Neue Notfallpraxis für Kinder

MEDIZIN ⋅ In Luzern ist die Dichte an Kinderärzten tiefer als in anderen Zentralschweizer Kantonen. Eine Zürcher Firma will nun in die Bresche springen – obwohl gemäss Kanton kein Handlungsbedarf besteht.

29. November 2016, 00:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Auf 73 Kinderärzte kommen in der Zentralschweiz rund 117 000 Kinder bis 14 Jahre. Das ergibt ein Verhältnis von etwa 1600 Kindern pro Pädiater. Im Kanton Luzern ist die Dichte jedoch geringer: Auf einen Kinderarzt kommen knapp 2000 Kinder, wie das Bundesamt für Statistik festhält. Der Kanton Luzern verfügt über rund 30 Kinderärzte.

Gemäss kantonalem Gesundheits- und Sozialdepartement ist die Versorgung durch Kinderärzte in der Stadt und Agglomeration Luzern ausreichend gedeckt – sowohl in der Regel- als auch in der Notfallversorgung, wie Hanspeter Vogler, Leiter Fachbereich Gesundheitswesen, auf Anfrage sagt.

Unterversorgung im Kanton Luzern?

Anders sieht das die Swiss Medi Kids AG mit Sitz in Zürich. In ihrer gestrigen Mitteilung schreibt sie, die Zentralschweiz, insbesondere der Kanton Luzern, sei mit Kinderärzten unterversorgt. Deshalb eröffnet die Firma am 1. Dezember in Luzern an der Seidenhof­strasse 9 – in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof – eine Permanence für Kinder bis 16 Jahre.

Auf etwas mehr als 300 Quadratmetern befinden sich sechs Behandlungsräume, ein Labor, ein Röntgenraum und eine kleine Apotheke, wie Katja Berlinger, Leiterin Swiss Medi Kids, auf Anfrage ausführt. «Unser Ziel ist es, die Versorgung der Kinder besser zu gewährleisten und zugleich die ansässigen Kinderärzte und die Spitäler zu entlasten.» Zu den Finanzen will Berlinger keine genauen Angaben machen. Die Kosten seien vergleichbar mit anderen Arztpraxen dieser Grösse. Die Permanence ist primär für Notfälle gedacht. Doch auch Eltern, die in ihrer Umgebung keinen Kinderarzt finden können, dürfen ihre Kinder in der Permanence behandeln lassen.

Bis dato war unter anderem das Kinderspital des Luzerner Kantonsspitals für Notfälle bei Kindern aus der ganzen Zentralschweiz zuständig. Das Spital hat 2014 sogar eigens eine Hotline eingerichtet, bei der sich Eltern melden können, wenn ihr Kind medizinische Hilfe benötigt. Allein im Jahr 2015 sind beim Kinderspital 11 500 solche Anrufe eingegangen. Bis Ende Oktober dieses Jahres waren es bereits über 12 700. Das sind etwa 30 bis 40 Anrufe täglich. Nicht nur die Anrufe, sondern auch die Zahl der Notfälle, die direkt ins Spital kommen, nimmt zu: pro Jahr um 5 und 7 Prozent. Sieht man beim Spital das neue Angebot nun als Konkurrenz?

Ramona Helfenberger, Sprecherin des Luzerner Kantonsspitals, sagt: «Wir verstehen die Kinder-Permanence als ergänzendes Angebot. Abgedeckt wird die Notfallversorgung und keine Langzeitbetreuung. Ob es beim Kinderspital zu einer Entlastung führt, wird die zukünftige Entwicklung zeigen.» Gemäss Helfenberger sind die häufigsten Gründe für eine Notfallkonsultation im Kinderspital Infektionen und Unfälle.

Kein Luzerner Arzt in der Permanence

Die Permanence beschäftigt zum Start vier Ärzte und sechs medizinische Praxisassistentinnen. Die Mediziner haben alle die Ausbildung in der Schweiz absolviert und werden in einem Teilzeitpensum angestellt sein. Dass die Ärzte allesamt während mindestens dreier Jahre an einer anerkannten Schweizer Ausbildungsstätte tätig waren, war die Bedingung für die Luzerner Regierung, um die Berufsausübungsbewilligungen für die Ärztinnen und Ärzte zu erteilen. Die rekrutierten Mediziner verfügen alle über den Facharzttitel Kinder- und Jugendmedizin, die Leiter zudem über den Schwerpunkt in Notfallpädiatrie, wie Berlinger sagt.

Ein Luzerner ist «leider nicht» unter den Ärzten, räumt sie ein. «Wir würden es selbstverständlich begrüssen, wenn sich auch Luzerner Kinderärzte für die Permanence interessierten.» Die Grosspraxis wird das ganze Jahr betrieben und hat täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Berlinger schliesst jedoch nicht aus, die Öffnungszeiten bald auszudehnen. Sie stellt aber auch klar: «Erfahrungsgemäss entlasten wir die anderen Kinderärzte am Nachmittag und am Abend am meisten.»

Die Standortwahl der Permanence lässt sich damit begründen, dass Luzern das Zentrum der Zentralschweiz ist. Zudem sei Luzern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossen. Nach Zürich und Winterthur wird Luzern die dritte Permanence sein, die von der Swiss Medi Kids AG betrieben wird.

Hinweis

Weitere Informationen finden Sie unter www.swissmedikids.ch

«Abgedeckt wird die Notfallversorgung und keine Langzeitbetreuung.»

Ramona Helfenberger

Sprecherin Kantonsspital


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