Hotels entdecken Airbnb

Luzern Weil der Schlafplatzvermittler eine Konkurrenz für Hotels ist, ist er in der Branche wenig beliebt. Doch inzwischen kann man auch Hotelzimmer über das Portal buchen – und es werden immer mehr.

21. November 2016, 00:00

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Der Schlafplatzvermittler Airbnb steht bisher bekanntlich nicht in der Gunst der Hoteliers. Diese kritisieren, dass für die privaten Anbieter nicht die gleichen Bedingungen wie für die Hotelbranche gelten würden (Ausgabe vom 29. August). Weniger bekannt ist aber, dass durchaus auch Hotels das Vermittlungsportal nutzen. In der Stadt Luzern tun dies zum Beispiel die Hotels Krone, National sowie Palace. Das Hotel Beau Rivage in Weggis ist ebenfalls auf Airbnb zu finden.

Statt das Portal zu boykottieren, versuchen somit auch Hotels im Hochpreissegment, von diesem Vermarktungskanal zu profitieren. Denn ein Airbnb-Profil zu erstellen, kostet nichts – auch für kommerzielle Anbieter. Oliver Müller, Direktor des Beau Rivage, sagt auf Anfrage: «Ich bin jemand, der immer neue Sachen ausprobiert und gerne testet, was sich bewährt und was nicht.» Ob sich das Inserieren auf Airbnb lohne, könne er noch nicht abschätzen. «Wir sind seit ungefähr einem Jahr dabei, und ich bin gespannt, wie es sich entwickelt.»

Hotels bieten statt Zimmern ganze Wohnungen an

Eines haben die genannten Hotels gemeinsam: Siebietenkeines ihrer Zimmer über das Portal an, sondern gleich ganze Wohnungen. Diese würden eher den Bedürfnissen der Airbnb-Gäste entsprechen, so der Tenor der Hoteliers. «Für Zimmer gibt es genug andere Angebote, Airbnb ist eher ein Portal für Wohnungen», sagt zum Beispiel Nicole Winkler, ­General-Managerin des Grand Hotels National. Das Haus inseriert auf Airbnb eine Residenz mit einer direkten Verbindung zum Hotel für 445 Franken pro Nacht. Beim Beau Rivage handelt es sich um eine Suite im Hotel für 650 Franken pro Nacht.

Das Hotel Krone bietet über die Plattform für 200 bis 220 Franken Wohnungen in der Luzerner Altstadt an – aber nicht nur: «Gäste werden über Airbnb auch auf unsere Hotelzimmer aufmerksam gemacht», sagt Peter Büsser, Geschäftsführer des «Des Balances» und ebenfalls verantwortlich für das Hotel Krone. Laut Büsser nehmen die Buchungen der Wohnungen über das Portal laufend zu und halten den Buchungen der Hotelzimmer die Waage.

Das Hotel Palace hat wiederum eine einzige Suite für 325 Franken aufgeschaltet. Laut Hoteldirektor Raymond Hunziker hat sich das Inserieren auf Airbnb jedoch nicht gelohnt: «Der Versuch hat sich als nicht erfolgreich erwiesen, da es auf diese Weise praktisch keine Buchungen gab. Wir verzichten deshalb wieder auf diesen Verkaufskanal.» Das Hotel habe das Inserat eigentlich schon vor einer Weile entfernt, dabei aber wohl nicht das gesamte Profil gelöscht.

DasBeispieldesHotels Palace ist gemäss Patric Graber, Präsident des Verbands Luzern Hotels, aber nicht exemplarisch. Bis mehr Hotels auf den Zug aufspringen und über Airbnb inserieren würden, sei es nur eine Frage der Zeit, ist er überzeugt. «Airbnb wird für kommerzielle Anbieter bald gleich bedeutsam sein wie etwa die Plattformen Booking oder Expedia.» Dass Leute auf Airbnb mehrheitlich Wohnungen für einen längeren Aufenthalt suchten, könne er nicht bestätigen. «Es gibt unzählige Angebote, die bereits ab einer Übernachtung buchbar sind.»

Kein Verstoss gegen Tourismuszone

So vorteilhaft Airbnb für viele auch ist: Die Plattform wird vor allem dafür kritisiert, dass durch private Anbieter Wohnraum für die einheimische Bevölkerung verdrängt wird. Ein weiteres Problem sei, dass Private die obligatorischen Tourismusabgaben nicht zahlen würden. In Luzern reichte Kantonsrat David Roth (SP) zu diesem Thema vor kurzem eine Motion ein. Nicht zutreffend ist diese Kritik aber für die Hoteliers, die ihre Zimmer lediglich über ein zusätzliches Portal vermarkten – und damit weiterhin inländische oder ausländische Touristen ansprechen. Damit erfüllen Luzerner Hotels auch die Bedingungen, die in der Tourismuszone gelten. In dieser dürfen Hotels maximal 20 Prozent der Hotelfläche anderweitig verwenden, etwa als Privatwohnungen oder Büros. Der Rest muss für Hotellerie und Gastronomie genutzt werden.

Von dieser Regelung betroffen sind etwa das «Palace», das Hotel Schweizerhof oder das «National». Die Besitzer des Hotels Schweizerhof, die Familie Hauser, gingen gegen die neue Zonenordnung kürzlich bis vors Bundesgericht vor, blitzte mit ihrer Klage jedoch ab (Ausgabe vom 10. November).


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: