Hier lauern neue Gefahren

VERKEHR ⋅ Mit dem neuen Veloweg zwischen Luzern und Kriens sind unübersichtliche Stellen entstanden. Pro Velo verlangt nun Verbesserungen – und will dafür auch einen Strassenabschnitt sperren.
21. April 2017, 00:00

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Am 13. Mai will die Stadt zusammen mit den Velofahrern das ­Velofest feiern. Es geht um den neuen Veloweg, der letzten Dezember zwischen Neubad und Mattenhof eröffnet wurde. Dieser führt zu einer direkteren und sichereren Verbindung zwischen Luzern und Kriens, was Pro Velo Luzern ausdrücklich lobt. Doch die Freude der Velofahrer über den knapp 2 Kilometer langen Weg ist getrübt, weil neue gefährliche Stellen geschaffen wurden. Diese befinden sich quasi am Eingangstor zum Veloweg (siehe Bilder und Grafik). Den Radlern ein Dorn im Auge sind drei Kreuzungen: jene beim Sternmattweg, bei der Moosmattstrasse und bei der Horwerstrasse.

An der Horwerstrasse hat die Stadt die Situation inzwischen entschärft. Auf beiden Seiten der Hauptstrasse wurden Verengungen installiert, sodass Velofahrer abbremsen müssen. Gerade für Velos mit Anhängern würden diese aber ein Hindernis darstellen, kritisiert Nico van der Heiden, Co-Präsident von Pro Velo Luzern. Die Velos würden nun einfach auf den Fussweg ausweichen. «Das ist eine Verschlimmbesserung, für die wir kein Verständnis haben.» Martin Urwyler, Projektleiter Mobilität bei der Stadt Luzern, lässt die Kritik nicht gelten: «Die Schranken sind problemlos passierbar. Das haben wir mit verschiedenen Velos– auch mit Anhänger und Lastenvelos – getestet.» Deshalb würden die Schranken fix installiert.

Pro Velo: Autofahrer sind verunsichert

Umstrittener ist die Kreuzung Moosmattstrasse. Die Fahrbahn wurde im Bereich des Velowegs erhöht, sodass die Zweiräder nicht über die Randsteine holpern müssen. Velos haben aber keinen Vortritt. Dies sei auf dem Veloweg zwar klar signalisiert, so van der Heiden. Er stellt aber fest, dass Autofahrer verunsichert seien. Hinzu kommt, dass bei der Kreuzung Moosmattstrasse/Eschenstrasse der Fussgängerstreifen aufgehoben wurde. Diesen Weg benützen Kinder, die ins Moosmattschulhaus gehen. Besorgte Eltern kritisieren nun, der Schulweg sei gefährlicher geworden. Und mit der zusätzlichen Achse, dem Veloweg, sei die Kreuzung noch komplexer geworden. Auch Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins Hirschmatt-Neustadt, ist mit der Situation nicht zufrieden. «Die Kreuzung wurde unübersichtlicher. Es ist nicht in unserem Sinn, dass Fussgängerstreifen aufgehoben werden.» Er fordert, dass diese wieder angebracht werden oder dass die Stadt eine andere, sicherere Lösung findet. Nico van der Heiden schlägt vor, die Moosmatt­strasse auf dem Abschnitt zwischen Eschen- und Voltastrasse für Autos zu sperren. «Für die Erschliessung des Quartiers braucht es diesen Abschnitt nicht.» Via Bir­egg- und Sternmattstrasse sei das Quartier gut erreichbar.

Bei der Stadt sieht man hingegen keinen Handlungsbedarf. Die Vortrittsverhältnisse seien klar signalisiert, so Martin Urwyler. Er sagt zudem, dass sich der Abschnitt in einer Tempo-30-Zone befindet. «Fussgängerstreifen sind nicht per se sicher.» Durch die Umgestaltung sei die Kreuzung Moosmatt-/Eschenstrasse übersichtlicher und die Querungsdistanz für Fussgänger kleiner geworden. Urwyler verteidigt auch die Strassenquerung des neuen Velowegs, die zu Verunsicherung führt: «Falls Autofahrer nicht sicher sind, wer Vortritt hat, schadet das nicht, sondern führt dazu, dass alle vorsichtiger fahren.»

Quartier ist gegen Strassensperrung

Skeptisch ist Urwyler gegenüber dem Vorschlag von Pro Velo, einen Abschnitt der Moosmatt­strasse für Autos zu sperren. Es handle sich um eine wichtige Quartiererschliessungsstrasse. Zudem seien die Bleicher- und die Bireggstrasse in den Spitzenstunden stark belastet. «Eine allfällige Sperrung des Abschnitts und deren Auswirkungen auf das benachbarte Strassennetz müsste man sehr genau anschauen.» In die Abklärungen müsste auch der Quartierverein mit einbezogen werden. Dieser ist, ebenso wie der TCS, Sektion Waldstätte, nicht begeistert von der Idee.

«Nicht geglückt» ist aus der Sicht von Pro Velo auch der Anfang des Velowegs an der Sternmatt­strasse. Die Kreuzung sei schon bisher komplex gewesen, auch wegen der Parkplätze entlang der Bir­eggstrasse. Nun ist mit dem Veloweg noch eine weitere Einmündung hinzugekommen. Viele Velos fahren gar nicht erst bis zum Ende des Wegs, wenn sie in die Innenstadt fahren wollen. Sie wechseln auf der Höhe des Neubads auf die Eschenstrasse. Laut Martin Urwyler ist dies so gewollt, auf eine Signalisierung verzichtet die Stadt aber. «Das spielt sich mit der Zeit ein. Die Velofahrer wählen jenen Weg, der ihnen am besten passt», sagt er dazu.

Schulthess vom Quartierverein ist enttäuscht von der Gestaltung des Velowegs zwischen Sternmatt- und Moosmattstrasse: «Das Projekt wurde uninspiriert ohne grossen gestalterischen Willen umgesetzt.» Das Quartier wünscht sich, dass der Raum entlang der Eschenstrasse aufgewertet wird. Laut Urwyler ist dies geplant. Die Fläche zwischen Veloweg und Strasse werde noch begrünt. Auch soll es dort die Möglichkeit einer Zwischennutzung geben – bis die Feuerwehr ihren neuen Standort an der Industriestrasse bezieht.

«Falls Autofahrer nicht sicher sind, wer Vortritt hat, schadet das nicht.»

Martin Urwyler

Projektleiter Mobilität der Stadt Luzern


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