Roth steigt ins Sportgeschäft ein

NEUANFANG ⋅ Der ehemalige Luzerner Stadtpräsident Stefan Roth (56) wird ab Januar in Cham ein Zentrum für Spitzenathleten leiten. Ob er weiterhin im Kantonsrat bleibt, ist fraglich.

19. November 2016, 00:00

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

«On your marks» – frei übersetzt: «auf die Plätze». Das ist der Name des neuen Arbeitgebers von Stefan Roth (56). Los gehts für den ehemaligen Luzerner Stadtpräsidenten im Januar. Dann wird er die 100-Prozent-Stelle als CEO der Firma mit Sitz in Cham übernehmen.

«Nach meinem Rücktritt habe ich mir die Zeit genommen für eine systematische Standortbestimmung», schreibt Roth auf Anfrage unserer Zeitung. «Gleichzeitig habe ich verschiedene Tätigkeitsanfragen erhalten. Für On your marks habe ich sofort Feuer gefangen, weil es sich um ein schweizweit einzigartiges Projekt handelt.»

EVZ-Präsident ist Roths neuer Chef

Initiant und Verwaltungsratspräsident von On your marks ist Hans­peter Strebel, Präsident des EV Zug. In Cham plant er als Privatmann unabhängig vom EVZ ein grosses Athletikzentrum mit Forschung für Spitzensport (Ausgabe vom 8. März). Dieses setze gemäss Strebel im internationalen Spitzensport neue Massstäbe. Die neue Infrastruktur werde vom EVZ, aber auch von weiteren Spitzenathleten anderer Sportarten benutzt werden. Geplant seien eine Athletikhalle von rund 3000 Quadratmetern Fläche, eine Dreifachturnhalle, eishockeyspezifische Trainingsinfrastrukturen, ein «Running Track» von 80 Metern Länge, Schulungs- und Seminarräume, öffentlich zugängliche Bereiche wie Lobby, Foyer und Mensa sowie Labors. In Letzteren sollen Trainingsmethoden und deren Auswirkungen auf die Athleten individuell erforscht werden. Die Eröffnung ist Ende 2019 geplant. «Das Ziel ist, Mitte 2017 mit den Bauarbeiten zu beginnen», sagt Strebel.

Obwohl das Zentrum noch nicht steht, gebe es für Stefan Roth, den künftigen CEO, viel Aufbauarbeit zu leisten. «Denn 2019 soll nicht nur das Gebäude stehen, sondern auch der Betrieb bereits laufen. Darum ist es wichtig, dass Stefan Roth seine Führungsrolle demnächst übernimmt», so Strebel. Weiter werde sich Roth, der in seiner Freizeit regelmässig Handball spielt, auch um die Finanzen kümmern und für das Budget verantwortlich sein. «Seine Erfahrungen in Finanzfragen, aber auch die Tatsache, dass Stefan Roth sehr gut vernetzt ist, waren ausschlaggebend dafür, dass wir ihn für die Position angefragt haben», sagt Strebel, der wie Roth in Luzern wohnt.

Weitere Mandate in Verwaltungsräten

Apropos Luzern: Auch wenn er künftig in Cham arbeitet, wird Roth weiterhin in der Stadt wohnhaft bleiben. Neben seiner neuen Tätigkeit werde er zusätzlich Mandate in Verwaltungsräten übernehmen. «Diese bündle ich in Zukunft in einer eigenen Gesellschaft», so Roth. Um welche Firmen es sich handelt, könne er zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Er habe aber bereits Anfragen erhalten.

Bleibt da noch Zeit für die Politik? Stefan Roth ist zwar im September als Luzerner Stadtrat zurückgetreten. Für die CVP sitzt er aber nach wie vor im Kantonsrat. Die Frage, ob er zurücktreten wird, beantwortet er noch nicht endgültig. Roth betont aber, dass die Politik auf seiner Prioritätenliste nicht mehr an erster Stelle steht. «Ich kann mir gut vorstellen, dass ich aufgrund meiner neuen beruflichen Tätigkeiten vor Legislaturende zurücktrete.»

Das Geschehen in Luzern werde er aber «selbstverständlich noch weiterhin mitverfolgen». Sorgen bereiten ihm unter anderem die geplanten kantonalen Sparmassnahmen im Bereich Kultur. So unterstützt Roth die Aktion des Luzerner Sinfonieorchesters gegen die Kürzungen (Ausgabe vom 25. Oktober). «Luzern ist Kulturstadt, und damit müssen wir sorgfältig umgehen», sagt er dazu.

Stefan Roth war von 2010 bis 2016 Finanzdirektor der Stadt Luzern. 2012 wurde er als Stadtpräsident gewählt, 2016 verlor er das Amt an Beat Züsli (SP).

«Ich war sofort Feuer und Flamme.»

Stefan Roth

Luzerner alt Stadtrat


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