Dierikon verliert Guuggenmusig

FASNACHT ⋅ Die Schlitzäugler sind so wenige, dass sie weder die Dierikoner Fasnacht organisieren noch als Guuggenmusig auftreten können. Für die Fasnacht wurde nun eine Lösung gefunden.

13. Oktober 2016, 00:00

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Die kleine Gemeinde Dierikon im Rontal ist stolz auf ihre Fasnacht. Traditionsgemäss findet die sogenannte Dörfli-Fasnacht am Sonntag vor dem Schmutzigen Donnerstag statt. 2017 wird dies der 19. Februar sein. Doch eine Weile war nicht sicher, ob die Fasnacht in Dierikon nächstes Jahr überhaupt stattfindet. Denn die Guuggenmusig Schlitzäugler, die bisher Umzug und Fest organisiert hat, kämpft mit Mitgliederschwund. «Wir haben aktuell noch neun Mitglieder», sagt Schlitzäugler-Präsident Urs Ruckstuhl. «Mit so wenigen Leuten können wir die Fasnacht nicht mehr stemmen.» Auch als Guuggenmusig aufzutreten, das liege nicht mehr drin. Aus diesem Grund konzentrieren sich die Schlitzäugler an der kommenden Fasnacht aufs Wagenbauen. «Wir hoffen, dass wir wieder mehr Mitglieder gewinnen können, zwölf bis fünfzehn wären schön», so Ruckstuhl.

Doch die Dierikoner müssen nicht um ihre Fasnacht bangen. «Da die Schlitzäugler nicht mehr genügend Leute haben, um die Dörfli-Fasnacht zu organisieren, haben wir von der Zunft entschieden, in die Bresche zu springen», sagt Moritz Camenisch, ehemaliger Präsident der Dörfli-Zunft und designierter Zunftmeister. «Wir haben mit 32 Mitgliedern noch genügend Leute, die anpacken können.» Am Inhalt der Dörfli-Fasnacht werde sich nichts ändern. «Wir wollen sie genauso durchführen wie in den anderen Jahren. Deshalb sind wir froh, dass wir das Know-how von den Schlitzäuglern übernehmen können», so Camenisch. Deshalb ist auch deren Präsident, Urs Ruckstuhl, im Zunftrat dabei.

Auch die Dörfli-Zunft ist auf der Suche nach Neumitgliedern. Camenisch: «Unser Ziel bis nach der Fasnacht sind 40 Mitglieder.» Neben der Dierikoner Fasnacht organisiert die Dörfli-Zunft auch die «Dieriker Chilbi», die am kommenden Sonntag stattfindet. Daneben ist die ­Inthronisation des Zunftmeisters ein fester Termin im Zunftkalender. Am 8. Januar 2017 findet diese erstmals an einem Sonntag im Rahmen eines öffentlichen Brunchs statt – und nicht wie bisher am Samstagabend.

Dass die Guuggenmusig Schlitzäugler heute ums Überleben kämpft, das hätte vor rund zehn Jahren noch niemand gedacht. Damals – zu den Spitzenzeiten der 1973 gegründeten Schlitzäugler – zählte die einzige Dierikoner Guuggenmusig noch rund 45 Mitglieder. Doch dann ging es rapide bergab: Vor drei Jahren waren es rund 20 Mitglieder, jetzt sind es noch 9. «Viele sind weggezogen oder konnten wegen Ausbildung oder Beruf nicht mehr mitmachen», sagt Urs Ruckstuhl. Es habe auch ein Generationenwechsel stattgefunden. Die heutige Jugend sei nicht mehr so vereinsorientiert, glaubt Ruckstuhl. «Aber an der Stimmung hat es sicher nicht gelegen», ist er überzeugt.

«Wir sind zu nah an Luzern»

Die Schlitzäugler sind aber nicht die einzige Guuggenmusig, die mit schwindenden Mitgliederzahlen kämpft. Auch die Mölibachgeischter aus Adligenswil zählen gemäss ihrer Webseite nur noch 15 Mitglieder. Davon pausieren allerdings fünf. Mölibachgeischter und Schlitzäugler haben letztes Jahr zusammen geprobt und gespielt – damit es in der Luzerner Altstadt nach mehr klingt. Wären das nicht die besten Voraussetzungen für eine Guuggenmusig-Fusion? «Bis jetzt war das kein Thema», sagt Urs Ruckstuhl.

Auch laut Pirmin von Burg, Vizepräsident der Mölibachgeischter, stand eine Fusion nie zur Debatte. «Da steht der Vereinsstolz im Weg.» Die zehn Mölibachgeischter werden die kommende Fasnacht allein bestreiten. Von Burg hat eine einfache Erklärung für den Mitgliederschwund in Agglo-Guuggenmusigen: «Wir sind zu nah an ­Luzern.» Viele Adligenswiler würden sich einer Guuggenmusig in der Stadt anschliessen. Das geschehe auch bei Guuggen­musigen, die vom Aussterben bedroht sind: «Die Mitglieder wechseln zu den Grossen, statt zu kämpfen.» Trotzdem ist Pirmin von Burg überzeugt: «Solange der harte Kern bereit ist, mitzumachen, wird es die Mölibachgeischter geben.»

«Mit neun Mitgliedern können wir die Fasnacht nicht mehr stemmen.»

Urs Ruckstuhl

Präsident Schlitzäugler


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