Für einmal Übergabe statt Auflösung

LUZERN ⋅ Win-win-Situation für das Schreibwarengeschäft Cartolina: Der bisherige Betreiber will altershalber aufhören, sein Nachfolger will altershalber eine Neuorientierung.

11. März 2017, 00:00

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Das Schreibwarengeschäft Cartolina an der Pilatusstrasse kommt in neue Hände. Charles Nichele geht nach 35 Jahren Selbstständigkeit in den späten Ruhestand. Sein Nachfolger wird Richard A. Fries (59), der die letzten acht Jahre im Restaurant Da Ernesto am Rathausquai als Geschäftsführer tätig war. Die Übergabe findet am 1. Mai statt.

«Letzten Herbst erzählte ich Herrn Fries, dass ich kürzertreten und das Geschäft auf den Frühling verkaufen wolle. Dies, weil es keine familieninterne Lösung gibt», sagt Charles Nichele. So tat sich für Richard A. Fries eine neue Möglichkeit auf: «Ich wollte nochmals etwas anderes als Gastgeber sein. Der Laden ist einzigartig und der Zeitpunkt ideal. Also sagte ich zu», schildert Fries. Nun wird der Gastronom als Quereinsteiger «ennet» der Reuss anstatt Gäste im «Da Ernesto» Kunden im Cartolina bedienen.

Optimale Lage und genügend Parkplätze

Der Vertrag dauert vorerst zehn Jahre, die vier Fachangestellten – die übrigens bereits zwischen sieben und siebzehn Jahren im Geschäft sind – werden alle übernommen. Charles Nichele wird seinem Nachfolger zudem mit Rat und Tat beim Einkauf zur Seite stehen. Eine Win-win-Situation für alle, wie sie betonen.

Angefangen hatte Charles Nichele einst als Aussendienstler in der Papierbranche, wie er erzählt. Dann, im Jahr 1982, eröffnete er die Hertenstein-Papeterie, in der, wie er sagt, unter anderem auch das klassische Büroartikelsortiment zu haben war. Dieses Geschäft führte er zehn Jahre. Charles Nichele: «Das klassische Büroartikelgeschäft war damals schon hart. Und heute geht das gar nicht mehr. Discounter und Versandhandel lassen keine lukrative Marge mehr zu. Ich musste mir also für das Cartolina etwas Spezielles ausdenken.»

Der Name ist Programm: Er setzte auf exklusive Geschenkartikel und auf ein grosses Kartensortiment. Das Sortiment umfasst zudem auch Kleinmöbel, Verpackungen und Bildkalender. Wer kauft denn heute im Zeitalter von iPad und Smartphone noch Kalender? Da könnte man sich täuschen, meint Charles Nichele. «Bereits im August kommen jene für das Jahr 2018. Vom letzten Jahr habe ich noch fünf Stück», sagt er und lacht über das ganze Gesicht: «In meinem Geschäft kauft man alles, was Freude macht.»

Ein Riesenvorteil seien die 60 Laufmeter Schaufenster. Da sehe die Kundschaft bereits von aussen, was drinnen zu haben sei. «Zudem ist im Haus eine Tiefgarage. Und damit haben wir kein Parkplatzproblem», so Charles Nichele. Das Haus gehört der Luzerner Kantonalbank. Gab es Vorgaben für die Nachfolge? «Mir wurde gesagt, dass sie ein Geschäft, wie es jetzt ist, bevorzugen.» Somit war klar, dass weder ein Kleider-, Uhren- noch ein Schuhgeschäft einzieht.

Über die Miete für das knapp 200 Quadratmeter grosse Geschäft oder den Umsatz spricht Charles Nichele nicht. «Ich konnte die letzten 25 Jahre dank meiner treuer Kundschaft gut und zufrieden leben.» Auf weiterhin treue Kundschaft hofft natürlich auch Richard A. Fries.

Für das Restaurant Da Ernes­to ist die Nachfolge auch schon geregelt: Es wird von David Koncny weitergeführt. Der 38-jährige Tscheche war bereits vor sechs Jahren im Betrieb als Assistent tätig.

«Der Laden ist einzigartig und der Zeitpunkt ideal.»

Richard A. Fries

Gastronom und Quereinsteiger


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