Hommage an Schweizer Boliden

MUSEUM ⋅ Das Verkehrshaus hat die Halle Strassenverkehr neu gestaltet. Im Fokus steht dabei unter anderem die überraschend grosse hiesige Automobilindustrie. Ausserdem erhält Luzern ein zweites Spiegellabyrinth.
13. April 2017, 00:00

Hannes Bucher

stadt@luzernerzeitung.ch

Kutschen, imposante Karossen, Velos und auch ein Hybrid-Postauto – bei der Neugestaltung der Halle Strassenverkehr hat sich das Verkehrshaus das Ziel gesetzt, sämtliche Facetten der Mobilität auf der Strasse zu präsentieren. Gestern wurde die Ausstellung eröffnet – Ehrengast war der ehemalige Formel-1-Teamchef Peter Sauber.

Das Vorhaben, sämtliche Aspekte zu berücksichtigen, birgt jedoch das Risiko, die Besucher mit Informationen zu erschlagen. Es sei vorweggenommen: In der neu gestalteten Halle erhält man die Welt der Mobilität und ihre rasante Entwicklung wohldosiert vorgeführt. Die Ausstellungsmacher sind nicht der Gefahr erlegen, eine Überzahl an Exponaten zu präsentieren. Und: Die Ausstellung lebt – sie ist informativ und auch sinnlich.

Bis zu 40 Schweizer Automobilhersteller

Da bleibt der Besucher etwa überrascht vor den Originalfahrzeugen einstiger Schweizer Automobilhersteller stehen. Dort erfährt man, dass bald nach der Patentierung des Motorwagens Anfang des 20.Jahrhunderts bis zu 40 Schweizer Automarken entstanden sind. Diese existieren heute nicht mehr – in der Automobilindustrie spielt unser Land aber nach wie vor eine wichtige Rolle: «Als Autozulieferer ist die Schweiz fast in jedem Fahrzeug weltweit präsent», sagt Olivier Burger, Leiter Kommunikation beim Verkehrshaus. Als Beispiel dafür enthält die Ausstellung ­einen Kabelroboter der Zuliefererindustrie, der jedem Besucher sein eigenes Armband erstellt.

Ein besonderer Fokus ist auf den letzten Schweizer Autobauer gerichtet: Peter Monteverdi, der 1967 die Automobile Monteverdi AG gründete. Diese produzierte bis 1982 Fahrzeuge «made in Switzerland». Das Verkehrshaus präsentiert prächtige Rennwagen oder Sport- und Tourenwagen, die aufzeigen, auf welchem ästhetischen und technischen Niveau der legendäre Autobauer sich bewegt hat. Mit dabei ist auch ein geländegängiges Fahrzeug – ein Vorgänger der heutigen SUV-Fahrzeuge.

Das neue Zwischengeschoss der Halle ist dem 200-Jahr-Jubiläum des Velos gewidmet, welches ­dieses Jahr begangen wird. Die Zwei- und Dreiradausstellung wurde aus diesem Anlass mit Spezialkonstruktionen aus der Geschichte des Fahrrades ergänzt – darunter etwa Velos aus un­gewohnten Materialien wie Kunststoff oder Karbon. Weiter werden unter anderem ein Faltbike mit Elektroantrieb oder ein Klappvelo gezeigt. Fürs Gemüt darf der Besucher ein Erinnerungsfoto auf einem historischen Hochrad knipsen. Weiter enthält die Halle eine Themeninsel mit Objekten aus der vormotorisierten Zeit wie einer Sänfte oder einer Postkutsche. Den abrupten Schnitt zur Moderne macht das Hybrid-Postauto daneben.

Eine weitere Attraktion ist das Spiegellabyrinth «See you» der Beratungsstelle für Unfall­verhütung (BfU) beim Halleneingang. Dieses besteht aus 68 Spiegeln. Das sind etwas weniger als im Spiegelgarten des Gletschergartens. Dieser enthält 90 Spiegel. Das Labyrinth der BfU will mit Fragen die Besucher dazu anregen, das eigene Verhalten im Strassenverkehr zu reflektieren.


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