Freikarten – Gratiseintritte «mit Gegenleistung»

BESUCHERZAHL ⋅
20. April 2017, 00:00

Besucherzahl Die Frage der Freikarten bewegt die Gemüter. Werden sie zur Gesamtbesucherzahl gerechnet? Und wer erhält solche Karten? Unter Theater­direktorin Barbara Mundel (1990–2004) wurde der Anteil Freikarten in den Jahresrechnungen nebst der Gesamtbelegung explizit ausgewiesen – offiziell als Gesamtbesucherzahl wurden aber nur die verkauften Karten kommuniziert. Auch unter Mundels Nachfolger Dominique Mentha (2004–2016) wurden die Freikarten zunächst separat ausgewiesen. Ab 2008/09 wurden sie aber mit den Bezahlkarten zur «Totalbelegung» zusammengezählt; und seit 2010/11 wurden sie gar nicht mehr separat ausgewiesen, sondern zusammen mit den Bezahlkarten nur noch als Gesamtzahl kommuniziert. Die Gesamtbesucherzahl hat Auswirkungen auf die Platzausnutzung (Anzahl belegter Plätze im Verhältnis zur Anzahl verfügbarer Plätze). Dazu kommt, dass die Zuschauerkapazität im grossen Haus des Luzerner Theaters im Lauf der letzten Jahre reduziert wurde. Einst waren es 555 Plätze. 2012 kam die neue Bestuhlung. Seither sind es 481 Plätze.

Das zeigt, wie schwierig ein Vergleich etwa zwischen der Ära Mundel und der Ära Mentha ist – unter anderem auch wegen der oft unterschiedlichen Anzahl effektiv gespielter Vorstellungen. Den Vorwurf fehlender Transparenz weist Adrian Balmer, Verwaltungsdirektor des Luzerner Theaters, entschieden zurück: «Wir haben eine sehr trans­parente Belegungsstatistik und Rechnungslegung.»

Entscheidende Grösse: «Anzahl Köpfe im Theater»

Anders als etwa das Luzerner Sinfonieorchester oder das Lucerne Festival hat das Luzerner Theater Freikarten früher detailliert ausgewiesen. Doch seit dem Jahr 2005 sei die Veröffentlichung der Besucherzahlen dem Leistungsauftrag folgend «der Praxis anderer regionaler, nationaler und internationaler Kultur­institutionen angepasst worden».

Was die Freikarten betrifft, hat Balmer eine dezidierte Meinung: «Die entscheidende Grösse für mich ist die Anzahl Köpfe im Theater.» Freikarten seien zudem nicht einfach Gratiseintritte ohne Gegenleistung. Balmer verweist auf das Sponsoring: «Dieses macht heute mehr als einen Viertel der selber erwirtschafteten Einnahmen des Luzerner Theaters aus.» Dass Sponsoren je nach Engagement ein gewisses Kontingent Freikarten erhalten, sei selbstverständlich «und somit direkt auch mit einer finanziellen Leistung verbunden». Auch Freikarten für Medienvertreter und Stiftungsratsmitglieder seien mit einer direkten Gegenleistung verbunden. Das gelte auch für ermässigte Tickets für Mitarbeiter des Theaters. «Heutige Theater haben sich zu ganz normalen KMU entwickelt», sagt Verwaltungsdirektor Balmer. «Das bedeutet auch, dass das alte starre Finanzgefüge ausgedient hat.» Eine der grössten Herausforderungen des Luzerner Theaters sei heute die unterschiedliche Qualität der Sitzplätze im alten Haus an der Reuss: Die billigsten Plätze würden zirka viermal weniger kosten als die teuersten Plätze. In modernen Theatern wie Basel und St.Gallen mit entsprechend sehr guten Sichtverhältnissen liege das Verhältnis bei eins zu zwei. «Das versuchen wir mit spannenden, aber teils auch sehr aufwendigen Produktionen auf Aussenspielstätten wettzumachen. Das wieder­um ist nur dank grosszügiger Sponsoren möglich.» (hb)


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