Letzter Schliff für Restaurant Schiff

GASTRONOMIE ⋅ Anfang 2015 kauften die Brüder Neufeld die Liegenschaft. Nach unzähligen Sitzungen, Planänderungen und einem Baustopp kommt nun der Endspurt.

11. Oktober 2016, 00:00

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitunng.ch

Fast vier Jahre blieben die Teller kalt im Restaurant Schiff an der Reuss. Lange war die Zukunft der Altstadtbeiz ungewiss. Dann kauften die Zürcher Ronald und Peter Neufeld die Liegenschaft im Januar 2015. Ihr Ziel: das beliebte Lokal möglichst «zügig» wieder zu eröffnen – «sanft saniert» und «urgemütlich», wie sie damals sagten. Was sie jedoch noch nicht ahnen konnten, war der zeitliche Aufwand dafür. Im August 2015 kam es sogar zu einem Baustopp, weil sie ohne Baubewilligung mit der Sanierung begonnen hatten (wir berichteten).

Die Eröffnung des Restaurants Schiff ist nun auf Ende Oktober geplant. Geführt wird es dann von Sylvia und Peter Wiesner, dem Pächterpaar vom benachbarten «La Barca». Die Zuversicht bezüglich der baldigen Eröffnung ist nach wie vor ungebrochen. «Wir sind unserem Ziel so nahe wie nie zuvor», sagen die Zwillinge Neufeld.

Lange Entscheidungswege

Die Brüder Neufeld haben ihren Humor nicht verloren, obwohl seit dem Kauf Monate ins Land gezogen sind. Die Neufelds wurden in ihrem «Zürcher» Tempo immer wieder gebremst. Als Hauptgrund dafür sehen die Neufelds den langen Entscheidungsweg: «Hier in Luzern muss alles im Detail abteilungsintern und abteilungsübergreifend abgesprochen werden. Eine einzelne Person, sei es vom Denkmalschutz oder vom Ressort Baubewilligung, will nie alleine die Verantwortung für eine Entscheidung übernehmen. Da muss Einigkeit herrschen.»

So erstaunt wenig, dass der bisherige Schriftverkehr bereits zwei Ordner füllt. Aktuelles Beispiel für einen langen Entscheidungsweg ist die Wahl für die Fassadenfarbe. «Wir wollten vor zwei Monaten bereits wissen, welche Fassadenfarbe es sein soll. Doch bis heute haben wir keinen Entscheid erhalten», sagt Peter Neufeld. «Am einfachsten wäre gewesen, wenn sie uns gleich gesagt hätten, welches Material wir verwenden dürfen. Doch da kam nichts, wir mussten auf unsere Kosten zwei Farbanalysen machen lassen. Zwar wissen wir jetzt, welches Material verwendet werden darf, doch nicht, welchen Farbton.» Die Neufelds schlugen für das historische Gebäude einen Apricot-Ton vor, doch der Denkmalschutz habe abgewinkt, so Neufeld. Nun tendieren sie auf das ursprüngliche Gelb. Ihr Fazit: «Unsere Ideen sind nicht gefragt. Material, Farbe und Tempo werden von den Behörden bestimmt, wir sind nur da zum Zahlen. Das braucht zwar Nerven, doch die haben wir von Haus aus.»

Ihnen sei auch schon gesagt worden, sie seien einfach zu schnell. Dem halten die Brüder Neufeld entgegen: «Die Behörden hier in Luzern sind eher zu langsam. In der Stadt Zürich wären solche Entscheide innert drei Monaten gefällt worden.» Auch müssten hier den Baueingaben mehr Detailpläne beigefügt werden. So hätten sie bereits im Vorfeld das Konzept für die Küche, das Buffet, die Eingangstüre, die Fenster und anderes mehr vor­legen müssen.

Im Antiquitätenlokal gibt es ein Behinderten-WC

Was die Brüder jedoch erstaunte, war, dass bei der Aussenfassade, zum Beispiel beim Sturzschutz bei den Fenstern, die Chromstahlgeländer nicht akzeptiert wurden und durch geschmiedetes Eisen ersetzt werden mussten, dass aber für das Freilegen der Bogenarchitektur in der zukünftigen Bar Schiffskeller kein Interesse bestand. Die von der Reuss her zugängliche Bar ist aber nicht das einzige Novum im Restaurant Schiff, denn in dem kleinen Lokal an der Reuss, wo früher Antiquitäten verkauft wurden, wird eine barrierefreie Toilette eingebaut. «Ich denke sogar, das ist die einzige hier entlang der Reuss», sagt Ronald Neufeld.

Haben die Brüder weitere Pläne in Luzern, oder sind sie ob der langen Behördenwege abgeschreckt? «Im Gegenteil, jetzt wo wir genau wissen, wie es läuft, sind wir gut gerüstet für Neues.»


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