeindeversammlung traktandieren.» Für die Gemeindeversammlung am 13. Dezember reiche die Zeit nicht mehr. «Wir haben deshalb beschlossen, die Initiative für die Gemeindeversammlung vom 17. Mai 2017 zu traktandieren. Dass es nicht mehr für diesen Dezember reicht, haben wir dem Initiativkomitee bereits vor langer Zeit mitgeteilt», so Hess weiter. «Die Fristen sind gesetzlich vorgegeben, darauf können wir keinen Einfluss nehmen.»

Wie der Gemeinderat zur Initiative steht – ob er Fusionsabklärungen befürwortet oder nicht –, hat er noch nicht beschlossen. Klar ist aber: Bis jetzt hat er dafür noch keine dringende Notwendigkeit gesehen, sonst hätte er den Prozess von sich aus gestartet. Die FDP begründet die Initiative damit, dass die finanzielle Lage der Gemeinde angespannt sei. Max Hess sieht dies jedoch anders. «Aufgrund der geplanten Bauprojekte dürfte die Zahl der Einwohner in den nächsten Jahren um rund 50 Prozent wachsen. Das bringt erhebliche Mehreinnahmen mit sich. Die Ausgaben hingegen dürften nur unwesentlich steigen», führt Hess aus. Er begründet dies damit, dass die Infrastruktur in einem guten Zustand und auf eine höhere Einwohnerzahl ausgelegt sei. Als Beispiel nennt er die Schule: Hier sollte aktuell weder ein Ausbau noch die Einstellung zusätzlicher Lehrpersonen nötig sein. Hess sagt zuversichtlich: «Die Zahlen in unserem Finanzplan sind dunkelgrün.» Trotzdem gibt es im Rontal verschiedene Kooperationen zwischen den Gemeinden. So sind das operative Sozialamt und das Bauamt Dierikons ausgelagert, die Musikschulen im Rontal fusionieren, und weitere Synergien werden laufend geprüft.

Root ist offen für Diskussion

«Wir sind gemäss unserer Gemeindestrategie offen, über eine gemeinsame Zukunft zu diskutieren», sagt Heinz Schumacher, Gemeindepräsident von Root (FDP). «Das könnte laut Strategie eine engere Zusammenarbeit oder eine mögliche Fusion sein.» Dieser Prozess müsse aber von aussen angestossen werden, der Rooter Gemeinderat suche nicht aktiv nach möglichen Fusionspartnern. Gewisse Gemeinsamkeiten haben Root und Dierikon schon heute. So etwa in der Schule: In Root gibt es ein gemeinsames Oberstufenzentrum. Zudem arbeiten die Exekutiven im Rontal bei gemeindeübergreifenden Themen innerhalb von Luzern Ost schon heute eng zusammen.

Ist eine Fusion mit Dierikon aus Rooter Sicht überhaupt interessant? Dierikon zählt rund 1500 Einwohner, Root rund 4700. Der Steuerfuss liegt in beiden Gemeinden bei 1,95 Einheiten. Doch der Grund für die Fusionsabklärungen müsste skeptisch stimmen: Die FDP begründet ihre Initiative mit der Finanzlage Dierikons. «Ich habe noch nicht abgeklärt, ob Dierikon eine ‹interessante Braut› ist und wie die beiden Gemeinden zusammenpassen würden», sagt Schumacher. Auch hätten noch keine Gespräche mit dem Dierikoner Gemeinderat stattgefunden.

Es sei auf jeden Fall richtig, dass der Fusionsprozess von Dierikon – und damit von der kleineren Gemeinde – angestossen werde, sagt Heinz Schumacher. Er vergleicht dies mit Firmenfusionen. «Würde der Prozess von der grösseren Gemeinde angestossen werden, könnte der Eindruck entstehen, dass die kleinere Gemeinde einfach einverleibt wird. Dies würde wohl sofort eine Abwehrhaltung auslösen.»

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch


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