Freie Kulturszene erobert das Luzerner Theater

THEATERCLUB ⋅ Freie und etablierte Kunst spannen vermehrt zusammen, auch am Theaterclub-Fest – mit witzigen Darbietungen.

12. Oktober 2016, 00:00

Wer das innen völlig neu gestaltete Luzerner Theater noch nicht besucht hat, ist selber schuld. Schauspieler und Sänger aus anderer Perspektive zu erleben, inklusive Blick auf die Bühnentechnik, das ist ungewohnt und toll. Bis kommenden Sonntag hat man dafür noch Gelegenheit; danach wird der provisorische Zuschauerraum – nach dem Vorbild des früheren berühmten Shakespeare-«Globe»-Theaters in London – wieder rückgebaut. Am Montagabend nutzte der Theaterclub Luzern die «Globe»-Bühne für sein Club-Fest – mit allerlei wunderlich-wunderbaren, ergötzenden und erbauenden kulturellen Darbietungen.

Da rennen etwa zwei seltsame Typen wie von der Tarantel gestochen herum, rutschen auf einer liegen gelassenen Banane aus, zerren einen Tisch hervor. Zwei weitere Darsteller gesellen sich dazu, der eine mit Bart und pinken Stöckelschuhen, und beginnen zu konversieren – ab Blatt. Wie sich bald zeigt, ist es die berühmte Laienschauspieler-Szene aus Shakespeares «Sommernachtstraum» mit Pyramus und Thisbe (ja genau, der pink daherstöckelnde Kerl). Ungehobelt-schräg, aber geradezu genial auf die Situation abgestimmt ist es, was die Truppe um den Luzerner Regisseur Damian Dlaboha zeigt. Anstatt wie bei Shakespeare vor dem antiken Herzog von Athen lässt Dlaboha die Szene vor Luzerns neuem Theaterdirektor spielen – und vor den «hochwürdigen kulturellen Entscheidungsträgern Luzerns da oben in den Rängen». In der Hoffnung, dass Letztere der in Luzern spürbaren kulturellen Aufbruchsstimmung endlich Rechnung tragen? Trotz Nein zur Salle Modulable?

«Neue Räume» lautet das Motto der ersten Saison unter dem neuen Theaterdirektor Benedikt von Peter. Wichtig ist ihm die Zusammenarbeit mit anderen Kulturträgern, insbesondere der freien Kulturszene. Das Theaterclub-Fest ist ein schönes Zeichen dafür. Da gibts auch eine mitreissende Darbietung der Luzerner Spoken-Word-Performerin Noemi Wyrsch. Sie erzählt auf Schweizerdeutsch das Märchen von den «Kulturtierli im Gütschwald» – ebenfalls eine witzige Anspielung auf finanzielle und sonstige Ängste in Luzerns Kulturszene. Da wimmelt es von «Frei-Hörnli», «Elit-Bäre» und «Konsum-Änte». Vom Verlassen von alten Trampelpfaden ist die Rede und vom KKL als «Konscht- ond-Kultur-Liechtig».

Schräge Blasmusik und «Alice in Wonderland»

Acht Blasmusik-Studenten der Klassik-Abteilung der Hoch­schule Luzern – Musik spielen wunderbar schräg arrangierte Schweizer Volkslieder. Die Luzerner Sopranistin Maja Bader und vier Master-Absolventen der Hochschule Luzern – Musik zeigen Nummern aus dem Musical «Alice in Wonderland» – eine rasante, farbenprächtige Inszenierung, in der speziellen «Globe»-Raumarchitektur – akustisch leider nicht immer voll verständlich.

Der 1938 gegründete und heute von Philipp Zingg geleitete Theaterclub Luzern unterstützt das Luzerner Theater, das Kleintheater und weitere Kulturinstitutionen ideell und finanziell. Er organisiert auch Theater- und Kulturreisen für seine Mitglieder.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Hinweis

www.theaterclub-luzern.ch

In der Performance von Noemi Wyrsch wimmelt es von «Frei-Hörnli», «Elit-Bäre» und «Konsum-Änte».


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