Quartier wird fertig gebaut

BUNDESPLATZ ⋅ Seit dem 19. Jahrhundert gibt es am Bundesplatz eine städtebauliche Narbe. Nun schwebt Luzerner Architekten ein neues Quartierzentrum vor. Und die Stadt freut sich auf 100 neue Parkplätze.

02. Dezember 2016, 00:00

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Der mit Kies bedeckte Parkplatz am Bundesplatz direkt an der Langensandbrücke ist allen Stadtluzernern gut bekannt. Schon lange gibt es Pläne für eine Überbauung an diesem attraktiven Standort, doch sie wurden nie verwirklicht. Seit 2014 gehört das 3600 Quadratmeter grosse Grundstück der Mobiliar Asset Management AG und der HRS Investment AG. Die Eigentümer wollen mit der Bebauung vorwärtsmachen und haben deshalb im letzten Jahr einen Architekturwettbewerb durchgeführt. Nun wurde ein Siegerprojekt gekürt.

Das Projekt mit dem Namen «Luegisland» entstammt der Zusammenarbeit der beiden Architekturbüros ARGE Steib & Geschwentner Architekten sowie Toblergmür Architekten. Es beinhaltet ein zweigeteiltes Gebäude mit einem 35 Meter hohen Turm direkt am Bundesplatz-Kreisel und einem 32 Meter hohen, länglichen Haus zur Langensandbrücke hin. Verbunden sind die beiden Teile durch eine Art Portal. Im höheren Gebäude werden Eigentumswohnungen entstehen, die von der HRS verwaltet werden. Die Mobiliar wird die Wohnungen im niedrigeren Haus vermieten. «Die eher kleineren Mietwohnungen werden sich im mittleren Preissegment bewegen, damit in der Überbauung eine soziale Durchmischung möglich ist», sagt Daniel Steck, Leiter Bauten bei Mobiliar. Das Anlagevolumen betrage etwa 100 Millionen Franken.

Beim Projekt stechen insbesondere die Aussenraumgestaltung und die Erdgeschossnutzung hervor. Zwischen dem Neubau und den bestehenden Gebäuden soll eine Grünanlage entstehen, die von allen Quartierbewohnern genutzt werden kann. Diese ist autofrei. Im Erdgeschoss gibt es Platz für Gewerbe, Läden, Büros und Gastronomie. Ein Vorvertrag mit einem Ankermieter wurde bereits abgeschlossen. «Ein bekannter grosser Detailhändler wird dort eine Filiale eröffnen», verrät Daniel Steck. Auf einem dreieckigen Plätzchen direkt bei der Brücke soll zudem ein Gastronomiebetrieb ein Boulevardrestaurant betreiben. «Es war uns wichtig, die Überbauung offen zu gestalten, sodass dessen Umgebung zu einem Treffpunkt für das ganze Quartier werden kann», sagt Gabriel Gmür von Tobler­gmür Architekten. Der Luzerner hat seine Kenntnis der Stadt ins Siegerprojekt einfliessen lassen.

Stadt pochte auf mehr Parkplätze

Tomaso Zanoni, Vorsitzender der Jury im Architekturwettbewerb, betont die Bedeutung des Standorts: «Das Hirschmattquartier ist eines der am dichtesten bebauten Stadtquartiere aus dem 19. Jahrhundert in der Schweiz, und bis heute ist dessen Abschluss in Richtung Gleisfeld ungelöst.» Das Projekt schliesse diese Lücke auf würdige Weise.

Auch Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner zeigt sich begeistert. «Wir waren von Anfang an eingebunden in die Entwicklung des Areals, was für uns ideal ist.» Besonders die Aussenräume seien wichtig aus Sicht der Stadt. «Die Überbauung ist durchlässig, und die Aussenräume können dem ganzen Quartier dienen», so Rehsteiner. Der Neubau füge sich gut in die Umgebung ein, auch was die Höhe betreffe. «35 Meter sind eher ein hohes Haus als ein Hochhaus.» Das halbrunde Gebäude vis a vis ist nur ein re­spektive zwei Stockwerke kleiner. Ebenfalls ein wichtiges Anliegen der Stadt sind die Parkplätze. «Wir haben bei der Hirschmatt-Erneuerung viele Parkplätze abgebaut. Deswegen war es der Wunsch der Stadt, beim Bundesplatz rund 100 öffentlich zugängliche Parkplätze zu schaffen», erklärt Rehsteiner. Tatsächlich wurde der Abbau von total 76 Parkplätzen im Hirschmattquartier immer wieder scharf kritisiert. Die neuen Parkplätze am Bundesplatz sind unterirdisch. Die Zufahrt zur Tiefgarage ist dort, wo sich heute die Einfahrt auf den Kiesplatz befindet. Die Ausfahrt erfolgt den Gleisen entlang über die Neustadtstrasse. Dort soll übrigens auch ein Velo- und Fussweg bis hin zur Langensandbrücke führen. Gemäss Jürg Rehsteiner besteht der Plan, diesen Weg dereinst bis zur Zentralstrasse zu verlängern.

Für das Areal wird nun ein Gestaltungsplan ausgearbeitet. Ziel der Bauherren ist es, Anfang 2019 mit dem Bau zu beginnen. Ende 2020 sollen die Gebäude bezugsbereit sein. Ein Stolperstein für das Projekt könnte allerdings die Stadtbildinitiative sein, die den Bau von Hochhäusern im Stadtzentrum verbieten will. Der Entscheid des Bundesgerichts über die Gültigkeit der Initiative steht noch aus. Gibt es einen Plan B für den Fall, dass die Initiative einmal zum Tragen kommt? «Nein», sagt Martin Kull, CEO der HRS Real Estate AG. Das sei der richtige Standort für ein Hochhaus. «Wir gehen davon aus, dass das Stimmvolk vernünftig ist und das Projekt nicht verhindern will.»

Hinweis

Das Siegerprojekt ist bis 9. Dezember im EWL-Gebäude an der Industriestrasse ausgestellt.

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  • ©2014 nightnurse images, Züri
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Am Bundesplatz in Luzern entsteht an zentraler Lage ein Wohn- und Geschäftshaus mit 125 Wohnungen, Ateliers und Büros. Geplant sind auch Läden und eine Parkanlage. Läuft alles nach Plan, fahren 2019 die Bagger auf.

Am Bundesplatz sind zwei Hochhäuser geplant. Baustart ist 2019. Der Stadtarchitekt von Luzern ist überzeugt, dass mit dem Bau ein Akzent gesetzt werden kann. (Tele1, 1. Dezember 2016)




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